Ein mediterraner Garten rund um die Welt
Nachdem ich euch genug Bilder aus Dörfern und Städten gezeigt habe, schließen wir die Provence-Reise am Mittelmeer mit einem Spaziergang durch einen Garten.
Die Domaine du Rayol liegt in Rayol-Canadel, wenige Kilometer westlich von Cavalaire-sur-mer an der Côte d’Azur.
1910 als Alterssitz mit Park, Gemüse- und Obstgarten angelegt, wandelte sich die Nutzung im Laufe der Zeit, bis 1989 die Küstenschutzbehörde das Anwesen übernahm und Gilles Clément mit der Neuanlage beauftragte.
Das vielseitige Gelände ist in mehrere Bereiche gegliedert, die wir auf unserem Weg durchwandern. Offene Felsflächen mit Trockenheit liebenden Pflanzen wie Kakteen und Agaven wechseln mit feucht-grünen Tälern, überwuchert von Büschen und Bäumen. Schmale Hohlwege zwischen dornigen Sträuchern führen abwärts bis an die kleine Bucht und wieder aufwärts zu Bambushainen.
Überall Blüten in allen Farben und oft bizarren Formen, leuchtender Frühling voller Leben.
Mediterranes Klima gibt es rund um die Welt, etwa zwischen dem 35. und 40. Breitengrad. Und so finden sich in der Domaine du Rayol Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, Südost-Kalifornien, Zentralchile, der Kapregion Südafrikas und Südaustraliens, gruppiert nach ihrer Herkunft.
Das Ganze ist aber kein botanischer Garten, bei dem versucht wird, die Natur der einzelnen Regionen nachzubilden, sondern ein Park, der die Vielfalt mediterraner Vegetation anschaulich versammelt und zum Bummeln und Genießen einlädt.
Ein paar Bilder könnt ihr euch hier anschauen:
© Uta Lösken, 15.05.2012
zauberhaft

in meine Nase
fliedert jener Duft
aus einer Zeit die
ich von Zwängen frei
verträumt
und dieser Duft
vermag auch heute noch
dass ich die
Augen schließe und
entschwebe
kinderleicht
ehrenWORT: Fokus !

Was sich im Fokus befindet, sehen wir scharf.
Wohin aber legen wir unseren Fokus? Auf etwas Fernes oder ganz in unsere Nähe?
Halten wir den Blick fest auf einen Punkt gerichtet oder wechseln wir zwischen verschiedenen Zielen?
Vielleicht erst die Totale zur Übersicht und dann ein Zoom auf ein spannendes Detail?
Ein ehrenWORT, das viel Raum zum Nachdenken gibt – wie schon so oft.
Ich freue mich immer wieder über diese Anregungen.
Alle Beiträge dann am Montag auf dem ehrenWORT-Blog.
Sonnige Zeiten

Ein Mensch auf seiner Gartenliege
ist ganz entspannt, bis eine Fliege
ihm lästig um die Nase brummt,
an seinen Ohren lautstark summt.
Woher nimmt dieses kleine Vieh
für seinen Flug die Energie?
Zapft es vielleicht die Sonne an,
was Grünzeug schon seit langem kann?
Die Pflanze nutzt mit viel Geschick
den photosynthetischen Trick
und macht aus Wasser, Luft und Liebe
per Sonnenlicht die schönsten Triebe,
weil Chlorophyll im grünen Blatt
spezielle Fähigkeiten hat.
Es wandelt Sonnenenergie
zu Treibstoff für die Blattchemie.
Auch Halbmetall Silicium
macht Licht zu Energie und drum,
so lernt man heute in der Schule,
gehör’n auf’s Dach Solarmodule.
Damit für Elektrizität
kein Fass Atommüll mehr entsteht,
nicht Braunkohle noch Öl verbrennt,
der Stromzähler nach rückwärts rennt.
Der Mensch seufzt laut: Ach könnte ich
genauso simpel doch auch mich
mit Ökoenergie versorgen.
Ich würde glatt vom frühen Morgen
bis in den Abend Sonne tanken.
Das bleiben leider Wunschgedanken.
Trotzdem grinst unser Mensch nun heiter,
lehnt sich zurück und sonnt sich weiter.
Maimitte
am Horizont
zieht tiefes Grau
und droht mir warte nur
ich will die Wärme
aus den Wolken
schwemmen
ich schick’ euch
kalte Grüße
von den Herren
und der Dame
will euren Übermut
in Schranken weisen
die ihr den Sommer
nah schon glaubt
Okhra – eine der ältesten Farben der Welt
Schon in der Steinzeit nutzten die Menschen den Ocker als Farbe für ihre Höhlenmalereien. Warm leuchtet er in Tönen von Goldgelb bis Rotbraun. Und eines der berühmtesten Abbaugebiete liegt in der Provence rund um das Dorf Roussillon.

Vor den Toren des Ortes hat sich vor rund zehn Jahren die Kooperative “Okhra” gegründet. Dieses “Konservatorium des Ocker” hat verschiedene Aufgaben.

Eine Ausstellung im Hauptgebäude liefert viel Wissenswertes über Farben und Pigmente.

Für interessierte Laien aber auch ausgebildete Künstler werden Kurse angeboten, z.B. zu alten Maltechniken und der Arbeit mit Pigmenten.

Die ehemalige Fabrik Mathieu wurde erhalten, um die verschiedenen Produktionsstadien vom pigmenthaltigen Sand bis zu den verschiedenen Farbtönen zu demonstrieren. Als Besucher kann man sich einer Gruppenführung anschließen oder mit einem Faltblatt dem Lehrpfad folgen. Die einzelnen Stationen sind knapp und gut verständlich erläutert.
Das Ockerpigment ist an Sand gebunden und muss von ihm getrennt werden.
Dazu wird ein Wasser-Sand-Gemisch in Steinrinnen gepumpt.

Das leichte Pigment verteilt sich im Wasser, während der Sand absinkt. Die pigmenthaltige Brühe fließt durch Überläufe ab.


In mehreren Becken kann sich das Pigment über Nacht absetzen.

Die feuchte Schichte wird in Blöcke geschnitten, die an der Sonne trocknen.
Der Teil, der als roter Ocker Verwendung finden soll, wird im großen Ofen gebrannt.

Die getrockneten Blöcke müssen gemahlen werden.


Anschließend wird das Mahlgut in einer Rüttelanlage gesiebt und dadurch in verschieden grobe Partien aufgeteilt. Was zu grob ist, kommt wieder in die Mühle.

Der fein gemahlene Ocker wird in Säcke abgefüllt.

Die Elektroinstallationen früherer Zeiten waren schon abenteuerlich.

Ganz früher wurde der Ocker auch in Fässer gepresst und so transportiert.

Die Arbeitsbedingungen im Staub kann man sich gut vorstellen, wenn man die Installation einer Künstlerin mit Original Arbeitskitteln (und außerdem noch farbigen Tüchern und Ockersäcken) sieht.

Das aufwändige Verfahren, Ocker aus Sand auszuschlämmen, wird heute nur noch in geringen Mengen durchgeführt. Statt dessen wird der meiste Ocker auf künstlicher Basis hergestellt.

Und die Produkte können natürlich im Laden der Kooperative erstanden werden, neben Pinseln, Malzubehör und Büchern. Ein Döschen musste ich mir einfach mitnehmen. Ausprobiert habe ich den roten Ocker allerdings noch nicht.
Und noch eins der “schönsten Dörfer”
Am Fuß des Luberon-Massivs liegt ein farbenfroher Ort, einer der bekanntesten dieser Region: Roussillon, das einzigartige rote Dorf im Vaucluse.

Schon die Römer bauten hier Ocker ab, das Farbpigment, das es in vielen Schattierungen zwischen Gelb und Rot gibt. Bis ins 19. Jahrhundert lag hier das Zentrum des Ockerabbaus, produziert wurde sogar bis 1930. Aber davon erzähle ich morgen mehr.

Der Dorfkern von Roussillon ist nicht besonders groß, bietet aber in jeder der engen Gassen Anblicke, die mich den Fotoapparat zücken lassen. Alte Steinhäuser in rotbraunem Putz, leuchtend grüne oder fliederfarbene Fensterläden, knospende Weinreben an Natursteinmauern und immer wieder Ausblicke auf die Umgebung mit ihren Ockerfelsen.
Restaurants, einige Andenkenläden, ein paar Ateliers und Galerien – das Dorf ist ein Touristenmagnet. Aber auch hier finden wir um diese Jahreszeit genug Ruhe, um der Atmosphäre und den Farben nachzuspüren.







Blick in die Werkstatt
Kurze Notizen, Skizzen, Ideen und philosophische Gedanken, zusammengestellt in einem Lesebuch, das ganz einfach “Zettelkasten” heißt.
Durch einzelne Zitate, die ich bei Wildgans fand, bin ich auf dieses Buch gestoßen, das jetzt eine kleine Weile auf meinem Nachttisch lag und die ruhige Zeit vor dem Einschlafen begleitet hat.
Diese Mischung gibt – so der Klappentext – “erstmals Einblicke in die Gedankenwelt des Schriftstellers” und hat mir den Autor von “Momo” und der “Unendlichen Geschichte” von ganz verschiedenen, sich ergänzenden Seiten gezeigt.
Da ist der Erfinder von wundervollen Fantasiegeschichten, von Märchenwelten, die mit unserer Realität verzahnt sind. Da ist der Schriftsteller, der über seine Rolle in der Literaturwelt nachdenkt, der Philosoph, der über Kultur und Wissenschaft, über Fantasie und Fortschritt schreibt. Ein Mensch, der – wie mir scheint – eine große Offenheit hatte im Denken, der Ungewöhnliches akzeptiert, respektiert und sich damit auseinander gesetzt hat.
Ein Buch zum Lesen, zum Wiederlesen, zum Darin-Stöbern und Denkanstöße-Finden.
Michael Ende: Zettelkasten
München: Piper 2011, 10,95 €
im Abendlicht

Blütenschaum leuchtet
über frischgrünen Blättern
mancher Stamm bleibt kahl
ehrenWORT: Fracksausen !

Und natürlich alle Beiträge am Montag auf dem ehrenWORT-Blog. Ich bin schon gespannt, wie die Fräcke sausen werden.
