Jungfernfahrt

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Ein Mensch träumt schon seit Kindertagen,
sich an die Segelei zu wagen.
Er lernt die Technik im Verein,
denn Fachkenntnisse müssen sein.
Doch immer nur auf fremder Yacht
durchs Wasser gleiten, nein, das macht
dem Menschen keinen rechten Spaß.
So plant er voller Augenmaß,
um dann an seinem Fünfzigsten
vorm eignen Segelboot zu stehn.

Bei Sonnenschein geht er an Bord,
ein laues Lüftchen trägt ihn fort
über den See, die Wellen schlagen
an Schiffes Bug, er kann nicht klagen
und kreuzt vergnügt von Luv nach Lee,
bis ihn verlangt nach Brot und Tee.
Weil penetrant der Magen knurrt,
schon bald die Ankerkette surrt,
und nach der ausgiebigen Jause
macht unser Mensch ’ne Schlummerpause.

Als er aus tiefem Schlaf erwacht
neigt sich der Tag beinah zur Nacht.
Kein Plätschern will die Ruhe stören,
kein bisschen Wind ist mehr zu hören.
Die Segel hängen matt und schlapp
rechts und auch links am Mast herab.
Den Menschen packt die bitt’re Ahnung:
Er hat trotz akkurater Planung,
weil er auf’s Segeln ganz versessen,
den Flautenschieber glatt vergessen.

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