Mont-de-Marsan und Madeleine

Vom Meer haben wir uns verabschiedet und sind durch die einförmigen Weiten von „Les Landes“ gefahren. Einst eine Heidelandschaft wurde auf Befehl Napoleons aufgeforstet, so dass man heute durch das größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas fährt. Kiefern, Kiefern und nochmals Kiefern.

Am Südrand des Waldgebietes liegt Mont-de-Marsan, die Stadt der drei Flüsse. Denn mitten im Ort fließen die Flüsse Midou und Douze zusammen und werden zur Midouze. Unser „Grüner Reiseführer“ behauptete, dass Mont-de-Marsan ein ruhiges Verwaltungsstädtchen mit einigen hübschen alten Häusern sei und wir wollten uns das natürlich anschauen.
Aber wir hatten nicht mit einem Ausnahmezustand gerechnet. Mitte Juli feiern die Menschen hier die „Fêtes de la Madeleine“, ein Fest zu Ehren Maria Magdalenas, und das seit 1594.

Schon auf der Zufahrtsstraße wunderten wir uns über viele Menschen in weißer Kleidung mit blauen oder roten Halstüchern und Strohhüten. Alle strömten Richtung Innenstadt und wir beschlossen, den ersten Parkplatz zu nehmen, den wir finden konnten. Gut so, denn im Zentrum waren viele Straßen mit Metallgittern abgesperrt, Umleitungen eingerichtet und Plätze quollen über vor Karussells und Fressbuden. Am Vormittag war alles noch geschlossen, aber die ersten Schausteller klappten die Läden vor ihren Kassenbuden zur Seite.
Die meisten Geschäfte hatten ihre Fenster mit Holzwänden verbarrikadiert. Als wir die Plakate der Fêtes sahen, wussten wir auch warum. An mehreren der Festtage wurden Stiere durch die Straßen getrieben. Für diesen Tag war das Spektakel bereits vorbei und ich überlegte kurz, wessen dunkel getrocknetes Blut die Wirtin da gerade mit einem Gartenschlauch vom Pflaster spritzte.

Unser Rundgang durch die Stadt fiel kurz aus. Viele junge Männer mit schwankendem Gang und Bierdosen in der Hand, strenge Gerüche von feuchten Stellen an Hauswänden, nicht gerade einladend.

Dann eine Gruppe spanisch anmutender Trommlerinnen, lachend posierten sie, als sie meine Kamera sahen. Eine Straße weiter Musikanten mit Pauken und Dudelsäcken, auf dem großen Platz die nächste Blasmusik.

Der Festtag startete und wir machten uns zügig auf den Weg zum Auto. Nach feucht-fröhlicher Feierei war uns jetzt nicht, wir hatten noch ein gutes Stück Fahrt vor uns.

P.S.: Ich mag diese alten Reklamemalereien auf Hauswänden. Byrrh ist ein bittersüßer Aperitif aus dem Roussillon, der in Thuir aus Rotwein und einer geheimen Gewürzmischung hergestellt wird.

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2 Gedanken zu “Mont-de-Marsan und Madeleine

  1. Danke für diese schönen Reiseimpressionen, Uta. Man merkt, dass ihr euch sehr eingehend befasst mit den Gegenden, die ihr befahrt und erwandert.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  2. Liebe Uta,

    ein ruhiges Städtchen war das an dem Tag sicher nicht. 🙂
    Es sind aber dennoch schöne Bilder. Anders bestimmt als gedacht 🙂 , aber auch schön. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

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