Verwilderter Garten

 
der alte Apfelbaum breitete knorrig seine Äste über hohes Gras
und zwischen Brombeerranken leuchtete der Mohn
hinter Brennesseln verborgen der Eingang zu unserer Höhle
unter der Holunderhecke welcher Duft im frühen Sommer
und in den großen Ferien die reifen Pflaumen blau und gelb
ein Strauß aus Margeriten Flockenblumen Goldruten
und auf der Nase weiße Kelche von der Zaunwinde

ein Paradies für Kinder die das Loch im Drahtgeflecht
wie eine Tür durchschlüpften auf den Trampelpfaden
zwischen all den Wundern schlichen ungebändigt lachten
und sich duckten wenn die Hexe nebenan den Gehstock
schwang und schimpfte über uns und unser Spiel

den alten Garten gibt’s schon lang nicht mehr
gerodet und gefällt was einst dort wucherte
und doch ist dieser Garten noch in mir
wenn der Holunder duftet oder Pflaumen reifen
schließ‘ ich die Augen kletter‘ durch den Zaun
und auf den Ast des alten Apfelbaums
ich lass die Beine baumeln und die Seele

 

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2 Gedanken zu “Verwilderter Garten

  1. Ach, ist das schön und erzeugt Sehnsüchte nach den eigenen Gärten der Kindheit!

    Liebe Sonntagmorgengrüsse,
    Brigitte

  2. Dies halte ich für einen ganz wichtigen Schlüsselsatz: „und doch ist dieser Garten noch in mir“ Das macht gelebte Lebenszeit aus.

    Liebe Grüße
    Helmut

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