30 Bilder in 3 Tagen

Der Titel hat mich sofort fasziniert. Der Untertitel führt weiter: Die Serie als Methode zur Bildfindung.
Georg Kleber, Künstler und Lehrer von Mal- und Zeichenkursen, hat in diesem Buch eine Möglichkeit dargestellt, Malblockaden zu durchbrechen und spontaner zu werden. Ein Weg, der eigenen Kreativität Freiräume zu geben, weil sie das Ganze als Spiel sehen kann.

Das Wichtige bei der Arbeit mit Klebers Methode ist: Nicht denken, nichts erzwingen wollen.
Hier passt der Begriff „kreatives Chaos“ genau, finde ich.
Eine große Zahl kleiner Blätter wird parallel bearbeitet, in mehreren Stufen, ohne am Anfang schon ein Ziel vor Augen zu haben.

In einer ersten Phase werden alle 30 Blätter im Din-A5-Format (ja, wirklich klein), parallel mit z.B. einer einfachen Zeichnung gefüllt. Dabei sollten alle Zeichnungen ein übergreifendes Thema haben, z.B. Haushaltsgegenstände, Werkzeug, Pflanzen, was auch immer. Verschiedene Blickwinkel, Ausschnitte, etc. lassen ganz unterschiedliche aber zusammengehörige Anfänge entstehen.
Danach wird das Material gewechselt, also nach Zeichnung evtl. Aquarell, und ein ganz anderer Motivbereich wird ohne Rücksicht auf die erste Schicht auf die Blätter gemalt. Diese zweite Schicht muss nicht alles überdecken, darf aber.
Dieser Prozess kann nun auch noch eine drittes Mal durchgeführt werden: Wechsel von Material und Motiv, alles über die ersten Schichten, oft nur über Teile des Bildes.
Bis hierhin ist es ein Sammeln von Formen, Farben, Themen – Chaos ist auf den Blätter entstanden.

Nun wird in einem vierten Schritt dieses Chaos gesichtet und geordnet.
Jedes Blatt wird einzeln bearbeitet. Was gelungen scheint, legt man zur Seite.
Kriterium zum Überarbeiten: Was ist ein spannendes Motiv im Bild? Welche Strukturen sagen mir etwas? Welche Bildelemente möchte ich erhalten und betonen? Alles andere wird mit deckender Farbe übermalt.
Nun gelten auch die grundlegenden „Regeln“ für die Bildkomposition, z.B. Spannungsaufbau, Rhythmus, Räumlichkeit, aktive und passive Flächen etc.
Und wenn die Arbeit an all den einzelnen Blättern beendet ist, können die gelungensten Werke auch noch gerahmt werden.

Das Buch erläutert diese Vorgehensweise zuerst im Überblick, dann folgen 36 Beispiele der Bildentwicklung in ganz unterschiedlichen Techniken, mit einer großen Bandbreite an Motiven. Viel anzuschauen, zu lesen, viele Anregungen.
Ein Buch, das ich durchblättert habe, in dem ich gelesen und wieder gelesen habe. Das ich habe sacken lassen und das ich in der nächsten Zeit mir noch einmal vornehmen werde. Und zwar, wenn ich ein bisschen Zeit frei geschaufelt habe, um das Verfahren auch auszuprobieren. Mit Blättern im Din-A5-Format, wahrscheinlich zu Anfang mit ein paar weniger als 30, aber mit so vielen, dass sich eine großzügige Serie ergibt.

Georg Kleber: 30 Bilder in 3 Tagen
Edition Michael Fischer, Igling, 2011

 

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Ein Gedanke zu “30 Bilder in 3 Tagen

  1. Wusstest du, dass diese Methode in der Lyrik als Vier-Spalten-Methode ähnlich verwendet wird, um Schreibblockaden zu überwinden?
    Ich drücke dir die Daumen,
    Vielleicht jedoch ist auch manchmal leichter, die Mal(Schreib)blockade anzunehmen, anstelle sie zu bekämpfen.
    Ein zum Nachfragen anregender Text!

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