24. Dezember

 
Elfenwerk

 
„Du sollst doch in der Werkstatt nicht allein spielen. Wie oft muss ich das noch sagen?“, polterte der alte Wichtel. Sein Bart sträubte sich und sein Gesicht lief so rot an wie seine Mütze.
Die Elfe blickte verschämt zu Boden, ihre Flügelspitzen hingen herab und sie stammelte eine Entschuldigung. Die Stirnfalten des Wichtels glätteten sich wieder, er strich der Elfe sanft über die Haare.
„Ist ja schon gut. Fang bloß nicht an zu weinen, Kleine. Ich mein’s ja nicht böse. Hier ist es eben gefährlich zwischen all den Maschinen, Werkbänken und chemischen Bädern.“
Die Elfe hob den Kopf und lächelte zaghaft.
„Wenn es dich interessiert, dann zeige ich dir, was wir alles machen. So kurz vor Weihnachten ist Hochbetrieb, da gibt es viel zu sehen.“
Die Elfe nickte eifrig und schaute sich mit großen Augen um. Der alte Wichtel nahm sie an der Hand und wanderte mit ihr durch die große Halle.
Ein Wichtel hobelte Bretter glatt, aus denen ein zweiter dann mit einer Laubsäge Tannenbäume und Holzsterne aussägte. An einer Drehbank drechselte ein anderer Wichtel Kerzenständer und kleine Figuren. Die Elfe staunte.
„Ja, die werden natürlich bunt bemalt, dass machen die Wichtelinnen dort drüben. Die haben mehr Gefühl für solch feine Arbeiten.“
Die Elfe hopste zu den Wichtelfrauen, die an einem großen Tisch saßen und den Figuren Gesichter und Kleider aufmalten. Sie beobachtet eine Weile, wie die flinken Finger mit feinen Pinseln in Farbe tauchten, zart über die Holzfiguren strichen und darauf tupften. Die Männlein und Weiblein reihten sich zum Trocknen auf und die Elfe sah wieder den alten Wichtel an.
„Schau, da hinten wird Lametta geschnitten und daneben formen sie kleine Blechengel.“
Die beiden gingen zu den Metallwichteln und beobachteten sie eine Weile. Die Elfe sah den alten Wichtel fragend an.
„Nun ja, die Engel machen wir zuerst aus einfachem Blech, das ist stabiler und kostet nicht so viel. Dann müssen sie in das große Bad, damit sie einen Überzug bekommen aus purem Silber. Vorsicht, das Bad ist heiß und giftig.“
Die Elfe trat zögernd zu der riesigen Wanne und rümpfte die Nase, als ihr der Geruch der dampfenden Flüssigkeit in die spitze Nase stieg. Die Blechengel, Sterne und Tannenbäume wurden an langen Drähten hineingetaucht, nach ein paar Minuten zogen Wichtel sie wieder heraus und hängten sie zum Trocknen auf. Wie sie glänzten! Die Elfe lachte fröhlich.
Der alte Wichtel nahm wieder ihre Hand.
„Da vorne wird alles gut eingepackt, damit nichts Schaden nimmt auf dem Transport zu den Menschen“, erklärte er, währen die beiden zu einem weiteren Tisch gingen.
Die Elfe strich über knisterndes Seidenpapier, betrachtete Pappkartons und Geschenkdosen und schien ganz versunken zu sein. Der alte Wichtel drehte sich um und kontrollierte mit einem Blick, ob alles in der Wichtelwerkstatt lief, wie es sollte. Da hörte er plötzlich ein leises Lachen und ein lautes Zetern aus Richtung des Silberbades.
Er fuhr herum und sah einen Wichtel, der vor Schreck beide Arme in die Höhe gerissen hatte und vor sich hin schimpfte. Dann entdeckte er die kleine Elfe auf einem Hocker neben dem Bad. In einer Hand hielt sie ein Fläschchen, in der anderen einen kleinen Reifen. Sie pustete und pustete und Seifenblasen segelten schillernd über das Silberbad. Sie senkten sich langsam, berührten die Oberfläche. Doch statt zu zerplatzen versanken sie.
Der alte Wichtel erreichte mit wenigen Schritten die Elfe, zerrte sie vom Hocker und schüttelte sie.
„Bist du verrückt? Wie kannst du einfach da hinauf klettern? Ich habe dich doch gewarnt, dass das gefährlich ist. Und dann auch noch Seifenblasen!“
Die Elfe lächelte ihn verschmitzt an und zeigte auf die Wanne mit der Silberlösung.
Die Oberfläche der Flüssigkeit wölbte sich an ein paar Stellen, als ob sie kurz vor dem Sieden wäre. Die Beulen wurden größer, runder, formten sich zu Kugeln, die auf dem Silberbad schwammen. Der Wichtel fischte behutsam eine Kugel heraus und hielt sie hoch.
„Was haben wir denn da? Versilberte Seifenblasen?“ Er starrte auf die Leichtigkeit in seiner Hand. „Wie wunderschön sie ist!“
Plötzlich schien ihm eine Idee zu kommen, er wandte sich an die anderen Wichtel:
„Schaut her, wir haben etwas Neues für unsere Produktion: Silberkugeln für den Weihnachtsbaum. Dank einer ungezogenen kleinen Elfe.“
Und er lächelte die Elfe so breit an, wie es sein Bart überhaupt nur zuließ.

 
* * * * * * * * * *

 
Und mit dieser Geschichte gehe ich bis zum Jahresende in eine kleine Blogpause.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten, ein gemütliches Fest mit euren Lieben oder einfach ein paar freie Tage – wie ihr mögt und es braucht.
Herzlichen Dank an alle, die immer wieder hier vorbei schauen.
Kommt gut ins neue Jahr.

Wir lesen uns !

Lieben Gruß
eure Uta

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2 Gedanken zu “24. Dezember

  1. Daher kommen also die Weihnachtskugeln, liebe Uta. 🙂
    Ich bin erst jetzt dazu gekommen, deine schöne Geschichte zu lesen.
    Ich hoffe, du hattest ein wunderschönes Weihnachtsfest und genießt noch den heutigen Weihnachtstag.

    Herzliche Weihnachtsgrüße,
    Martina

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