Mondnacht (3)

„Riskante Sache. Danke für Ihren Einsatz.“
Der Kommissar schüttelte Vogels Hand so ausgiebig, dass der zusammenzuckte.
„Sorry, Sie müssen einen ordentlichen Brummschädel haben. Aber so schnell wie Brüning zuschlug, konnten wir nicht reagieren.“
„Immerhin bin ich nicht wie Hinrichs im Wasser gelandet.“ Vogel grinste schief. „Ist eigentlich gar nicht mein Ding, den Helden zu spielen.“
„Aber was tust du nicht alles für eine gute Freundin“, ergänzte Elke und reichte Vogel einen Becher Tee. „Mit Schuss, den hast du dir verdient. – Und Sie auch.“ Sie hielt dem Kommissar ebenfalls einen Becher hin. „Weil sie uns nicht für verrückte Künstler erklärt haben.“
Ein Polizeiwagen fuhr an den Künstlerhäusern vorbei, Brüning hockte auf der Rückbank und starrte geradeaus.
„Es ging um mehr als Steuerhinterziehung“, sagte der Kommissar. Die drei saßen in Elkes Wintergarten, während Wolken langsam den abnehmenden Mond verhüllten.
„Brüning arbeitete mit einer Fälscherbande zusammen, die im großen Stil Werke der Worpsweder Gruppe und der Brückemaler kopierte. Und neue dazu erfand. Ein Riesengeschäft.“
„Deshalb also das farbenfrohe Bild, das ich nicht sehen sollte“, sagte Vogel.
„Du hättest es sofort erkannt“, sagte Elke. „Oder zumindest hättest du Fragen gestellt.“
Der Kommissar sprach weiter. „Brüning hat gestanden, dass er Hinrichs getötet hat. Genau so, wie er Sie heute aus dem Weg räumen wollte.“
Vogel schluckte. Abenteuer würden ganz sicher nicht sein Hobby werden.
„Hinrichs hat versucht, ihn zu erpressen, nachdem er die Bilder entdeckt hatte, die Brüning für die Bande malte. Er hatte ihm schon längere Zeit hinterher spioniert. Genau wie Ihnen war ihm klar, dass Brüning sich seinen Lebensstil nicht mit dem Verkauf seiner eigenen Werke finanzieren konnte.“
„Ich wusste doch, dass Hinrichs ein Spanner war!“, empörte sich Elke. Vogel musste grinsen, verzog dann schmerzhaft das Gesicht.
„Brüning singt wie eine Heidelerche. Ich hoffe, wir können die komplette Bande auffliegen lassen.“
„Na, die sitzen ja vermutlich nicht in Worpswede“, meinte Elke. „Also haben wir ab morgen wieder Ruhe. Und können uns nach diesem Intermezzo unserer Kunst widmen.“
Elke zwinkerte Vogel zu, der seinen Tee mit einem langen Zug austrank.

* * *

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