Mausalarm

Normalerweise werde ich morgens von unseren beiden Katern abgeholt, wenn ich im Bad fertig bin. Sie sitzen vor der Tür und maunzen kläglich, als ob sie seit Tagen nichts zu fressen bekommen hätten. Dann rennen sie gemeinsam die Treppe nach unten, huschen in die Küche und warten ungeduldig, bis ich endlich die Näpfe gefüllt habe.

Nicht so vorgestern. Ich komme in die Küche, die Kater hocken vor der Küchenzeile und würdigen mich keines Blickes. Stattdessen starren sie auf die Sockelleiste unterhalb der Spülmaschine. Vom frischen Katzenfutter lassen sie sich kurzzeitig ablenken, dann fixieren sie wieder die Schränke. Ich höre nichts, aber ich weiß: Irgendwo dort muss eine Maus sitzen.
„Wer von euch hat sie hier drinnen laufen gelassen?“ Natürlich bekomme ich keine Antwort. Nach einer Weile wird es den beiden zu langweilig und sie gehen. In den Garten, trotz zweistelliger Minusgrade. Aber wozu hat ein Kater schließlich ein ordentliches Winterfell. Ich bleibe mit der vermuteten Küchenmaus zurück.
Im Laufe des Tages hockt immer mal wieder ein Kater vor der Küche, aber von der Maus bekomme ich weder etwas zu sehen noch zu hören. Vielleicht ist alles doch nur Einbildung.

Nächster Morgen, die Kater sitzen im Arbeitszimmer. Das grenzt direkt an die Küche, die Verbindungstür steht immer offen. Der Schrank mit dem alten Fernseher ist eindeutig der interessanteste Teil des Zimmers. Also doch ein ungebetener Gast im Haus. Ich ignoriere ihn, zumindest in den nächsten Stunden. Was sollte ich auch machen? Schränke auseinander bauen?
Der Abend kommt, es wird dunkel und ruhig im Raum. Ich sitze am Schreibtisch und tippe.
Hinter mir ein Knistern und Knuspern, die Maus wird langsam munter. Ich auch. Ich hole die Mausefalle aus dem Keller, eine Lebendfalle, einen kleinen Gitterkäfig mit Schnapptor. Ich spieße ein Stück Wurst auf und stelle die gespannte Falle direkt neben den Schrank, hinter dem es geraschelt hat. Ich setze mich wieder an den Schreibtisch. Alles ist vorbereitet, damit die Maus später, wenn ich gegangen bin, aus ihrem Versteck kommen kann.

Ein blechernes Klappen lässt mich herumfahren. Im Käfig hockt ein Schatten und knabbert am Wurststückchen. Tut mir leid, meine Kleine, aber du musst jetzt in die Kälte.
Die Kater liegen im Wohnzimmer auf der Heizung, ich lasse die Gefangene also gefahrlos im Vorgarten mit weiten Sprüngen unter die Büsche flüchten.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s