Einsamer Riese der Provence

Das Rhone-Tal führt uns auf geradem Weg Richtung Süden in die Provence. Auf der Höhe von Orange biegen wir ab nach Osten mit Ziel Carpentras.
Die Kirschbäume blühen, die knorrigen Rebstöcke dagegen stehen wie tot in Reih und Glied, Platanen habe ich in Frankreich noch nie mit nackten Armen gesehen, kahl und unansehnlich. Aber die Luft ist frühlingsmild mit einem Dunstschleier, der die Ferne verschwimmen lässt.
Und dann taucht er auf, überragt die Ebene mit seinen rund 1900 Metern, der Géant de Provence, der Riese, der heilige Berg der Kelten: der Mont Ventoux.

 

 
Während eine Flanke schroff aufsteigt, fällt die andere sanfter ab. Seine Wälder wurden gerodet für den Flottenbau, als Brennholz und zur Herstellung von Holzkohle. Bis ins 19. Jahrhundert war er der „nackte“, der „rasierte Berg“, inzwischen ist weitgehend aufgeforstet und 1990 ernannte ihn die UNESCO zum Biosphärenreservat, um Pflanzen und Tiere in ihrer dortigen Vielfalt zu schützen.

Nur der Gipfel ist immer noch kahl und leuchtet im Sonnenschein weiß, als läge Schnee auf dem Bergrücken: ein riesiges Kalkschotterfeld, auf dem praktisch nichts wächst.
Bäume hätten es schwer in der Höhe, denn fast immer weht hier ein heftiger Wind, der kalte Mistral, der alles beugt, was sich ihm entgegenstellen könnte.

 

 
Eine Straße führt von West nach Ost über den Berg, windet sich nach oben, senkt sich wieder in die Ebene. Eine Straße, die wir vor Jahren schon gefahren sind, die jetzt aber noch gesperrt war – leider. Denn bei klaren Wetter hat man vom höchsten Punkt aus, an dem auch ein Observatorium steht, eine fantastische Rundumsicht von den Pyrenäen bis zu den Alpen und zum Mittelmeer.

 

 
Aber auch der Weg am Südrand des Mont Ventoux ist reizvoll, schlängelt sich durch Steineichenwälder bis kurz unter die Baumgrenze. Und immer wieder begegnen uns Radfahrer, denn die kurvigen Strecken sind beliebt bei allen, die ein bisschen Tour-de-France-Feeling suchen.

Mag sein, dass der Mont Ventoux einfach nur ein Berg ist, der ein bisschen einsam in der provenzalischen Ebene steht. Mich fasziniert diese Landmarke, ihr Anblick sagt mir: Ja, du bist angekommen im Land von Wein und Lavendel, von Olivenöl und Ocker.

 

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2 Gedanken zu “Einsamer Riese der Provence

  1. Ich war mit meiner Frau im Juli mit dem Motorroller auf dem Mont Ventoux und kann diesem schönen Bericht nur zustimmen. Störend sind vielleicht die zahlreichen Touristen auf dem Gipfel (wozu wir natürlich auch gehört haben ;-), dafür ist die Aussicht wirklich toll.

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