K wie Kerze

 
Umschalten auf „gemütliche Stimmung“ – dazu kann man eine Kerze anzünden. Ihr warmes Licht, das sanfte Flackern, das Archaische des Feuers, das alles mag ich.
Doch jede, ob gedrungene Stumpen- oder schlanke Leuchterkerze, erreicht irgendwann ihr Ende und verlöscht. Zurück bleibt ein Wachsrest, den man in den Müll werfen könnte. Mache ich aber nicht. Ich sammele diese Reste nach Farben grob sortiert. Und einmal im Jahr, meist in der Adventszeit, duftet dann unsere Küche nach warmem Kerzenwachs. Ich gieße neue Kerzen.

Zum ersten Mal habe ich das als Teenager gemacht. Mein Vater hat mir das Equipment dazu aus seinem Fundus zusammengestellt.
Ein Messingrohr als Form für die Kerze.
Einen passenden Gummistopfen als unteren Abschluss, in der Mitte ein Loch, durch das ich den Docht fädeln kann.
Eine Dochthalterung aus Draht gebogen, die oben auf das Rohr gesetzt wird.
Ein Becherglas, um das Wachs zu erhitzen.
Dochtgarn (ich habe auch schon einfachen Baumwollfaden benutzt) und eine dicke Nadel

 
Auf einer alten Kochplatte schmelze ich das Wachs ganz langsam. Es soll ja nicht kochen.

 
Der Docht bekommt am Ende einen Knoten, als wollte ich mit ihm nähen. Mit der Nadel fädele ich ihn durch das Loch im Gummistopfen und drücke den in das Metallrohr.
Dann ziehe ich den Docht durch die Mitte der Drahthalterung und fixiere ihn mit einer Krokodilklemme (auch noch von Papa).
Sicherheitshalber stelle ich die Form auf einen Metallteller.

 
Das Wachs ist klar geschmolzen. Vorsichtig, damit Dochtreste und sonstige Fremdkörper im Glas bleiben, gieße ich es in die Form.

 
Ich behalte etwas Wachs zurück im Glas. Die Kerze kühlt in der Form von außen nach innen ab. Dabei zieht sich das Wachs zusammen und es entsteht eine Vertiefung, manchmal sogar eine richtige Höhle im Inneren.

. . .

 
Wenn die Kerze weitgehend fest ist, erhitze ich den Wachsrest und gieße vorsichtig nach. Dann darf die Kerze komplett auskühlen.
Aber wie bekomme ich sie nun aus der Form?
Das Rohr lässt sich gut mit einer Heißluftpistole erhitzen. Ich halte dabei den ganzen Aufbau am Kerzendocht fest und drehe langsam. Irgendwann ist das Metall so heiß, dass die Oberfläche der Kerze anschmilzt und sie aus dem Rohr rutscht.

 
Nebeneffekt: Die Oberfläche sieht interessant aus.
Docht unten ab und oben auf richtige Länge schneiden. Fertig. Nächste Kerze.

 

P.S.: Wenn die selbstgegossenen Kerzen am Ende sind, landen die Reste endlich im Müll. Eventuell vorhandene Schadstoffe aus den gekauften Kerzen (ganz frei davon ist man wohl nie) würden sich nämlich ansammeln, wenn man die Reste der Reste der Reste immer weiter verwendet.

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