5. Dezember

Verschwendung

Übers Jahr flattern sie vereinzelt in den Briefkasten, in der Adventszeit kommen sie in Schwärmen: Briefe von allerlei Hilfsorganisationen.
Dicke Briefe mit Anschreiben von freundlichen Herren, die mir klar machen, dass gerade meine Hilfe unbedingt gebraucht wird, um das Leid der Welt zu lindern.
Vorgedruckte Überweisungsträger, oft schon mit ebenfalls vorgedruckten Beträgen, hängen an diesen Briefen, um es mir so einfach wie möglich zu machen, dem Spendenwunsch nachzukommen.

Und um mir eine Ablehnung möglichst schwer zu machen, liegen diesen Briefen kleine Gaben bei: Adventskalender, Weihnachtskarten, CDs mit Weihnachtsliedern.
Mein Gewissen regt sich. Wenn ich den Brief und damit die Gaben annehme, bin ich dann nicht auch verpflichtet zu spenden? Nein, bin ich nicht. Verwenden mag ich diese aufgedrängten Karten aber auch nicht.
Macht es Sinn, sie zurückzuschicken? Was, wenn ich die Annahme verweigere?
Mein Postbote erklärt mir, dass die Post solche Briefe nicht zurückschickt sondern vernichtet, denn der Absender würde das Porto für die Rücksendung sowieso nicht bezahlen. Also könne ich sie auch gleich selber in den Müll werfen.

Und nun regt sich mein Gewissen erst recht, und zwar auf.
Ich stelle mir vor, wie viele hunderte, tausende, zehntausende solcher Briefe gedruckt und verschickt werden. Wie viele Adventskalender, Weihnachtskarten, CDs produziert und mitgeschickt werden, nur um vermutlich zum großen Teil im Müll zu landen.
Und ich stelle mir vor, wie viel Geld das alles kostet (mal abgesehen vom Umweltaspekt). Geld, das diese Organisationen als Spenden erhalten, damit sie Menschen helfen, die diese Hilfe bitter nötig haben.
Oder bringen diese Marketingaktionen wirklich so viel mehr ein, als sie kosten? Bei der Briefflut zweifele ich ein bisschen daran. Ich frage mich immer wieder, welcher Anteil der Spenden wirklich dort ankommt, wofür eigentlich die ganze Spende gedacht war.
Verwaltung muss sein, und das geht bei einer großen Organisation nicht komplett ehrenamtlich. Aber wie viel Bürokratie braucht es? Wie viel Werbung ist nötig? Wo muss man eine Grenze ziehen im Hinblick auf den eigentlichen Zweck der jeweiligen Vereine?

Diese Gedanken gehen mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich im Briefkasten Spendensammelpost finde. Und erst recht heute, am 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamtes.

 

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2 Gedanken zu “5. Dezember

  1. Das waren genau meine Gedanken, als kürzlich ein Brief ankam von der Winterhilfe… Beigelegt ein Tütchen mit Deko-Glitzer-Schneeflocken, die kein Mensch braucht. Ich öffne diese Briefe gar nicht mehr, wenn klar ist, worum es sich handelt.
    Vlt würde es helfen eine Mail zu schicken und zum Ausdruck zu bringen, dass man erst recht nichts spenden wird, wenn das Geld für solchen Firlefanz verpulvert wird.

  2. also, ich schicke immer retour! ich mache die kuverts erst gar nicht auf. streiche einfach meine adresse durch und kringele die angeführte retouranschrift ein. und ich merke deutlich, dass ich viel weniger bekomme. das ist das bisher einzige wirkungsvolle mittel gewesen.
    ich habe mich z.b. zig mal bei einer solchen aktionistengruppe (rote nasen) beschwert und zu guter letzt sogar einen brief an die prominente leiterin geschrieben – worin ich mich heftig beschwert habe, dass meine spende zum anlass genommen wurde, mich mit marketingaktivitäten (anrufen und dgl.) und material nur so zuzuknüllen. das alles hat meine spende mit sicherheit um ein vielfaches überstiegen. das hat überhaupt nichts genützt. aber das zurücksenden der immer dicker gewordenen kuverts auf diese art … seither habe ich nie wieder etwas von denen bekommen …

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