5. Dezember

Auch in diesem Jahr gibt es eine Adventsgeschichte …
 

… und bringt ein Licht
 

Es war spät geworden, weit nach Mitternacht. Die Gäste waren gegangen, die Stühle an ihre Plätze gerückt, die Gläser in die Spülmaschine geräumt. Im Bad oben hörte Britta ihren Mann rumoren. Sie öffnete die Terrassentür, trat nach draußen und atmete die frische Luft ein.
Die erste Adventszeit im eigenen Haus. Nach dem Trubel von Renovierung und Umzug tat es gut, langsam zur Ruhe zu kommen.
Wie still es hier war. Der Garten lag im Nachtdunkel, das Licht der Straßenlampe reichte nicht so weit. Ihr Haus war das letzte im Ort. Nein, das vorletzte. Direkt am Wald stand noch ein altes, unbewohnt seit Jahren, Streit in der Erbengemeinschaft, hatte eine Nachbarin ihr erzählt.
Britta schmunzelte. Die Nachbarin kannte jeden im Dorf, war eine nicht versiegende Quelle von Tratsch und Informationen. Aber sie war eine Nette, die es den Neuen leicht machen wollte, sich hier einzuleben. Das sei schon eine ziemliche Umstellung, von der Stadt aufs Land, meinte sie, und dass sie es nicht bereuen würden, weil es doch noch eine Gemeinschaft gäbe und nicht so anonym sei wie dort.
Britta legte die Arme um ihren Körper. Kalt war es, aber sie wollte noch einen Moment draußen stehen bleiben. Ob es bald schneien würde?
Ein Rascheln ließ sie nach links schauen, auf die Hainbuchenhecke. Nichts zu erkennen. Wahrscheinlich nur eine Katze, die durch die Büsche strich.
Sie kniff die Augen zusammen und trat einen Schritt vor. Täuschte sie sich oder hatte sie gerade ein Flackern gesehen? Ein gelblicher Schein aus Richtung des alten Hauses. Könnte hinter einem der Fenster im oberen Stock gewesen sein. Aber da war doch niemand, das Haus stand leer. Einbrecher? Bestimmt nicht.
Ihre Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt. Der Himmel wirkte heller über dem Wald. Sie konnte die Konturen des Gebäudes davor ausmachen und starrte hinüber. Wieder dieses Flackern.
„Wo bleibst du?“ Peters Stimme drang zu ihr nach draußen. Britta drehte sich um.
„Komm mal runter“, rief sie zurück. „Ich glaube, da stimmt was nicht.“
Sie sah wieder zu dem alten Haus hinüber.
„Was stimmt nicht?“ Peter stand direkt hinter ihr. „Verdammt, ist das kalt. Ich will ins Bett. Es ist schon ein Uhr durch.“
Britta zeigte zum Nachbargrundstück.
„Das alte Haus. Ich habe Licht gesehen. Oben.“
Nun starrte auch Peter in die Dunkelheit.
„Ich sehe nichts. Wieso sollte da Licht sein?“
Britta zuckte zusammen. „Vielleicht brennt es. Wir müssen die Feuerwehr rufen.“
Peter schüttelte den Kopf. „Da ist nichts. Kein Licht, kein Feuer.“
Er legte seinen Arm um Britta, wollte sie ins Haus ziehen, blieb dann bei ihr stehen. Sie warteten eine Minute, zwei, dann schüttelte Britta den Kopf.
„Du hast recht, da ist nichts. Lass uns schlafen gehen.“
 

(Fortsetzung folgt)
 

Advertisements

Ein Gedanke zu “5. Dezember

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s