12. Dezember

… und bringt ein Licht (2)
 
Die Adventszeit verging wie im Flug. Trübes Regenwetter und Arbeit ließen keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Die Nachrichten im Fernsehen über Terror, Krieg und Not waren für Britta kaum noch zu ertragen.
„Am liebsten würde ich mich wie ein Murmeltier verkriechen, Winterschlaf halten und hoffen, dass alles besser ist, wenn ich aufwache.“
Peter zog eine Grimasse und zuckte mit den Schultern. „Du weißt, dass das nichts nützt. Die Menschen sind nicht zu retten.“
Er nahm die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus.
Britta seufzte. „Ja, ich weiß. Homo homini lupus, wie unser alter Lateinlehrer früher sagte. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Dabei ist ein Wolf gar nicht so ein Untier.“
Sie stand auf und ging zum Wohnzimmerschrank, holte eine dicke, weinrote Kerze und einen Keramikuntersetzer und stellte beides auf den Tisch. Mit einem Streichholz zündete sie die Kerze an und dimmte die Wandlampen.
„Ein Licht, ein lebendiges, warmes Licht. Das brauche ich jetzt.“
Sie kuschelte sich in die Sofaecke und schaute in die Flamme.
Nach einer Weile flüsterte sie: „Sie flackert genau so, wie ich das letztens im alten Haus gesehen habe.“
Peter runzelte die Stirn. „Was gesehen?“
„Weißt du nicht mehr? In der Nacht zum ersten Advent, als ich auf der Terrasse stand und dich gerufen habe.“
„Ach das. Da war doch nichts. Oder hast du danach noch etwas entdeckt?“
„Nein“, Britta schüttelte leicht den Kopf.“ Ich hatte das ganz vergessen. Sonst hätte ich bestimmt mal drüben nach dem Rechten geschaut.“
Sie schwieg einen Moment, dann sah sie Peter an.
„Meinst du nicht, wir sollten mal nachsehen, ob alles in Ordnung ist?“
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Es ist dunkel, es hat angefangen zu schneien. Das macht überhaupt keinen Sinn.“
„Nicht jetzt. Aber vielleicht morgen. Da ist Sonntag, wir haben Zeit. Lass uns nach dem Frühstück einfach einen kleinen Spaziergang machen.“
Peter brummelte vor sich hin, widersprach aber nicht.

Vor dem Zubettgehen stand Britta am Fenster und starrte hinaus. Es war gar nicht mehr so dunkel, der Schnee hatte den Garten mit einer weißen Decke überzogen, dem Buchsbaum auf der Terrasse eine Mütze aufgesetzt.
Brittas Blick wanderte über die Hecke zum Nachbargrundstück, zum alten Haus, zu den Fenstern im oberen Stockwerk. Nichts.
Sie ließ den Rolladen herunter und ging schlafen.
Von Westen näherte sich eine Wolke flimmernder Lichter dem alten Haus, aber das sah Britta nicht mehr.

(Fortsetzung folgt)
 

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