19. Dezember

… und bringt ein Licht (3)
 
„Du willst jetzt nicht wirklich draußen herumlaufen, oder?“ Peter zog den Kopf zwischen die Schultern.
Britta nickte. „Doch, natürlich. Ich find’s schön mit dem Schnee. Auch wenn der Himmel grau ist.“
Sie zog die Schleife ihres Stiefels fest, nahm ihre Handschuhe und trat vor die Haustür.
„Los, komm, die frische Luft wird uns gut tun.“
Sie marschierte los, wandte sich auf dem Bürgersteig nach links. Peter folgte murrend.
„Aber nur die kleine Runde“, forderte er und Britta grinste.
Nach wenigen Metern blieb sie vor dem Eingang zum Nachbargrundstück stehen. Über das niedrige Gartentor hinweg musterte sie den Weg, der sich in leichtem Bogen zur Haustür zog. Der Schnee lag vielleicht sechs oder sieben Zentimeter hoch, rundete die Randsteine, machte den Übergang zur Wiese weicher. Vogelfüße hatten Ornamente ins Weiß gezeichnet.
„Schau mal da!“ Britta zupfte Peter am Jackenärmel und deutete auf die Hausecke.
„Da sind noch andere Spuren. Da war jemand.“
Peter schnaufte genervt. „Wahrscheinlich eine Katze oder ein Fuchs. Lass uns weitergehen.“
Britta ließ sich nicht beirren. „Das sind keine Pfoten, das sind Fußabdrücke.“
Ehe Peter sie zurückhalten konnte, hatte sie das Tor geöffnet und ging auf das Haus zu.
„Nun mach schon.“ Sie winkte, dass er ihr folgen sollte.
Peter hastete hinterher. „Lass das“, zischte er. „Was, wenn da noch jemand drin ist?“
Britta blieb stehen und drehte sich um.
„Ach, jetzt glaubst du also auch, dass irgendwas nicht stimmt.“
„Das können genauso gut die Besitzer sein. Oder ein Makler. Oder …“ Peter verstummte.
Britta ging langsam weiter, ihr Blick glitt über die Hausfront, blieb wieder an den Spuren im Schnee hängen.
„Die sind aber klein.“
„Kinder“, meinte Peter. „Das sind Kinderspuren. Vergiss es.“
„Aber die Spuren kommen aus dem Wald. Wo sollen da Kinder herkommen?“
Vorsichtig machte sie ein paar Schritte auf die Wiese, reckte den Kopf vor und betrachtete die zarten Abdrücke.
„Sie hören vor der Hauswand auf. Einfach so. Als hätte sich jemand in Luft aufgelöst.“
„Oder als wäre derjenige am Regenrohr hinauf geklettert.“ Peter sah nach oben.
„Das Fenster im ersten Stock ist nur angelehnt.“
Britta war inzwischen um die Hausecke herum gegangen.
„Hier sind noch mehr Fährten“, rief sie. „Mindestens fünf. Alle kommen aus dem Wald.“
„Auf dieser Seite gibt es auch Spuren“, rief Peter von der anderen Hausecke. „Viel größere, wuchtige.“ Er schlug die Hand vor den Mund.
„Lass uns verschwinden“, flüsterte er, als Britta wieder neben ihm stand und fasste nach ihrem Arm. Aber Britta starrte zum Dach hinauf und rührte sich nicht.
Im nächsten Moment öffnete sich die seitliche Tür und schmale Finger griffen nach Brittas und Peters Händen.

(Fortsetzung folgt)
 

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