Sooo viel Zeug (3)

Ich stehe mit dem neuen T-Shirt vor dem offenen Kleiderschrank und denke:
Verflixt, wo soll das da noch hinein? Wenn ich es auf den Stapel mit den anderen T-Shirts quetsche, dann bekommen alle Falten. Und wenn ich eins herausziehen will, rutschen mindestens zwei hinterher und ich darf sie neu zusammenlegen.
Was tun?

Erste Möglichkeit: Ich lege das T-Shirt auf einen anderen Stapel, auf dem noch etwas Platz ist, egal, ob das jetzt Pullover oder Sweat-Shirts sind oder was auch immer.
Nachteil: Ich bringe Durcheinander in den Schrank und übersehe das T-Shirt vermutlich, weil ich es dort nicht erwarte.

Zweite Möglichkeit: Ich weite den Stauraum für meine Kleidung aus, indem ich vielleicht einen neuen Schrank kaufe oder Teile eines vorhandenen Schrankes nun für Kleidung verwende.
Nachteil: Mein Zuhause wird immer voller, enger und unübersichtlicher.

Dritte Möglichkeit: Ich beschließe, mich von Kleidungsstücken zu trennen, um Platz für das neue T-Shirt zu machen. Klingt sinnvoll, ist aber gar nicht so einfach.
Ich muss mir Kriterien überlegen, die mir eine Entscheidung möglich machen: Behalten oder aussortieren?

Das Zeitkriterium (soundso lange nicht benutzt) mag ich nicht, weil es Dinge gibt, die ich wirklich sehr selten brauche, aber hin und wieder eben schon.
Das Kriterium von Marie Kondo (ich hatte hier von ihrer Methode erzählt), die Dinge zu behalten, die uns glücklich machen, gefällt mir da schon deutlich besser. Aber dabei gibt es immer wieder Fälle, bei denen mich ein schlechtes Gewissen plagt.

Wenn ich ein T-Shirt gekauft habe, in dem ich mich nicht wirklich wohl fühle, kann ich es nicht einfach wegwerfen oder weggeben. Es hat schließlich Geld gekostet, mein Geld. Und ich denke dann, ich müsste es irgendwie nutzen, sozusagen den Kaufbetrag abnutzen.

Bei meiner Beschäftigung mit dem Thema „Wirtschaft“ bin ich auf einen Begriff gestoßen, der hier passt: „sunk costs“ – versunkene Kosten.
Kosten, die in der Vergangenheit angefallen sind und nicht rückgängig gemacht werden können, sind versunken. Sie sind nicht zu ändern und sollten bei Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, nicht berücksichtigt werden.

Ein Beispiel aus der Wirtschaft:
Ich plane ein Projekt, bei dem ich insgesamt 100.000 Euro investieren muss und einen Erlös von 120.000 Euro erwarte. Hieße: ich mache einen Gewinn von 20.000 Euro. Klingt gut und ich lege los.
Nachdem ich 10.000 Euro in die Planung gesteckt habe, stellt sich heraus, dass ich vorausichtlich nur 80.000 Euro einnehmen werde. Weitermachen oder das Projekt stoppen?

Wenn ich weitermache, werde ich ab diesem Zeitpunkt Kosten von 90.000 Euro aufhäufen, aber nur 80.000 Euro einnehmen. Ich beende das Projekt also.
Die 10.000 Euro Planungskosten habe ich für die Entscheidung nicht berücksichtigt, weil sie vergangen, versunken sind. Ich bekomme sie so oder so nicht zurück.

Psychologisch gibt es hier eine Falle:
Wenn wir Geld, Mühe, Zeit in ein Projekt investiert haben, neigen wir dazu, an diesem Projekt festzuhalten. Und zwar unabhängig davon, wie die Prognose für die Zukunft aussieht.

So ist das auch mit meinem ungeliebten T-Shirt. Ich habe in der Vergangenheit Geld investiert, also behalte ich es, obwohl die Prognose für die Zukunft sagt: Dieses T-Shirt wird weiter ungetragen im Schrank liegen und mich ärgern.
Nehme ich die „sunk costs“ für das T-Shirt aus meinen Überlegungen heraus, ist klar: Ich werde es weggeben, z.B. an ein soziales Kaufhaus, denn dann nutzt es vielleicht noch jemand anderem.

 

Advertisements

3 Gedanken zu “Sooo viel Zeug (3)

  1. Wenn Du eine gute Idee hast und daran glaubst – weiter machen! Prognosen sind nicht alles! Was alte T-Shirts angeht, die Du nicht mehr trägst oder worin Du Dich sogar unwohl fühlst – weg damit! Am besten einem guten Zweck spenden. Und der freigewordene Platz im Schrank macht viel glücklicher als ein T-Shirt, was sich quasi selbst überlebt hat. Liebe Grüße von der Beobachterin (Fan Deiner selbstgestrickten Socken 🙂 )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s