Wie wenig ist genug?

Wenn man mit dem Ausmisten einmal angefangen hat, kann es passieren, dass man kein Ende findet. Dass man entrümpelt und Dinge los wird und es bleibt immer weniger zurück.
Wann hört man auf?
Ich glaube, das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Jeder hat da seinen eigenen Endpunkt. Wo meiner ist, weiß ich noch nicht (weil ich im Prozess bin, vermutlich eher am Anfang).

Es gibt Menschen, die haben ihr „genug“ gefunden. Und genug ist für sie sehr wenig.
Sie nennen sich Minimalisten und anscheinend findet dieser Trend seit Jahren steigenden Zuspruch, vor allem in der jungen Generation.

Wir leben in einer Zeit, in der es so viele Dinge gibt, wie nie zuvor. Sie werden mehr und immer schneller mehr. Optionen ohne Ende. Reizüberflutung. Entscheidungschaos. Das erzeugt Druck und Stress.
Wen wundert’s, wenn sich da eine Gegenbewegung entwickelt, ein Gegenentwurf zur konsumorientierten Überflussgesellschaft.

Minimalisten sind Menschen, die sich nur mit wenigen Dingen umgeben. Und zwar mit denen, die ihnen unverzichtbar sind.
Ein Minimalist hat vermutlich einen guten Laptop, ein Smartphone, aber keine (oder kaum) Bücher. Bücher zu besitzen ist in digitalen Zeiten nicht nötig. Hauptsache man hat Zugriff auf die Inhalte.
Schnickschnack wird konsequent entsorgt, weil er Energie frisst (z.B. muss man ihn „in Ordnung“ halten) und weil er ablenkt. In Zeiten, in denen Zeit eine knappe Ressource ist, möchte der Minimalist seine Zeit nutzen für Aktivitäten, die ihm am Herzen liegen, nicht dafür, seine Sachen aufzuräumen.
Wenn Besitz ein Statusmerkmal ist, kostet es viel Energie, Zeit, Geld, den Status aufrecht zu erhalten oder sogar auszubauen. Stress, den der Minimalist vermeidet.
Minimalismus scheint eine Möglichkeit zu sein, wieder den Überblick und damit die Kontrolle über sein Leben zu bekommen.

Minimalisten besitzen oft nur 100 oder 200 Dinge. Keine Ahnung ob ein Paar Socken da als ein oder zwei Teile gezählt wird. Auf jeden Fall ist das Größenordnungen entfernt von einem Durchschnittshaushalt mit rund 10.000 Dingen (wie ich gelesen habe).
Das klingt einerseits spartanisch, andererseits macht es vermutlich leicht, flexibel.
Und irgendwie muss ich an Buddhismus denken: Kein Anhaften an den Dingen.

Ich glaube nicht, dass ich zur Minimalistin in Reinform werden könnte. Dafür bin ich als Künstlerin oft zu sehr Sammlerin (von Inspirationen, von Material etc.).
Aber den Kram um mich herum zu reduzieren auf das für mich Wesentliche, daran arbeite ich gerade.

Übrigens: Diese Reduktion ist sicher deutlich einfacher, wenn man alleine lebt. Ansonsten gilt: Entsorgen nur einvernehmlich, sonst ist die Gemeinschaft schnell am Ende.

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