Langlebigkeit – nicht mehr gefragt?


 
In meinem Kleiderschrank finden sich wahrlich alte Schätzchen. Natürlich nicht nur, aber:
Diesen Pullover habe ich vor rund 30 Jahren (!) gestrickt. Ja, ihr lest richtig. Ich habe ihn damals in zwei Versionen gearbeitet, diesen hier für mich und ein spiegelverkehrtes Modell eine Nummer größer für meinen Schatz. Auch der zweite Pullover existiert noch.
Das Muster habe ich selber entworfen und eine gute, strapazierfähige Wolle ausgesucht.
Wie man sieht: Die Investition hat sich gelohnt.
Inzwischen trage ich den Pullover selten, weil ich keine engen Rollkragen mehr mag. Aber in kalten Wintern wie diesem leistet er immer noch gute Dienste.

Wir haben zuhause auch noch einen hervorragenden alten Plattenspieler und natürlich die dazugehörigen Schallplatten: Dire Straits, Cat Stevens und ähnliches. Hin und wieder machen wir einen Nostalgie-Abend und genießen den Klang mit diesem angenehmen leichten Kratzen und Knacken. Nach etwa zwanzig Minuten steht einer von uns auf, geht zum Plattenspieler und dreht die LP um.
Es gibt keine Playlists, in denen man mal eben scrollt, wir hören einfach der Reihe nach ein Stück nach dem anderen.

Und wenn ich jetzt anfange zu suchen, werde ich sicher an einigen Stellen fündig. Es gibt bei uns viele Dinge, die wir nutzen, so lange sie funktionieren. Und die wir versuchen, möglichst lange am Leben zu halten – durch Reparieren. Denn bei alten Dingen geht das meist.
Wenn bei einem älteren Shirt eine Naht aufgeht, dann lohnt es sich, sie mit Nadel und Faden zu schließen, denn der Stoff ist noch in Form, die Farben sind kaum verblasst. Anders als bei vielen, die man heute mal eben billig-billig kauft.
Wenn es in einem alten Radio oder Verstärker knirscht, kann mein Schatz mit dem Lötkolben das Problem fast immer beheben, denn Kondensatoren, Röhren oder Widerstände kann man austauschen. Anders als bei heutigen Geräten, bei denen gleich ein ganzes Modul gewechselt werden muss.

Und die meisten von euch werden die Geschichte von der Glühbirne kennen, die in einer Feuerwache in den USA seit über 100 Jahren brennt.
Was sind dagegen die 10000 Stunden, die man einer heutigen Energiesparlampe nachsagt?

Ende letzten Jahres hat mich eine Randnotiz zum Weihnachtsgeschäft verblüfft: Während früher Fernseher eine Nutzungsdauer von rund 10 Jahren hatten, werden sie heute schon nach durchschnittlich 3 Jahren ausgetauscht. Die einen, weil sie defekt sind und die Reparatur zu teuer ist im Verhältnis zum Anschaffungspreis. Die anderen, weil es ja schon wieder so viel schönere gibt: größer, schärfer, mit mehr „Features“ (die man meist nicht braucht).
Selbst funktionsfähigen Geräte wandern oft in die Recycling-Anlagen, wo nur ein Bruchteil der in ihnen verwendeten Rohstoffe zurückgewonnen werden kann (und das mit viel Aufwand).

Ich frage mich: Warum machen wir das? Warum lassen wir das mit uns machen?
Warum lassen wir uns einreden, wir bräuchten all die Dinge, bräuchten mehr, bräuchten ständig Neues?

Klar, auch ich möchte nicht immer in denselben Pullovern herumlaufen. Auch ich möchte hin und wieder etwas mehr Komfort bei der Technik oder ein neues Möbelstück haben.
Aber ich wehre mich gegen die Wegwerf-Mentalität, die leider immer mehr um sich greift.
Ich möchte mich mit Dingen umgeben, die ich schätze, die ich wert-schätze. Und was ich schätze, das möchte ich lange behalten.
Deshalb habe ich auch immer noch den 30 Jahre alten Pullover.

 

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6 Gedanken zu “Langlebigkeit – nicht mehr gefragt?

  1. Ja, du sprichst wahre Worte!
    Auch ich beschäftige mich immer (mal mehr mal weniger) mit dem Wahnsinn der Wegwarfgesellschaft. Das Problem der veralteten Technik eines Fernsehers löse ich, indem ich einfach gar keinen habe;-)
    Gerade mit kleinem Kind wird einem soooo viel unsinniges Zeug als nötig verkauft. Ich kann immer wieder nur den Kopf schütteln. Sinnloses Spielzeug, was sofort Schrott geht bis zum Horizont. Unnötig verpackte Lebensmittel, ständig neue Raffinessen. Der Bub spielt mit den bestimmt auch schon 20-30 Jahre alten Bauklötzen seiner Tanten und Onkel. Auch das über 20 Jahre alte Duplo wurde gerade bei den Großeltern wieder mit Freude bespielt. Klar, gibts auch mal neue Sachen geschenkt. (dann aber von anderen. Wir halten uns da zurück). Aber man könnte bestimmt noch so viel mehr beachten. Deinen alten Pulli als Beispiel finde ich klasse!
    Liebe Grüße Iggy

    1. Oh, ganz ohne Fernseher würde ich nicht wollen.
      Weil ich Nachrichten, Magazine und z.B. den Sonntags-Krimi gemütlich auf dem Sofa schauen möchte.

      Und ja, es wird immer wieder Neues erfunden, was man „unbedingt“ haben müssen soll.
      Dabei sind die alten Sachen oft viel schöner. Ich denke, die Kombination macht’s.

      Lieben Gruß
      Uta

      1. Ich bin schon ohne Fernseher aufgewachsen, deswegen bin ich es gewohnt. Und mit meinem Laptop kann ich mich schon ausreichend ablenken, sodass ich gerne auf den Fernseher verzichte;) Aber jeder wie es ihm beliebt!!
        Einen schönen Abend dir!
        Iggy

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