Eifer


 

„Oh ja!“ Der Herr auf dem nächsten Stuhl scharrte mit den Füßen. „Wir müssen etwas tun, unbedingt. Ich bin dabei, ich mache mit.“
Nicola betrachtete den Mann irritiert. Wobei wollte er mitmachen? Hatte sie etwas verpasst? Der Kerl wirkte recht nervös und zappelig, zupfte und zerrte an seinem grün gestreiften Schal. Sein dichtes, mausbraunes Haar stand in alle Himmelsrichtungen vom Kopf ab, als wäre er mit dem Finger in eine Steckdose gefahren.
„Wir müssen etwas unternehmen gegen … gegen …“ Er stutzte, kratzte sich am Hinterkopf. „Gegen den Untergang von Weihnachten. Genau!“
Er holte tief Luft.
„Mein Name ist Ulf Eifer. Ich bin der Meinung, dass wir uns mehr engagieren müssen. Für … für …“ Erneutes Stutzen und Kratzen. „Für unsere Umwelt. Genau!“
Nicola musste grinsen. War der wirklich echt? Oder war das ein Schauspieler, der die Runde aufmischen sollte?
„Weihnachten und Umwelt. Das müssen wir zusammen betrachten. Zu Weihnachten feiern wir eigentlich die Geburt von Jesus. Dieser Gedanke ist inzwischen immer mehr in den Hintergrund getreten. Weihnachten ist ein Familienfest geworden. Man hat ein paar Tage frei und verbringt diese Zeit mit der Verwandschaft. Essen, Trinken, Geschenke, das sind die Stichworte, die den meisten zu Weihnachten einfallen. Und statt ‚O du fröhliche‘ häufig Streit, weil die Ansprüche, die man an diese Tage hat, nicht erfüllt werden.“
Ulf Eifer verdrehte die Augen, räusperte sich und fuhr fort.
„Zurück zum Thema. Weil es um Essen, Trinken und Geschenke geht, geht es immer mehr ums Kaufen, Kaufen Kaufen. Die Läden sind brechend voll, die Geschäfte machen in der Adventszeit rund ein Fünftel ihres Jahresumsatzes. In nur vier Wochen, ist das nicht irre? Es wird verpackt und eingetütet und später wieder ausgepackt und weggeworfen. Was wir dabei für Müllmengen produzieren, Wahnsinn!“
Beim letzten Wort sprang er auf und ruderte mit den Armen. Er redete weiter, war aber nicht zu verstehen. Der Moderator bedeutete ihm, sich wieder zu setzen, damit er in Reichweite des Mikrofons kam.
„… nicht weitergehen. Deshalb plädiere ich dafür, die Konsumspirale zu unterbrechen und die ganze Schenkerei auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Das täte sowohl dem Weihnachtsfest gut als auch unserer Umwelt. Genau!“

 

Ein Gedanke zu “Eifer

  1. Nachdem ich gestern die Entstehungsgeschichte Deiner Karten gesehen habe, habe ich heute erst herausgefunden, was es mit der Geschichte auf sich hat und habe alle 17 Tage nachgelesen. Jetzt bin ich ganz gespannt, wie es in den nächsten Tagen weitergeht und wie die Diskussion endet. Wie gut, dass Du wieder mit dem Schreiben angefangen hast!
    Liebe Grüße von Frau Frosch

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