Gläsernes für eine Freundin

Vor einer Weile hatte ich euch meinen Teelichthalter mit beschränktem Durchblick gezeigt.

Eine gute Freundin von mir hat gerade ihr neues Buch, einen Krimi, veröffentlicht. Ich durfte vor der Veröffentlichung schon als Testleserin fungieren und bin begeistert.
Der Krimi spielt am Neusiedler See im Osten Österreichs und die Hauptfigur, Luise Pimpernell ermittelt in einem Mordfall.

Für die Buchpräsentation am nächsten Sonntag habe ich meiner Freundin dann drei Teelichthalter mit ihrer Comic-Version der Ermittlerin, der gezeichneten Lu Pimpi, und dem Leuchtturm vom Buchcover geschickt.
Das Foto habe ich abends noch schnell gemacht, bevor ich alles gut eingepackt habe.

Und wenn euch das Buch selber interessiert, hier der Link zum Verlag:
Tod eines Surfers

Und natürlich schicke ich Lu Pimpi jetzt gleich mal zum creadienstag.
 

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Grenzenlos

Wieder mal unterwegs. Wir rollen mit dem Wohnmobil über eine schmale Landstraße im äußersten Osten Österreichs, haben den Neusiedler See hinter uns gelassen. Rechts und links von uns Wiesen, gesäumt von einzelnen Bäumen und Buschreihen. Über uns ein dunstig-blauer Himmel. Vor und hinter uns kein Auto zu sehen, es ist Mittagszeit.
Ich mag dieses gemächliche Reisen, das Muße lässt, um beidseits des Weges Landschaft, Vegetation und Tierwelt wahrzunehmen. Die sanften Wellen der Weideflächen erinnern mich ans Meer. Der Wind lässt die Blätter der hohen Pappeln vor uns silbrig flirren und die Sonne wirft ihre Schatten als schmale Streifen über die Straße. Im Grasrand neben der Fahrbahn rosafarbene und blassblaue Tupfen: wilde Malven und Wegwarten. Die anspruchslosen Gewächse gedeihen auch oder gerade auf mageren Böden.
Auf einem Zaunpfosten hockt ein Bussard, späht von seinem Sitz nach Mäusen. Ein zweiter kreist hoch über einem brachliegenden Feld.
Die Straße zieht sich Kilometer um Kilometer durch die Weite. Der Asphalt, anfangs noch glatt und dunkel, wird grau-scheckig, rissig und unebener. Sonst ändert sich nichts. Irgendwann sehen wir vor uns die Silhouette eines Dorfes, geduckte Häuser, ein Kirchturm. Die Wiesen rundum werden zu Gemüsegärten. Dann das Ortsschild: Nyárliget. Wir sind in Ungarn.

Wie einfach es sein kann. Wie entspannt und problemlos, wenn Grenzen keine Grenzen mehr sind, die trennen. Wenn der Personalausweis genügt, um sich auf die Reise zu machen, um zu fahren, zu schauen, kennenzulernen.
Ich war schon einmal in Ungarn, das ist über dreißig Jahre her, damals vor dem Abitur. Studienfahrt nach Budapest. Lange vorbereitet, weil eine Reise in den Ostblock intensiver Formalitäten bedurfte. Jeder brauchte Reisepass und Visum. Die Anträge für die Visa füllten wir in der Schule gemeinsam aus. Name, Name des Vaters, Name der Mutter, Geburtsname der Mutter, Orte, Daten, so viele Informationen waren nötig. Die Anträge und Pässe gingen zur Ungarischen Botschaft in Düsseldorf. Bis wir sie wiederbekämen würde es dauern. Inzwischen weitere Vorbereitungen in der Schule. Referate zu Geschichte, Kultur, Leben. Ein paar Brocken Ungarisch lernen. Was heißt Bitte und Danke? Wie sage ich „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“? Und noch eine wichtige Vokabel: „Egészségére!, “ bedeutet „Prost“ – immerhin fuhren wir in ein Weinland und die meisten von uns waren volljährig.
Mit dem Zug rund zwanzig Stunden von Aachen ganz im Westen nach Budapest weit im Osten Europas. Irgendwann stand der Zug an der Grenzstation zwischen Österreich und Ungarn. Unsere Reisepässe und Visa hatten die Lehrer gesammelt für die Passkontrolle. Warten. Aus dem Abteilfenster auf den Bahnsteig schauen. Dort patroullierten Grenzsoldaten in Uniform, strenger Blick, das Gewehr geschultert. Für uns ein ungewohnter Anblick, bedrückend, ein bisschen unheimlich.
Wir wussten uns zu helfen, öffneten das Abteilfenster, begannen zu singen, das einzige ungarische Volkslied, dass wir kannten: „Az a szép, az a szép, akinek a szeme kék, …“
Und bildeten uns ein, die Blicke der Soldaten wären etwas weniger streng gewesen.

Damals Visumpflicht und bewaffnete Grenzer, heute eine offene Landstraße und Reisefreiheit. Und wie wird es morgen sein?
Wenn ich im Fernsehen Bilder sehe von neuen Grenzzäunen, läuft es mir kalt den Rücken herunter.

* * * * *

Diese kurze Geschichte habe ich geschrieben für den Leseabend unserer Autorengruppe im November. Der Ungarn-Urlaub ist zwar schon eine Weile her, aber mir ging aufgrund der Nachrichten das Thema durch den Kopf.

und nochmal Lochmuster …

Auch wenn der Sommer inzwischen (fast) vorbei ist, gibt’s heute noch ein Strick-Top ohne Ärmel, dafür mit vielen kleinen Löchern.
 

 
Das Baumwollgarn mit Farbverlauf von Gelb über Weiß nach Grau war ein Restposten im Kaufhaus. Und da lagen auch Zettel mit diesem Lochmuster herum. Also habe ich beides mitgenommen und geschaut, was ich daraus machen kann.
 

 
Das Muster sieht komplizierter aus, als es sich strickt. Wenn man das Schema einmal kapiert hat, geht’s fast von alleine, zumindest ohne Zettel und Nachzählen der Reihen.
 

 
Als Kantenabschluss am Ausschnitt und an den Armen habe ich einfach eine Lochreihe gestrickt, gefolgt von einer Reihe glatt rechts und dann links abgekettet. Das sitzt super.

Und dann fiel mir mit einem Mal auf, dass das Grau im Baumwollgarn genau zum Grau meines Seelenwärmerchens von letztens passt:
 

 
Also werde ich das Top wohl doch noch tragen können, auch wenn es heute arg nach Herbst aussieht.

Jetzt schicke ich es erstmal schnell zum creadienstag und schaue, was dort noch alles gezeigt wird.

 

Er ist da – mein Kalender für 2018

Diejenigen, die mich schon länger auf meinem Blog begleiten, kennen das:
Jedes Jahr gestalte ich einen Kalender mit Fotos und Lyrik.
In diesem Jahr musste es mal wieder einer rund ums Meer sein.

Wie üblich ist er im Format DIN-A4 professionell gedruckt und mit Metall-Ringbindung versehen. Preis (seit Jahren unverändert): 12,00 Euro (+ 3 Euro Versand).
Falls jemand Interesse hat, bitte eine Mail an uta (ät) loeskenweb (punkt) de.

Und hier ist er schon mal zum Anschauen:

Alltagsmenschen in Wiedenbrück

Auf der Rückfahrt vom Norden Richtung Zuhause haben wir einen Mittagsstopp gemacht in Wiedenbrück (Kreis Gütersloh).
Die historische Altstadt ist von Fachwerk geprägt, alte Häuser, viel Grün, ein Park mit See.

Aber nicht nur die Gebäude in Wiedenbrück sind interessant, die Menschen sind es auch. Ganz besonders die „Alltagsmenschen“.

Überall findet man sie in der Stadt. sie sitzen in Cafés oder vor Restaurants, stehen an einer Straßenecke oder vor einem Geschäft, einzeln oder in Gruppen.

Das sind die „Alltagsmenschen“, Betonfiguren der Künstlerin Christel Lechner, die sich seit Jahren von Frühjahr bis Herbst in Wiedenbrück tummeln.

Ich hatte schon mal einen Bericht über die Künstlerin und ihre fast lebensgroßen Figuren gesehen. Ihnen plötzlich gegenüber zu stehen war verblüffend und schön. Einige habe ich euch mitgebracht.

unterwegs im Norden – HH (3)

Nachdem der erste Tag in Hamburg dem Stadtbummel gewidmet war, – bei Regen kann man so schön in Passagen (!) und Geschäfte flüchten – sind wir am zweiten Tag bei trockenem Wetter zu den Landungsbrücken gefahren. Einmal am Wasser entlang und ein bisschen durch Sankt Pauli.

Ursprünglich hatten wir vor, das Schanzenviertel zu besuchen. Ich hatte mich sehr gefreut auf ein lebendiges Viertel voller Kreativität, Kultur, was auch immer.
Dann kam der G20-Gipfel – das war am Wochenende vor unserem Besuch in Hamburg – und mit dem G20-Gipfel kam die Gewalt, die Zerstörung.
Ihr könnt euch denken, dass wir da nicht als „Katastrophen-Touristen“ durchs Viertel laufen wollten.
Aber selbst in Altona haben wir Straßenzüge mit zerschlagenen Scheiben gesehen, Scheiben von Kanzleien und von Handwerksbetrieben, provisorisch zugeklebt oder mit Holz vernagelt, bis eine Reparatur möglich ist.
Ich gestehe: Bei diesem Anblick war mir mulmig. Warum tun Menschen so etwas? Und wie weit werden sie beim nächsten Mal gehen?
Unsere „Zivilisation“ scheint doch nur eine ganz dünne Haut zu sein, zumindest bei einigen.