Advents-Post-Kunst: Was für ein Farbrausch

Nach langer Zeit habe ich im Advent mal wieder an einer Post-Kunst-Aktion von Michaela Müller und Tabea Heinicker teilgenommen. Mit viel Freude.

Einerseits hat das Überlegen, Planen und Gestalten der Advents-Postkarten im Streifenlook einen deutlichen Entschleunigungs-Effekt gehabt – nicht nur im Advent ein angenehmes Gefühl.

Andererseits war es sooo schön, in der Vorweihnachtszeit täglich bunt-fröhliche Post zu bekommen von anderen Menschen, die sich ebenfalls haben inspirieren lassen durch das Projekt.
Und nicht nur mit hat’s Spaß gemacht. Unser Postbote war ganz begeistert von all den fantasievollen, handgemachten Karten.

Alle Karten sind gut angekommen und hängen jetzt aufgereiht an der Wand gegenüber meines Schreibtisches. Ich kann mich jeden Tag an ihnen erfreuen.
Deshalb werden sie auch noch eine Weile dort hängen bleiben.
 

 
Herzlichen Dank an alle, die mir ihre Post-Kunst-Werke geschickt haben, zusammen mit lieben Weihnachtswünschen, Gedichten, Erklärungen zur Entstehung und mehr.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Übermorgen feiern wir Silvester, feiern in ein neues Jahr hinein.
Ich wünsche uns allen, dass es ein kreatives, inspiriertes, gutes, erfolgreiches, fröhliches Jahr wird.

Eure Uta

 

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Liebe


 

Auch der Moderator applaudierte. Der Abend war gelungen, so oder so ähnlich hatte er sich das vorgestellt. Er spürte die Energie, die im Saal schwebte, wie ein elektrisches Knistern. Fast perfekt. Etwas fehlte noch, aber auch das würde sich einstellen, davon war er überzeugt.
Langsam ebbte der Applaus ab, der Moderator nahm sein Mikrofon wieder in die Hand. Er wartete geduldig, bis es still wurde.
„Meine Damen und Herren, liebe Gäste, unsere Veranstaltung geht ihrem Ende entgegen. Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für Ihre Beteiligung, denn nur durch Sie und Ihre Gedanken, Meinungen, Beiträge haben wir den Abend mit Leben gefüllt. Deshalb möchte ich jetzt diejenigen, die sich zu Wort gemeldet haben, auf die Bühne bitten. Und unsere Podiums-Gäste kommen nach vorne zu mir.“
Für einen Moment verharrten alle unschlüssig. Als Klara Zuversicht als erste zur Bühne ging und die Stufen emporstieg, standen auch Traudl Fiduzia und Ernst Skeptik auf, Paula Ehrlich folgte ihnen. Auf der Bühne wurden Stühle gerückt und um den Moderator scharten sich Fiona Freude und Philomena Muße, die Kreativität und Herr Humor, Frieda Gelassen und Helmut Mut, Freya Libertas und Sophie Achtsam, Ulf Eifer, Prudence Kluge und Angela Geduldig.
Nicola stupste Adele Hoffnung an, die sich kurz zierte. Doch dann stand sie auf und zog Fanta-sie mit sich.
Ein paar Minuten später hatte jeder seinen Platz gefunden im Halbkreis um den Moderator. Nicola schaute sich die Runde an und lächelte. Wie unterschiedlich sie waren und wie harmonisch als Gruppe. Wie ein guter Chor, der seine Wirkung durch den Zusammenklang der einzelnen Stimmen erzielt.
„Weihnachten steht vor der Tür“, sagte der Moderator. „Und wenn ich Ihre Namen wörtlich nehme, dann haben wir eine bunte Mischung von Gaben, die wir dem Kind in der Krippe mitgeben können.“
Ein lautes Geräusch unterbrach den Moderator, er schaute zum Saaleingang. Nicola drehte sich um und mit ihr auch die anderen Gäste im Publikum.
Die Türflügel schwangen auf. Eine kleine Person in feuerroter Jacke stürmte herein und den Gang entlang zur Bühne.
„Wartet auf mich! Ihr könnt nicht ohne mich anfangen!“ Die Stimme eines Kindes.
Im nächsten Augenblick stand es neben dem Moderator und nahm ihn bei der Hand.
„Du wusstest, dass ich noch komme, oder?“
Der Moderator nickte. „Du gehörst einfach dazu. Ohne dich ist Weihnachten nicht Weihnachten. Es ist dein Fest.“
Und zum Publikum gewandt: „Sie haben es sicher erkannt: Liebe ist da.“
Wärme breitete sich in Nicola aus und sie hatte das Gefühl, dass es den anderen Menschen im Saal genauso ging.
Aus den Lautsprechern drangen leise Harfentöne, Flöten stimmten ein, übernahmen die Melodie, gaben sie weiter an Oboen. Trommeln verstärkten den Rhythmus, bis schließlich ein ganzes Orchester jubelte: Gloria in excelsis deo!
Nicola liebte dieses Lied seit Kindheitstagen. Und sie wusste: Weihnachten ist gerettet!

 

Zuversicht


 

„Das ist mein Einsatz!“, rief eine Frau aus der ersten Reihe. „Klara Zuversicht, Streetworkerin.“
Nicola schmunzelte. Frau Zuversicht sah genau so aus, wie sie sich eine Sozialarbeiterin auf der Straße vorstellte. Jeans und Parka, schulterlange, glatte Haare, ein offenes Lächeln und eine weiche Stimme.
„Ich möchte mich sowohl meiner Vorrednerin als auch Herrn Skeptik anschließen. So, wie es jetzt läuft, können wir nicht weitermachen. Wir müssen den Geist der Weihnacht wecken, wenn ich eine Anleihe bei Mister Dickens machen darf. Wir müssen weg vom Egoismus, wir brauchen wieder mehr Gemeinschaft. Aufeinander achten, miteinander arbeiten statt gegeneinander.“
Sie breitete die Arme aus, als wollte sie den ganzen Saal umschließen.
„Dass Sie alle heute hier sind, stimmt mich optimistisch. Sie alle können die Ideen, die wir zusammentragen, weitergeben, können als Botschafterinnen und Botschafter wirken. Ich weiß, es heißt immer wieder, dass der Einzelne nicht viel erreichen kann. Doch das stimmt nicht. Jeder Einzelne ist wichtig und jede Einzelne trägt dazu bei, etwas zu verändern. – Meine Güte, ich klinge ja schon wie eine Motivationstrainerin.“
Sie lachte leise.
„Aber genau das möchte ich. Ich möchte Sie motivieren, etwas zu verändern. Wie sagte Laotse so richtig: Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Lassen Sie uns diesen ersten Schritt heute Abend machen. Und lassen Sie uns dann immer weiter gehen. Wir werden andere Menschen mitnehmen auf unserem Weg. Weil wir eine Vision haben, ein Ziel: Wir wollen raus aus dem Konsumstress, wir wollen raus aus dem Höher-Schneller-Weiter, aus allem, was unsere Welt kaputt macht. Und wir wollen hin zu dem, wofür Weihnachten steht: Frieden.“
Donnernder Applaus ließ Klara Zuversicht erröten.

 

Zweifel


 

Aus einer der hinteren Reihen meldete sich ein Herr mit schwarzem Filzhut, die Krempe tief in die Stirn gezogen.
„Meine Frage wäre: Brauchen wir Weihnachten überhaupt noch?“ Trotz Mikrofon sprach er leise und zögernd. „Entschuldigung, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Ich bin Ernst Skeptik. Ich bin viel unterwegs um diese Jahreszeit. Und ich sehe Tag für Tag, was aus dem Fest geworden ist. Die einen nutzen die Gelegenheit, um sich mit der ganzen Familie zu treffen. Das könnten die Leute aber auch ohne geschmückte Tanne im Wohnzimmer tun. Oder lassen, denn Weihnachten führt bei vielen zu Streitereien, weil die Erwartungen so hochgeschraubt sind. Andere wiederum sind alleine und spüren ihre Einsamkeit am Heiligabend besonders schmerzlich.“
Er schluckte und räusperte sich.
„Die Geschäfte quellen über vor Festlichkeit und Glitzerwerk. Zum Fest nur vom Besten. Das Essen muss herausragend sein, der Wein exquisit. Und die Geschenke erst. Haben Sie sich die Schaufenster mal angesehen? Luxus – oft auch nur vermeintlicher – leuchtet überall. Man gönnt sich ja sonst nichts, oder? Aber was ist mit den Menschen, die sich all das nicht leisten können? Die kaum genug haben für den ganz normalen Alltag?“
Wieder verstummte er. Das Mikrofon verstärkte einen Seufzer.
„Ich weiß nicht“, fuhr er fort, als im Saal die ersten unruhig mit den Füßen scharrten, „ich weiß nicht, ob wir so weitermachen dürfen.“
Er zuckte mit den Schultern und setzte sich.
Hinter Nicola winkte nun Adele Hoffnung um Aufmerksamkeit. Die alte Dame hatte vor Aufregung rosige Wangen, als sie das Mikrofon mit beiden Händen umklammerte.
„Ach herrjeh, die Technik. – Ich hoffe, Sie können mich gut verstehen.“ Im Lautsprecher zischte und knackte es und Adele hielt das Mikrofon ein paar Zentimeter von ihrem Mund weg.
„In unserer Zeit – da stimme ich dem Herrn zu – ist die Bedeutung von Weihnachten unter all dem Ballast verschüttet, den wir dem Fest aufgeladen haben. Aber sie ist noch da, wir müssen sie nur hervor holen. Und vielleicht ist es genau das, was wir hier und heute Abend machen, indem wir über das Schenken diskutieren. Ich bin da also ganz zuversichtlich.“

 

Vertrauen


 

Paula Ehrlich reichte das Mikrofon weiter an eine Frau, die ein paar Plätze neben ihr aufgestanden war. Diese trug eine dunkle Sonnenbrille und hielt ihren Kopf leicht geneigt. Sie streckte den Arm aus und wartete, bis man ihr das Mikrofon in die Hand drückte.
„Danke sehr. – Mein Name ist Traudl Fiduzia. Sie haben sicher bemerkt, dass ich sehbehindert bin. Fast blind. Für jemanden wie mich ist Vertrauen sehr wichtig. Ich muss auf meine Fähigkeiten, mich zurecht zu finden, vertrauen. Und ich muss auf andere Menschen vertrauen, auf ihre Unterstützung und darauf, dass sie mich nicht in die Irre führen. Und deshalb möchte ich etwas sagen zum Geschenk an sich. Ich finde es schade, dass beim Schenken meist so materialistisch gedacht wird. In unserer Sprache gibt es ganz unterschiedliche Ausdrücke, die das Wort ’schenken‘ beinhalten. Man kann zum Beispiel Aufmerksamkeit schenken oder Zeit, man kann ein Lächeln oder Vertrauen schenken. Das alles lässt sich nicht direkt in Papier einwickeln mit einer Schleife drumherum. Ich stelle mir vor, dass ich stattdessen etwas Symbolisches verpacke. Da ist natürlich Fantasie gefragt.“
Im Publikum sprang die bunte Frau neben Nicola auf und klatschte heftig in die Hände.
„Das ist es!“, rief sie so laut, dass sie auch ohne Mikrofon überall im Saal zu verstehen war. „Genau das ist gefragt. Fantasie beim Schenken. Individuelles statt Massenware. Ideelle Geschenke statt Konsumartikel. Selbstgemachtes statt Fabrikprodukten.“
Verhaltener Applaus aus dem Publikum. Traudl Fiduzia wartete, bis es wieder still wurde.
„Darf ich noch etwas sagen?“
Der Moderator nickte, besann sich dann und sagte laut: „Aber natürlich, gerne.“
„Ich denke, auch in der Weihnachtsgeschichte geht es um Vertrauen. Maria und Josef haben darauf vertraut, dass sie eine Unterkunft finden. Die drei Weisen haben dem Stern vertraut, dass er ihnen den rechten Weg weist. Und wir vertrauen vielleicht noch heute darauf, dass die Geschichte einen wahren Kern hat, der für uns von Bedeutung ist. Packen wir also ganz viel Vertrauen in unsere Weihnachtspäckchen.“

 

Ehrlichkeit


 

„Ich glaube, das können wir als Schlusswort für die erste Runde stehen lassen.“
Der Moderator trat mit seinem Mikrofon nach vorne.
„Wir haben sehr unterschiedliche Aspekte des Themas Schenken kennengelernt. Ein Punkt ist die Motivation, die innere Einstellung zum Schenken. Ein weiterer die Frage nach dem Was, nach der Art des Geschenkes. Zu diesen beiden Punkten haben wir schon einiges gehört. Was für mich bisher zu kurz kam, ist der Umgang mit Geschenken. Wie verhalte ich mich, wenn ich etwas geschenkt bekomme?“
Er sah die Gäste auf der Bühne der Reihe nach an. Sophie Achtsam hob ihre Hand und der Moderator nickte ihr zu.
„Auf jeden Fall sollten wir das Geschenk wohlwollend betrachten“, meinte die Grundschullehrerin. „Wir sollten es als Gabe wahrnehmen und würdigen.“
„Auch wenn das manchmal schwer fällt“, warf Herr Humor ein und zwinkerte dem Moderator zu.
„Manche Geschenke sind eben total verpeilt.“ Die Kreativität zuckte mit den Schultern. „Das kann passieren, da machst du nix. Hab ich auch schon geschafft, war wohl übermotiviert.“ Ihre Wangen überzogen sich mit einem rosigen Hauch.
Der Moderator wandte sich ans Publikum.
„Sie dürfen sich gerne beteiligen. Anmerkungen zum Umgang mit Geschenken? Ja, dort drüben ist eine Meldung. Bitte stellen Sie sich kurz vor.“
In der zweiten Reihe erhob sich jemand – dunkles Jackett, roter Schal, kurze, graue Haare, Hornbrille – und wartete, bis ein Mikrofon durchgereicht wurde.
„Ich heiße Paula Ehrlich, bin freischaffende Künstlerin. Ich erwarte, dass mein Gegenüber mir eine aufrichtige Rückmeldung gibt, was sie oder er von meinen Werken halten. Alles andere bringt mich nicht weiter. Entsprechend bin ich dafür, offen und ehrlich zu sagen, wie es mir mit einem Geschenk geht. Das bedeutet nicht rücksichtslos oder unhöflich zu sein.“
Sie schaute sich im Saal um.
„Ich fände es verlogen, wenn ich Begeisterung heuchele, obwohl ich das Teil nicht mag, nicht brauche, es vermutlich ganz hinten in einem Schrank verschwinden lasse, sobald ich alleine damit bin. Ich bedanke mich natürlich, sage aber freimütig meine Meinung. Und hoffe darauf, dass der Schenkende nicht beleidigt ist.“
Sie deutete eine Verbeugung an und setzte sich.
Respekt, dachte Nicola, das muss man sich erstmal trauen.

 

Geduld


 

„Zeit, da möchte ich einhaken.“ Die nächste in der Podiumsrunde war eine blondgelockte Dame in hellem Pullover. „Ich darf mich vorstellen: Angela Geduldig, Fotografin. In meinem Beruf habe ich gelernt, mir Zeit zu nehmen. Ruhig zu bleiben, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Neben meiner Arbeit im Studio liebe ich Naturaufnahmen. Dieselbe Szenerie wirkt ganz unterschiedlich je nach Jahreszeit oder Lichtverhältnissen. Ich entwickele eine Vorstellung, was ein Bild ausdrücken soll, dann muss ich warten, bis alle Bedingungen stimmen. Und ich glaube, beim Schenken sollte es ähnlich sein. Eine Vorstellung entwickeln, was dem anderen Freude bereiten könnte, und dann geduldig nach diesem Geschenk suchen oder es selber herstellen. Keine übereilten Kaufattacken, keine Schnellschüsse, die sich als Schuss in den Ofen erweisen könnten.“
Sie kicherte.
„Ich weiß, heute reden alle von Effizienz. Und das, was ich gerade beschrieben habe, klingt auf den ersten Blick überhaupt nicht effizient. Wieso sollte ich Socken mit reichlich Zeitaufwand selber stricken, wenn ich sie einfacher kaufen kann? Ich sage es Ihnen. Weil diese selbstgestrickten Socken um vieles wertvoller sind. Weil Sie geduldig Zeit investiert haben und die Socken damit persönliche Wertschätzung ausdrücken. Und die, die ist selten geworden.“

* * * * *

Stimmt, beim Stricken braucht es Geduld. Vor allem, wenn die Nadeln dünn sind, wie bei 4fädiger Sockenwolle.
Socken sind zwar im Vergleich zu einem großen Pullover recht schnell fertig. Allerdings muss man nach dem ersten Socken noch einen zweiten stricken, mit dem gleichen Garn und demselben Muster. Kann langweilig werden, erfordert also wiederum etwas Geduld, zumindest bei mir.

Meine neuesten Socken sind aus einem Drops-Garn gestrickt, das ich bei uns im Wolleladen in einem Wühl-Korb gefunden habe. Ich liebe Rot. Und diese Mischung aus verschiedenen Rot- und Magenta-Tönen, dazu etwas Rosa und Blassgelbgrün hat mich auf den ersten Blick gefangen.
 

 
Gestrickt habe ich wie meist bei gemustertem Garn.
Bündchen: 20 Reihen 2 M re, 2 M li.
Danach weiter mit: 6 M re, 2 M li.
 

 
Ich stricke üblicherweise eine Art Bumerangferse. Während ich nach der Ferse die Fußsohle glatt rechts stricke, ziehe ich das jeweilige Muster über die obere Häfte der Socke weiter bis zur Sternchenspitze.
 

 
Eigentlich schade, dass man im Winter in den geschlossenen Pantoffeln so wenig von dieser fröhlichen Farbe sieht.
 

 
Es gab da übrigens noch eine kleine Irritation.
Ich hatte zwei 50-Gramm-Knäuel derselben (!) Partie, je eins für einen Socken.
Beim zweiten Knäuel dann abgewickelt, bis der passenden Mustersatz kam und losgestrickt. Irgendwas kam mir komisch vor. Hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass das Knäuel anscheinend anders herum aufgewickelt war als das erste.
Das heißt, während ich das erste Knäuel von innen nach außen abgestrickt habe, musste ich beim zweiten außen anfangen. Sowas hatte ich auch noch nie.

Die Socken schicke ich jetzt zum creadienstag, zu Fannys liebste Maschen und zu Häkelline.