Buchtipp: Wohlstand ohne Wachstum


 
Ein schöner Titel, oder?
Sprecht ihn mal laut aus. Das ist schon fast lyrisch.
Das Versmaß ein dreihebiger Trochäus.
Alliteration bei den Hauptworten.
Gleichklang bei „wohl“ und „ohne“, angenehm warmes, rundes „O“.
Doch für viele Wirtschaftsleute ein Missklang.

Wohlstand ohne Wachstum – geht das überhaupt?
Es muss gehen, sonst bekommen wir ein massives Problem.
Das heißt, eigentlich haben wir schon Probleme:
Klimawandel, Naturkatastrophen, Rückgang der Biodiversität, Finanzkrisen, Fluchtbewegungen und mehr.
Was hat das mit wirtschaftlichem Wachstum zu tun?
Eine wachsende Wirtschaft verbraucht immer mehr Ressourcen, produziert immer mehr Güter aber auch Müll, verändert das Gesicht der Welt immer stärker.

1972, vor etwas mehr als 40 Jahren, erschien ein Bericht, den Wissenschaftler für den Club of Rome erstellt hatten: „Grenzen des Wachstums“
Schon damals wurden aus gesammelten Daten Prognosen erstellt, zu welchem Zeitpunkt welche Ressourcen vermutlich knapp werden. Und diese Vorhersagen sind – so viel wissen wir heute – erstaunlich zutreffend gewesen.
Schon damals war klar, dass die Wirtschaft nicht unendlich weiter wachsen kann, denn unser Planet ist ein endliches System.
Doch unser Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgelegt, sonst funktioniert es nicht.
Was also tun?

Tim Jackson, Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Surrey (England), war Umweltberater der britischen Regierung. In dieser Funktion hat er einen Bericht erarbeitet über die Beziehung zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit, der die Grundlage bildet für das hier vorgestellte Buch.

Jackson schafft es, in gut verständlicher Sprache das weite Gebiet rund um Wirtschaft und Konsum, um Wohlstand (der etwas anderes ist als Reichtum) und Nachhaltigkeit, zu beleuchten. Und er bleibt nicht bei der Bestandsaufnahme stehen, sondern entwickelt konkrete Möglichkeiten für eine Reform der Wirtschaft und damit auch der Gesellschaft.

Ich denke, es macht Sinn für jeden Einzelnen von uns, sich zu informieren, sich auseinanderzusetzen mit diesen Themen, denn sie betreffen uns alle.
Wir leben in dieser Welt. Wir spüren die Auswirkungen der Entwicklung. Und wir sind Teil dieser Entwicklung durch unser Handeln.
Und Jacksons Buch ist ein guter Einstieg, denke ich.

Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum
München: oekom Verlag 2013 (überarbeitete Neuauflage)

 

Gelesen – gelesen (2)

Heute schauen wir uns die obere Hälfte des Bücherstapels kurz an:
 

 
Gestern habe ich erzählt, dass mich im letzten Jahr das Thema „Wirtschaft“ beschäftigt hat. Schwerpunkt war dabei die Frage nach einer anderen Art des Wirtschaftens, einer Wirtschaft, die nicht auf ständiges Wachstum angewiesen ist.
Die Fragen, die sich dabei stellen, sind:
Brauche ich immer mehr Konsum? Muss ich ständig neue Dinge haben? Muss ich so viel haben?
Was reicht für ein gutes Leben?

Dabei bin ich auf weitere Namen gestoßen:
Harald Welzer: „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand.“
Ein Buch, das mir in der Stadtbibliothek (mal wieder!) in die Finger gefallen ist, und das ich regelrecht gefressen habe.
Anschließend habe ich mir die Taschenbuchversion gekauft und es nochmal in Ruhe und mit einem Textmarker in der Hand gelesen. Dazu demnächst mehr.

Wenn es ums Denken geht, ist es ein kleiner Schritt zu unserem Denk-Apparat, zum Gehirn.
Und zur Neurobiologie.
Ihr seht, ich versuche nicht in einer sogenannten Filterblase zu landen, sondern sie immer wieder zu durchbrechen, indem ich mit ganz anderen Begriffen weitermache.
Wenn es um die Funktion unseres Gehirns geht, gibt es jemanden, der das sehr anschaulich erklären kann:
Gerald Hüther: „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“
Außerdem setzt er sich theoretisch und auch praktisch ein für anderes Lernen, für andere Schulen, für eine bessere Potenzialentfaltung aller.
Gerald Hüther: „Was wir sind und was wir sein könnten“
Gut lesbar, trotzdem nicht oberflächlich.
Und wer Professor Hüther mal in voller Aktion erleben möchte, sucht ihn bei YouTube.

Zum Thema „Denken“ gibt’s im Stapel noch ein ganz anderes Buch:
Will Gompertz: „Denken wie ein Künstler“
Spannend, sehr spannend. Gompertz hat aufgrund seiner über dreißigjährigen Arbeit mit kreativen Menschen (Schwerpunkt bildende Kunst) zusammengestellt, was Künstler gemeinsam haben, welche Verhaltensweisen ihnen eigen sind und zu ihrer Kreativität beitragen.
Und das sind zum Teil ganz andere Eigenschaften, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Aber auch dazu demnächst mehr.

Was mich bei meiner Lektüre und bei meinen Recherchen im Internet überaus fasziniert hat:
Ich habe mich mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten auf die Suche gemacht, bin bei ganz verschiedenen Menschen gelandet. Und doch finden sich Gemeinsamkeiten im Denken, in den Argumenten, bildet sich ein Netz zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Naturwissenschaft, Pädagogik. Für mich kristallisieren sich immer mehr Punkte heraus, die mir persönlich wichtig sind, wenn ich über Gesellschaft und Zukunft nachdenke.

Das ist der Grund, warum ich erstmal den Bücherstapel gezeigt und kommentiert habe und warum ich demnächst mehr dazu und zu meinen Gedanken schreiben möchte.
Es wird also hier im Blog einen Themenschwerpunkt geben, den ich „DenkMal“ nennen möchte.

 

Gelesen – gelesen (1)

Über ein Jahr habe ich mich mehr mit Sachbüchern als mit Romanen beschäftigt. Der eine oder andere Krimi – gerne auch als E-Book – war Bettlektüre, aber tagsüber haben es mir ganz andere Themen angetan.
 

 
Das hier sind nicht alle, aber es sind die, über die ich ein bisschen erzählen möchte.
Keine Sorge, nicht auf einmal sondern nach und nach. Und erstmal nur ein Überblick.

Wie hat es angefangen?
Eine Freundin hat mich auf eine Bewegung aus Großbritannien aufmerksam gemacht (das war lange vor dem Brexit-Votum), die sich weltweit ausbreitet:

Transition Town Bewegung
Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen arbeiten an einer „Stadt im Wandel“, um Gemeinden resilient, also widerstandsfähig, zu machen für Zeiten knapper werdender Ressourcen. Dazu gehört u.a. die Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaft.
Wen das interessiert: Es gibt einen offiziellen Film darüber auf YouTube:
In Transition 2.0 (deutsche Untertitel möglich)
Anstifter der Bewegung ist Rob Hopkins, dessen Buch „Einfach jetzt machen“ ihr im Stapel als zweites von unten seht.

Wirtschaft. Ich bin ein neugieriger Mensch, wenn ich auf Dinge stoße, von denen ich noch nichts oder nur wenig weiß. Und ein solches „Ding“ war das Thema Wirtschaft, Ökonomie.
Weder Betriebswirtschaft noch Volkswirtschaft haben mich früher interessiert (wo ist der Unterschied?). Aus den Nachrichten kannte ich Begriffe wie Wirtschaftswachstum, Märkte, Rezession, Inflation, ohne wirklich zu verstehen, wie das ganze funktioniert bzw. funktionieren soll.
Ich habe mich zwar gewundert oder geärgert über das Verhalten vieler Firmen und Konzerne, über ihren Umgang mit Mitarbeitern, mit der Umwelt, habe hier und da für mich Konsequenzen gezogen (bei denen kaufe ich nichts mehr), es hat aber nicht gereicht, um mich mit dem Thema Ökonomie näher zu beschäftigen.

Doch jetzt hatte ich einen Anknüpfungspunkt: Wenn Ressourcen endlich sind – was auf einem endlichen Planeten eigentlich logisch ist -, dann kann eine Wirtschaft doch nicht immer weiter wachsen, sagte mir mein Verstand. Es wird aber immer behauptet, dass das nötig sei, damit sie nicht zusammenbricht.
Ich musste mich informieren.
Aus unserer Stadtbibliothek holte ich mir „VWL für Dummies“, um einen Überblick zu bekommen über Mikro- und Makroökonomie, über das, was allgemein so gelehrt wird. Wie funktionieren Märkte? Wie ist das mit Angebot und Nachfrage? Wie entwickeln sich Preise? Und warum muss Wirtschaft wachsen?

Und dann las ich die anderen beiden Bücher am unteren Ende meines Bücherstapels:
Tim Jackson: „Wohlstand ohne Wachstum“ und
Niko Paech: „Befreiung vom Überfluss“ (dazu hatte ich schon mal hier kurz geschrieben)

Wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, stößt man auf einen Namen, einen Autor, auf Begriffe, auf andere Namen, auf Bücher, auf Vorträge im Internet, auf Gespräche in den Mediatheken der TV-Sender (meist öffentlich-rechtlich).
Da zeigen sich Verbindungen zwischen Menschen, zwischen Themen, baut sich ein Netz auf, weitet sich aus und verzweigt sich mehr und mehr.

Nächste Namen auf der Liste:
Barbara Muraca: „Gut leben“ und – ganz wichtig! –
Christian Felber: „Gemeinwohl-Ökonomie“

Was mich vor allem fasziniert hat:
Auf YouTube findet man ganz viele spannende Beiträge, wenn man die Namen der Autoren eingibt. Zum Beispiel Vorträge auf Kongressen oder Interviews oder Talk-Runden. Probiert es einmal aus, es lohnt sich.

Für heute soll es jetzt erstmal gut sein, morgen gibt’s den zweiten Teil der Übersicht, die obere Hälfte des Stapels. Ich hoffe, ihr seid dann wieder dabei.

 

Buchtipp: Drohnenland


 
Regelmäßig stöbere ich im Internet, ob es von Autoren oder Autorinnen, die ich gerne lese, Neues auf dem Buchmarkt gibt.
Als Krimifan gehört für mich Tom Hillenbrand auf diese Liste.
Sein erster Kriminalroman „Teufelsfrucht“ dreht sich um den Luxemburger Koch Xavier Kiefer und hat mich von der ersten Seite an gepackt, so dass ich auch die anderen Bücher dieser Reihe gekauft und begeistert gelesen habe.

2014 erschien dann ein ganz anderer Krimi, ein Thriller, der in der Zukunft spielt, in einer Zukunft, die zum Teil gar nicht so weit entfernt scheint.

Im vereinten Europa mit Hauptstadt Brüssel ist die Überwachung per Kamera total. Polizeidrohen filmen überall alles und jeden, die Daten werden im Fahndungscomputer bei Europol gesammelt und gespeichert.
Geschieht ein Verbrechen, dann brauchen die Ermittler nur eine „Spiegelung“ des Tatorts aufzurufen, sich alle Daten geben zu lassen und schon können sie – unterstützt vom sprechenden Fahndungscomputer – den Fall lösen.
Als ein Parlamentarier auf einem Feld außerhalb der Stadt ermordet wird, bekommen Kommissar Aart van der Westerhuizen und Forensikerin Ava Bittman den Fall übertragen und scheinen ihn innerhalb kürzester Zeit gelöst zu haben.
Allerdings fallen ihnen andere Todesfälle unter Parlamentariern auf, und sie entdecken Hinweise, dass die Daten, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, manipuliert sind.
Nach und nach kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die ganz Europa durchzieht. Doch nun müssen die beiden um ihr Leben fürchten. Und wie schafft man es, den Häschern zu entkommen und das Komplott auffliegen zu lassen, wenn man sich nicht frei und unbeobachtet bewegen kann?

Ein spannender und gut durchdachter Thriller, der die heutigen technischen Möglichkeiten weiter treibt und dabei die Leser zum Nachdenken bringt.

Tom Hillenbrand: Drohnenland
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2014
Taschenbuch: 9,99 Euro

 

Buchtipp: Der Autor und die Fotografin

Nein, das Buch heißt nicht so. Es heißt viel schöner:
Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln

 

 

Und hier haben zwei Menschen wirklich gesammelt: Fotos und Texte zu diesen Fotos.
Zoran Drvenkar ist Autor, schreibt Thriller und Kinderbücher.
Corinna Bernburg ist Fotografin und gestaltet Bücher.

Das Projekt ist einfach erklärt, war aber sicher nicht einfach durchzuhalten:
Die Fotografin macht jeden Tag ein Foto, das sie dem Autor gibt.
Noch am selben Tag, also bis Mitternacht, schreibt er einen Text, der durch das Foto inspiriert ist; meist Gedichte, aber auch kurze Impressionen oder Dramen.
Und das machen die beiden ein ganzes Jahr lang.

Das 2015 erschienene Buch „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln“ ist der erste von vier Bänden, in denen Fotos und Texte dieses Projektes zu entdecken sind.
Es ist das Sommer-Buch, enthält die Tage vom 8. Juli bis zum 5. Oktober.
Jeweils auf der linken Seite findet sich das Schwarzweiß-Foto, auf der rechten Seite steht der Text.
Die Bilder ganz unterschiedlich: Detailaufnahmen, Landschaften, Menschen, Alltägliches, Besonderes.
Die Texte, ebenso vielfältig, beschreiben nicht einfach die Fotos. Sie sind manchmal nur von einem Detail daraus angeregt, manchmal spinnen sie ganze Geschichten um das Bild herum.

Ein Buch, in das ich versinken kann.
Fotos, die mich berühren und von denen ich lerne (was die eigene Fotografie angeht).
Lyrik, die klingt, die in mir etwas mitschwingen lässt, weil ich sie nachempfinden kann.
Ein Buch voller Inspirationen, eines, das ich immer wieder zur Hand nehme, mal hier, mal dort aufschlage, schaue, lese.
Ein Buch, das Sehnsucht macht nach den anderen Jahreszeiten, nach den drei Bänden, die noch folgen werden – und die ich auf jeden Fall ebenfalls haben möchte.

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin?
Es gibt im rbb-Fernsehen seit Jahren eine Sendereihe namens Bauer sucht Kultur
Viermal im Sommer ist Max Mohr in Brandenburg unterwegs und besucht Künstler und Kulturschaffende aller Art, lässt sich ihr Heim und ihr Werk zeigen, erzählt mit ihnen, lockt auch sehr Persönliches hervor.
Die Sendungen von 2015 und 2014 können in der Mediathek des rbb angeschaut werden.
Und in einer dieser Sendungen war Max Mohr bei Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg. Ihr Gespräch über das Foto-Text-Projekt und ein kurzer Einblick in das Buch haben bei mir sofort den Haben-Wollen-Reflex ausgelöst.

Zoran Drvenkar, Corinna Bernburg:
Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln
– Fotos & Gedichte (cbj 2015)
 

18. Dezember

Konsumrausch – nein, danke!
 
Vorweihnachtliches Shoppen, Geschenke kaufen, mehr Geschenke kaufen, die Wirtschaft ankurbeln, auf dass sie wachse. Das scheint das Credo zu sein alle Jahre wieder.
Und alles nur, weil die heiligen drei Könige dem Kind Gaben in die Krippe gelegt haben.

Wirtschaftswachstum ist wichtig, sagen Politiker. Die Wirtschaft muss wachsen, damit unser Wohlstand erhalten bleibt und auch in anderen Ländern Wohlstand erreicht wird.
Aber das kann nicht immer so weiter gehen. Denn wir leben auf einem endlichen Planeten.
Die Ressourcen, die Rohstoffe sind begrenzt, können irgendwann nur noch unter hohem Aufwand und mit großen Schäden für unsere Umwelt gefördert werden.
Durch unser Tun hat das Weltklima sich schon heute verändert, wird sich drastisch weiter ändern – und zwar nicht zum Guten für uns.
Ist da noch etwas zu retten? Und wenn ja, wie?

Die UN-Klimakonferenz in Paris hat – zum ersten Mal überhaupt – einen Weltklimavertrag geschlossen, in dem sich alle Länder gemeinsamen Zielen zum Klimaschutz verpflichten. Das klingt gut. Die Frage stellt sich allerdings, wie diese Ziele umgesetzt werden sollen.
Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Wirtschaft in allen Ländern wachsen soll – in den Schwellenländern und Entwicklungsländern noch mehr als bei uns.

Oder ist Wohlstand für alle möglich, ohne dass die Wirtschaft pausenlos wächst?

In den letzten Monaten habe ich mich ein bisschen mit diesem Thema beschäftigt, habe einiges gelesen, Vorträge im Internet gehört. Es gibt verschiedene Wissenschaftler, die sich mit den Möglichkeiten einer Wirtschaft ohne Wachstum beschäftigen und mit einer Gesellschaft, die ohne Wirtschaftswachstum auskommt.

Im Buch „Befreiung vom Überfluss“ stellt Prof. Dr. Niko Paech gut verständlich und leicht lesbar die Situation dar, kritisiert die aktuellen Lösungsvorschläge und entwirft dann seine Vorstellung einer Postwachstumsgesellschaft. Weniger industrielle Produktion, Rückkehr zu regionalen und lokalen Wertschöpfungsketten, längere Nutzungsdauer und Reparaturmöglichkeit der Güter, Gemeinschaftsnutzung und eigene Produktion schonen Ressourcen und Umwelt und fördern soziale Beziehungen.
Suffizienz – Genügsamkeit – ist eine Voraussetzung, die wir mitbringen müssen. Was keinen Rückschritt in mittelalterliche Verhältnisse bedeutet, sondern ein Zurück zum „Was brauche ich wirklich?“.
Zusätzlicher Effekt: Wir haben wieder mehr Zeit, heutzutage die knappste Ressource überhaupt, können das, was wir haben und tun, wieder genießen und werden glücklicher.

Klingt zu schön, um wahr werden zu können?
Da fällt mir wieder der Satz ein, den ich auf der ehemaligen Berliner Mauer gelesen habe:
 
Wenn viele kleine Leute ...
 
Niko Paech: Befreiung vom Überfluss
München: oekom Verlag 2014 (8. Auflage)

 

8

 
Buchtipp: 8
 

Kann ein Buchtitel kürzer sein? Nur eine Ziffer?
(Okay, ein Buchstabe ist auch möglich, wie bei Daniel Kehlmanns „F“.)
Und doch verbirgt sich dahinter eine ganze Menge.

Acht Autorinnen und Autoren haben sich zusammengetan und einen Krimi geschrieben.
Nicht acht Geschichten, nein, einen Gemeinschaftsroman.
Und das auch noch unter ganz speziellen Voraussetzungen:
Sie haben ein Krimi-Camp aufgemacht, haben sich in einer alten Villa in der Uckermark für acht Tage eingenistet, weit weg von allen Ablenkungen, und haben in dieser Zeit ihr Buch geschrieben.
Klingt verrückt? Ist es vielleicht auch – aber es ist gelungen.

Andy Otto moderiert seit Jahren locker-flockig die Morgen-Show eines Kölner Radiosenders. Er nimmt das Leben nicht allzu ernst, auch nicht die Auseinandersetzungen mit Chefin und Freundin. Das ändert sich, als er am Kiosk seines Freundes Wolle ein Handy findet.
Als er es der Besitzerin, einer Kindergarten-Leiterin, zurückgeben will, findet er ihre Leiche neben einer Leiter. Auf den ersten Blick ein Unfall. Aber warum hat sie einen Dominostein mit acht Augen in der Hand?
Am nächsten Tag erhält Andy eine E-Mail mit einem Foto. Darauf hält die tote Kindergärtnerin einen Flyer, Werbung für ein Party-Hotel in der Eifel. Der Absender: H.N. Weis. Andy folgt diesem Hinweis, findet die nächste Leiche und gerät ins Visier der Ermittler.
Der Acht und den versteckten Hinweisen des Mörders folgend, jagt Andy durch ganz Deutschland, bis er am Ende das perfide Spiel durchschaut. Aber vielleicht zu spät.

Ein spannender Krimi, gut geschrieben und zwar so, dass keine Brüche im Stil vorhanden sind. Steckt man in der Geschichte drin, käme man nicht auf die Idee, dass dafür acht verschiedene Menschen verantwortlich zeichnen.
Und die Acht zieht sich natürlich durch das ganze Buch. Nicht nur als Zahl, sondern auch in Worten. Beim Lesen kann man also auch ein bisschen Detektiv spielen und nach ihr suchen.

Ich habe das Buch auf einem Bücher-Wühltisch entdeckt. Aber es ist auch noch im Buchhandel erhältlich.

Peter Godazgar, Kathrin Heinrichs u.a.:
8

Hillesheim: KBV-Verlag 2013
Taschenbuch, 9,90 Euro

 

Die Kunst …

Nein, es geht im heutigen Buchtipp nicht um bildende Kunst. Es geht eher um Psychologie und gleich um zwei Bücher, sozusagen zwei Teile eines Ganzen.
 
Buchtipp Dobelli
 
Rolf Dobelli ist Autor von Romanen und Sachbüchern, hat in der Wirtschaft gearbeitet, war selber Firmengründer und Gründer einer Community führender Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Ein Mann, der sich in ganz unterschiedlichen Bereichen bewegt und sich darüber Gedanken macht.
Und diese Gedanken kann er klar, verständlich und amüsant zu Papier bringen.

Dobelli erzählt im Vorwort des linken Buches (des zuerst erschienenen), dass er irgendwann angefangen hat, systematische Denkfehler zu sammeln. Und zwar, damit er seine eigenen Denkfallen rechtzeitig erkennen und vermeiden kann.
Das führte zu einer wöchentlichen Kolumne in der FAZ und der Schweizer Sonntagszeitung und schließlich zu den beiden Büchern „Die Kunst des klaren Denkens“ und „Die Kunst des klugen Handelns“.

Ein systematischer Denkfehler ist einer, den wir immer wieder begehen. Zum Beispiel werten wir einen Verlust von 10 Euro wesentlich schwerer als einen Gewinn derselben Summe. Wir neigen dazu, Entscheidungen nach dem Ergebnis zu beurteilen statt nach den Gründen, aus denen wir sie getroffen haben. Wir verwechseln Korrelation und Kausalität.
Dobelli veranschaulicht die Denkfehler mit Beispielen aus dem Alltag, erläutert den psychologischen Hintergrund und mögliche Strategien dagegen.

Ich habe die beiden Bücher regelrecht gefressen, immer wieder geschmunzelt, genickt und mich ertappt gefühlt. Und beschlossen, sie häppchenweise nach und nach erneut zu genießen. Über jedes einzelne Kapitel lohnt es sich nachzudenken, sich selber auf die Finger zu schauen und vielleicht auch mit anderen darüber zu diskutieren.

Rolf Dobelli:
Die Kunst des klaren Denkens
Die Kunst des klugen Handelns

München: dtv 2015, als Taschenbuch jeweils 8,90 Euro

 

Papierschmuck

Es gibt Bücher, die sind schon zum Anschauen einfach wunderschön.
Und wenn dann noch jede Menge Inspirationen drin sind, die mich ganz zappelig werden lassen – will ich ausprobieren, unbedingt, sofort, da könnte man doch … – dann muss so ein Buch einfach auf den Wunschzettel und so bald wie möglich auch zu mir.

In den letzten Wochen bzw. Monaten gab es eine ganze Reihe solcher Bücher. Und die möchte ich euch nach und nach vorstellen.
Den Anfang macht heute „Papierschmuck“ von Barbara Baumann.

 
Buchtipp: Papierschmuck
 

Wir sind tagtäglich umgeben von ganz vielen ganz unterschiedlichen Papiersorten. Diese Vielfalt von Zeitungen, Büchern, Karten, Servietten, Bonbonpapieren und mehr bietet auch eine Vielfalt von Verarbeitungsmöglichkeiten.

In 55 Projekten, die nach den Papiersorten gegliedert sind, zeigt Barbara Baumann einen kreativen Blick auf das Material und vermittelt Techniken für den Umgang damit.
Da werden gefaltete Elemente zu Ketten und Armbändern, geschnittene und gerollte Streifen zu ganz unterschiedlichen Papierperlen oder genähte Papierstücke zu Broschen und Haarspangen. Manche Anregungen sind einfach nachzuarbeiten, andere wirken ein bisschen fummelig, wieder andere arg schräg. Alle aber sind prima Denkanstöße, wie man mit dem Papier, das überall herumliegt, mehr anfangen kann, als es nur in den Kontainer zu werfen.

Ergänzt werden die konkreten Projekte durch zusammenfassende Kapitel über Schmuck- und Schmuckherstellung, über Werkzeuge und Papiertechniken.
Das Buch ist aus schönem, glattem, seidig glänzendem Papier und reich bebildert. Ich mag immer wieder darin blättern und werde demnächst sicher einiges ausprobieren.
Die Ergebnisse zeige ich euch dann natürlich auch hier im Blog.

Barbara Baumann: Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten
Bern: Haupt Verlag 2013

 

Hab ich selbst gemacht

Selbermachen, oder kurz DIY, ist schon seit einer Weile voll im Trend.
Ob gestrickt, gehäkelt oder genäht, ob Möbel gebaut oder Teelichter in Beton gegossen, ob neu oder upgecycled, was man mit eigenen Händen geschaffen hat, erfüllt mit Stolz und wird geschätzt.

 
Buchtipp: Hab ich selbst gemacht
 

Die Journalistin Susanne Klingner will diesem Trend auf den Grund gehen und begibt sich auf einen Selbsterfahrungstrip. 365 Tage lang versucht sie, so viel wie möglich in ihrem Alltag selbst zu machen. Dazu gehören Brotbacken – der Erfolg braucht seine Zeit und einen geduldigen Partner -, der Kampf mit der Nähmaschine, ein Schumacher-Workshop und vieles mehr.

Ihre selbst auferlegten Regeln für das Selbermacher-Jahr bringen Herausforderungen, die nicht zu unterschätzen sind. Aber sie will für sich herausbekommen, was machbar ist, was sinnvoll, und ob Selbstgemachtes wirklich glücklich macht.

Sie schreibt darüber herrlich locker, lebendig und selbstironisch. Auch wenn man gar nicht so wild aufs Do-it-yourself ist, ist das Buch eine amüsante und erkenntnisreiche Lektüre. Und bei manchem Projekt juckt es dann vielleicht doch in den Fingern mit dem Gefühl „Auch-machen-wollen“.

Susanne Klingner: Hab ich selbst gemacht

Köln: Kiepenheuer & Witsch 2013, 8,99 Euro