Grenzenlos

Wieder mal unterwegs. Wir rollen mit dem Wohnmobil über eine schmale Landstraße im äußersten Osten Österreichs, haben den Neusiedler See hinter uns gelassen. Rechts und links von uns Wiesen, gesäumt von einzelnen Bäumen und Buschreihen. Über uns ein dunstig-blauer Himmel. Vor und hinter uns kein Auto zu sehen, es ist Mittagszeit.
Ich mag dieses gemächliche Reisen, das Muße lässt, um beidseits des Weges Landschaft, Vegetation und Tierwelt wahrzunehmen. Die sanften Wellen der Weideflächen erinnern mich ans Meer. Der Wind lässt die Blätter der hohen Pappeln vor uns silbrig flirren und die Sonne wirft ihre Schatten als schmale Streifen über die Straße. Im Grasrand neben der Fahrbahn rosafarbene und blassblaue Tupfen: wilde Malven und Wegwarten. Die anspruchslosen Gewächse gedeihen auch oder gerade auf mageren Böden.
Auf einem Zaunpfosten hockt ein Bussard, späht von seinem Sitz nach Mäusen. Ein zweiter kreist hoch über einem brachliegenden Feld.
Die Straße zieht sich Kilometer um Kilometer durch die Weite. Der Asphalt, anfangs noch glatt und dunkel, wird grau-scheckig, rissig und unebener. Sonst ändert sich nichts. Irgendwann sehen wir vor uns die Silhouette eines Dorfes, geduckte Häuser, ein Kirchturm. Die Wiesen rundum werden zu Gemüsegärten. Dann das Ortsschild: Nyárliget. Wir sind in Ungarn.

Wie einfach es sein kann. Wie entspannt und problemlos, wenn Grenzen keine Grenzen mehr sind, die trennen. Wenn der Personalausweis genügt, um sich auf die Reise zu machen, um zu fahren, zu schauen, kennenzulernen.
Ich war schon einmal in Ungarn, das ist über dreißig Jahre her, damals vor dem Abitur. Studienfahrt nach Budapest. Lange vorbereitet, weil eine Reise in den Ostblock intensiver Formalitäten bedurfte. Jeder brauchte Reisepass und Visum. Die Anträge für die Visa füllten wir in der Schule gemeinsam aus. Name, Name des Vaters, Name der Mutter, Geburtsname der Mutter, Orte, Daten, so viele Informationen waren nötig. Die Anträge und Pässe gingen zur Ungarischen Botschaft in Düsseldorf. Bis wir sie wiederbekämen würde es dauern. Inzwischen weitere Vorbereitungen in der Schule. Referate zu Geschichte, Kultur, Leben. Ein paar Brocken Ungarisch lernen. Was heißt Bitte und Danke? Wie sage ich „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“? Und noch eine wichtige Vokabel: „Egészségére!, “ bedeutet „Prost“ – immerhin fuhren wir in ein Weinland und die meisten von uns waren volljährig.
Mit dem Zug rund zwanzig Stunden von Aachen ganz im Westen nach Budapest weit im Osten Europas. Irgendwann stand der Zug an der Grenzstation zwischen Österreich und Ungarn. Unsere Reisepässe und Visa hatten die Lehrer gesammelt für die Passkontrolle. Warten. Aus dem Abteilfenster auf den Bahnsteig schauen. Dort patroullierten Grenzsoldaten in Uniform, strenger Blick, das Gewehr geschultert. Für uns ein ungewohnter Anblick, bedrückend, ein bisschen unheimlich.
Wir wussten uns zu helfen, öffneten das Abteilfenster, begannen zu singen, das einzige ungarische Volkslied, dass wir kannten: „Az a szép, az a szép, akinek a szeme kék, …“
Und bildeten uns ein, die Blicke der Soldaten wären etwas weniger streng gewesen.

Damals Visumpflicht und bewaffnete Grenzer, heute eine offene Landstraße und Reisefreiheit. Und wie wird es morgen sein?
Wenn ich im Fernsehen Bilder sehe von neuen Grenzzäunen, läuft es mir kalt den Rücken herunter.

* * * * *

Diese kurze Geschichte habe ich geschrieben für den Leseabend unserer Autorengruppe im November. Der Ungarn-Urlaub ist zwar schon eine Weile her, aber mir ging aufgrund der Nachrichten das Thema durch den Kopf.

 

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Gerettet !

Wie gut, wenn man einen Elektroingenieur mit viel praktischem Verstand zuhause hat. Er hat heute ein Gerät gerettet, das wir ohne seine Fertigkeit hätten wegwerfen und durch ein neues ersetzen müssen: Unsere Friteuse.
 

 
Vor mehr als zehn Jahren haben wir uns dieses Schätzchen gekauft. Stabil, gut zu handhaben, gut zu reinigen (weil Deckel, Korb und Fett-Topf spülmaschinentauglich) und im Durchschnitt alle zwei Wochen im Einsatz.

Vorgestern Abend ist sie beim Aufheizen in Streik getreten. Schaltete einfach ab, obwohl die gewünschte Temperatur noch nicht erreicht war.
Vermutung: Der Thermostat hat seinen Geist aufgegeben.
Was tun?
Fett in großen Topf umfüllen und dort fritieren. Temperatur mit Infrarot-Thermometer überwachen, denn zu viel Hitze ist ungesund.
Und nun?
 

 
Heute hat mein Held das fragliche Teil aufgeschraubt und untersucht.
Nach kurzer Messung war klar: Der Thermostat funktioniert, der Schalter ist der Bösewicht. Die Reparatur hat dann nur noch zwei Minuten gedauert.
Schalter ausbauen, überbrücken und fertig. Ein- und Ausschalten der Friteuse funktioniert jetzt erstmal direkt über den Stecker.
Einen Ersatz-Schalter kann man dann demnächst besorgen und einbauen.
Alles ist gut!

 

Nachbars Enten

Ich mochte sie schon immer, diese witzigen Laufenten, die hoch aufgerichtet in einem Affenzahn durch die Gegend rennen.
Seit dem Spätsommer hat ein Nachbar drei von ihnen und er hat einen offenen Garten. Die Enten nutzen ihren Freiraum und sind ausgiebig im Dorf unterwegs.
Regelmäßig statten sie uns einen Besuch ab, picken in der Wiese nach Engerlingen und Schnecken (oder was immer sie zur Zeit so finden) und haben nun auch unseren kleinen Teich entdeckt.
 

 
Das braune Tier ist der Erpel, die beiden weißen bzw. weiß-gescheckten sind die Enten.
Und anscheinend mögen sie, was auf dem Teich schwimmt: Nicht umsonst nennt man Wasserlinsen auch Entengrütze.
 

 
Während ich vom Wohnzimmerfenster aus fotografiere, betritt ein neuer Protagonist die Szene:
Kater Gaston entdeckt die Gäste, als er durch die Katzenklappe das Haus verlässt. Klar, dass er sich die aus der Nähe anschauen will.
 

 
Die Enten sind davon nicht so begeistert und verlassen – schwupps – das Wasser.
 

 
Und nun?
Nun passiert, womit ich nicht gerechnet hätte:
Angriff der Laufenten und Flucht des Katers.
 

 
Drei gegen einen, da ist Rückzug verständlich.
 

Wer läuft denn da …

Vor ein paar Tagen schaue ich beim Spülen aus dem Küchenfenster und muss doch sofort mit der Kamera nach draußen gehen. Quer über unsere Einfahrt kommt ein Igel herbei gehuscht.
 
Igel
 
Groß ist er, kräftig und gut genährt.
Ich vermute, die Blätter im Maul sind für den Winter-Unterschlupf gedacht.
Im gleichen Moment, als ich aus der Tür komme, tritt er den Rückzug an und versteckt sich sicherheitshalber erstmal hinter den Blumenkübeln.
 
Igel
 
Ich scheine nicht allzu bedrohlich zu wirken (habe auch schön still gestanden), er kommt jedenfalls gleich wieder hervor und marschiert interessiert weiter.
 
Igel
 
Hin und her und schnuppern und schauen.
 
Igel
 
Anscheinend gibt’s nichts Interessantes mehr vor der Haustür, also macht er sich auf den Rückweg.
Ich gestehe, ich habe ziemlich gegrinst, denn es sieht köstlich aus, einem Igel nachzuschauen. Der wackelt ziemlich mit dem Hinterteil, während er die kurzen Beine rechts und links vorwärts schiebt. Aber flott ist er schon.
 
Igel
 

Gerade war PI

PI – der erste Buchstabe des griechischen Wortes perimetros – Umfang.
PI – die Kreiszahl.
PI – diese irrationale, transzendente Zahl mit ihren unendlich vielen Nachkommastellen.

Wir alle kennen sie aus der Schule.
Mathematik. Geometrie. Alle Berechnungen, die irgendwie mit Kreisen zu tun haben, brauchen Pi.
Der Taschenrechner kennt ganz viele ihrer Nachkommastellen, für eine ausreichende Genauigkeit im Alltag würden allerdings schon zwei oder drei ausreichen.

Und heute hatten wir zum ersten Mal neun Stellen.
Wie? Heute?
Heute ist PI-Day!
Weil heute der 14. März ist – in anderer Schreibweise 3-14.
Und wenn man jetzt noch Jahr, Stunde, Minute und Sekunde dazu packt, dann war um 9:26 Uhr und 53 Sekunden neun Stellen PI:
 
3,141592653

 

Vom Glück des Schneeschippens

Heute Morgen ist es draußen weiß, etwa drei Zentimeter dick.
Wir haben keinen Bürgersteig am Grundstück, also kann ich entspannt warten, bis es richtig hell ist. Dann ziehe ich eine leichte Fleece-Weste, Stiefel und Handschuhe an und packe die Schneeschaufel.
Strich um Strich schiebe ich das Pflaster frei. Zuerst den schmalen Weg und die kleine Treppe, dann den Bereich vor der Garage. Und weil die Luft so angenehm frisch ist, schließlich auch noch die Flächen rund ums Haus.

Der Schnee ist feucht und klebt an der Schaufel. Immer wieder muss ich sie mit der Kante auf die Steine stoßen, damit die schweren Klumpen abfallen. Mir wird warm; ich weiß schon, warum ich nur eine Weste übergezogen habe.
Strich um Strich schieben, umdrehen, aufstoßen, schieben.

Irgendwann merke ich, dass ich nicht nachdenke. Dass ich nur in dieser Bewegung bin: schieben, umdrehen, aufstoßen. Gleichmäßig, ruhig, meditativ.
Und dann beginne ich doch nachzudenken. Was macht das Schneeschieben mit mir?

Es ist anstrengend, vor allem, weil es taut und der Schnee zusammenpappt. Nach einer dreiviertel Stunde werden meine Arme schwer. Ich spüre, wie ich Bauch- und Rückenmuskeln anspanne und wahrscheinlich noch jede Menge anderer Muskelpartien. Ich habe hier also ein kostenloses Workout.

Mir wird warm beim Schneeschippen, der Kreislauf kommt in Schwung. Ich arbeite an frischer Luft, bekomme jede Menge Licht. Super Therapie gegen Müdigkeit und Winterblues.

Meine Bewegungen laufen gleichmäßig und konzentriert ab. Ich werde ruhig, meine Gedanken sind bei der Arbeit und bei nichts sonst. Im Hier und Jetzt, wie man so gerne sagt. Meditation und Stressabbau.

Schneeschippen erzeugt also ganz viele positive Effekte. Ich lächele und …

… es fängt an, wieder leicht zu schneien.

 

Tee-Tausch 2014

Auch in diesem Jahr hat Earny wieder zum Tee-Tausch aufgerufen.

 

 

Heute habe ich drei meiner Lieblings-Tees abgepackt, eingetütet und morgen geht’s ab zur Post.
 

 

Ich hoffe, sie werden bei der Empfängerin gut ankommen – sowohl der Brief, als auch der Inhalt. 😉

 

 

Eine schöne Einstimmung in die Adventszeit, finde ich. Danke Earny, für Anregung und Organisation.