Schwimmende Walnüsse

Zum creadienstag gibt es ein ganz aktuelles Projekt mit einer Vorgeschichte von drei Jahren und einer Laufzeit von mindestens einem Jahr. Neugierig geworden?

Dann zuerst die Vorgeschichte:

Wir haben einen relativ jungen Walnussbaum im Garten, einen veredelten.
Will sagen einen, der nicht so schnell und nicht so hoch wächst und der trotzdem schon Früchte trägt.
Wenn Spätfröste nicht die jungen Austriebe und Blüten zu schwarzbraunen Trauerfloren werden lassen.
Und wenn nicht die Eichhörnchen und Krähen die Nüsse stibitzen, bevor wir sie ernten können.

Vor drei Jahren habe ich dann in den Commissaire-Bruno-Krimis von Martin Walker von einer Spezialität aus dem Périgord gelesen und dachte mir: Das ist die Lösung!

Man pflückt die Walnüsse in unreifem Zustand, grüne Hülle, weißlicher weicher Inhalt.
Sie werden geviertelt und mit Zucker, Schnaps und Rotwein angesetzt.
Sechs Wochen muss alles ziehen, kann dann abgeseiht und in Flaschen gefüllt werden, kommt Weihnachten als Aperitif auf den Tisch.
Klingt einfach und gut, klingt nach viel Natur und wurde gemacht.

Problem: Weihnachten war uns dieser „Vin de Noix“ viel zu herb. Die Gerbstoffe der Walnuss zogen uns alle Geschmacksnerven zusammen, auch ein leicht erhöhter Zuckerzusatz half nicht wirklich. War also nix, vergessen wir das.
Und die restlichen Flaschen landeten im Keller und wurden ebenfalls vergessen.

Zeitsprung: Anfang dieses Jahres habe ich beim Aufräumen im Keller zwei Flaschen Vin de Noix von 2014 gefunden. Gut abgelagert – aber noch genießbar?
An einem Sonntag im Januar haben wir eine Flasche geöffnet und ein wenig vom Inhalt in Sherry-Gläser gegossen. Dunkles Braunrot, ein würziger Duft und beim zaghaften Nippen ein runder, weicher Geschmack, der uns ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Nach fast drei Jahren Reifezeit war aus dem kratzigen Gebräu ein angenehm herber Trunk geworden. Damit war klar: Dieses Jahr machen wir neuen Vin de Noix.

Und so habe ich einige Walnüsse gepfückt, gewaschen und geviertelt, habe sie mit den abgemessenen Zutaten (Zucker, Obstler und Rotwein) in Gläser gefüllt, alles gut umgerührt und verschlossen.
In sechs Wochen werde ich abfüllen und dann – für mindestens ein Jahr ruhen lassen.

Das Rezept? Okay, hier kommt das Mischungsverhältnis, das dem Original von Commissaire Bruno in etwa entspricht:

6 grüne, unreife Walnüsse mit Schale
70 – 80 g Zucker (oder mehr, wenn man es süßer mag)
125 ml Obstler
1 l halbtrockener Rotwein

Und nun ab damit zum creadienstag.

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