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23. Dezember

23/12/2015

… und bringt ein Licht (4)

 
“Das glaube ich jetzt nicht!” Britta hatte sich von ihrem Schrecken erholt und sah sich im Raum um. “Das ist ein Traum. Das kann nur ein Traum sein.”
“Nein, du bist wach.” Die Worte der zarten Stimme schienen von Glockenklingeln begleitet zu sein. Die Elfe schwebte vor Britta und Peter und lächelte sie an. Vom Kopf bis zu den zierlichen Filzstiefelchen maß sie etwa eine Elle. Die grünen Augen glitzerten, die roten Locken wippten bei jedem Flügelschlag. “Willkommen in unserem Lichterhaus.”
“Willkommen!”, tönte es aus mindestens zwanzig Kehlen in allen Tonlagen.
Mehrere Elfen belagerten ein altes Sofa und kuschelten sich in die Kissen. Sie kicherten beim Anblick der beiden Menschen, denen die Münder offen standen.
Vor dem Kamin hockten ein paar Zwerge mit dichten Bärten, schwarzen Stiefeln und Pudelmützen in allen Farben des Regenbogens.
Wichtel saßen rund um einem großen Holztisch auf derben Stühlen und baumelten mit den bestrumpften Beinen. Einem rutschte der Filzhut über die Augen. Er schob ihn wieder hoch und zwinkerte Britta zu.
Im Hintergrund verharrten drei mächtige Trolle, die Köpfe zur Seite geneigt, weil sie sonst an der Decke angestoßen wären.
Auf jeder freien Fläche standen Kerzen, erhellten den Raum mit ihrem flackernden Schein. Dicke Stumpenkerzen auf flachen Tellern, schmale Leuchterkerzen in silbernen und bronzenen Kandelabern, eine Reihe Kugelkerzen auf dem Kaminsims.
Vor dem Fenster hing ein schwarzer Wollvorhang. Deshalb hatten sie von draußen nichts sehen können, wurde Britta klar.
“Vor drei Wochen war der Vorhang verrutscht”, zwitscherte die Elfe. “Ein kleines Missgeschick, dass euch anscheinend zu uns geführt hat.”
“Was …” Britta räusperte sich. “Was macht ihr hier? Was bedeutet das: Lichterhaus?”
Ein Zwerg mit beeindruckend langem Bart trat zu ihnen.
“In jedem Jahr wird in den anderen Welten ein Menschenhaus ausgewählt. Es muss ein leeres Haus sein, eins, das etwas abseits steht, ein einsames Haus.”
Der Filzhut-Wichtel sprang von seinem Stuhl und stellte sich zwischen Zwerg und Elfe.
“Ja, ein einsames Haus mitten unter den Menschen. Es ist der Treffpunkt für die Lichterzüge.” Er nickte heftig, der Hut rutschte wieder bis auf seine Nase.
“Aus allen vier Himmelsrichtungen kommen die Lichterzüge und treffen sich hier.”
“Lichterzüge?” Peter zog die Stirn in Falten. “Die kenne ich nur von Sankt Martin.”
Die Elfe kicherte und flatterte um Britta und Peter herum wie ein Schmetterling.
“Eine nette Idee der Menschen. Ein Versuch, Licht und Liebe zu bringen. Klappt aber meistens nicht.”
“Weil die Menschen vergessen haben, wofür das Licht steht”, warf der Zwerg ein. “Genau wie die Menschen vergessen haben, wofür die Weihnacht steht. Deshalb ziehen wir aus den anderen Welten jedes Jahr in der Adventszeit durch Menschenland. Von den westlichen Inseln kommen die Elfen, aus dem Osten die Wichtel. Der Norden schickt Trolle und wir Zwerge wandern von den südlichen Bergen herbei. Wir alle tragen das Licht mit uns als Zeichen der Liebe und des Friedens zwischen den Völkern. Aber die Menschen sehen es nicht.”
“Weil sie so viele grelle Lampen haben”, grummelte einer der Trolle. “Und weil sie sich hetzen und nicht rechts noch links schauen und nur kaufen, kaufen, kaufen.”
Die anderen beiden Trolle nickten, so gut das mit schiefen Köpfen ging.
“Und weil sie Angst haben vor allem, was ihnen fremd ist”, ergänzte der Wichtel.
“Aber wir geben nicht auf.” Die Elfe strahlte Britta an. “Und in diesem Jahr hat es ja geklappt. Wenigstens du hast uns gesehen.”
Britta wurde ein bisschen rot. “Das war nur Zufall”, flüsterte sie.
“Wenn ihr euch so gut versteckt, müsst ihr euch auch nicht wundern”, sagte Peter. “In der Nacht querfeldein zu ziehen, das kann nichts bringen.”
Der Zwerg sah Peter intensiv in die Augen.
“Wenn wir so handelten, wie die Menschen das tagtäglich tun, dann wären wir genau wie sie. Dann ändert sich nichts. Wir müssen das auf unsere Art machen. Wir müssen darauf bauen, dass die Menschen erkennen. Nach und nach. Und der Anfang ist heute gemacht.”
“Und jetzt lasst uns feiern”, sang die Elfe mit ihrer Glockenstimme und reichte Britta und Peter Gläser mit einer perlenden Flüssigkeit.
“Auf Licht und Liebe!”
“Auf Licht und Liebe!”, stimmten alle ein.

 
* * * E N D E * * *

 

22. Dezember

22/12/2015

Weihnachtskarten
 
Ein paar Weihnachtskarten – nur ganz wenige – verschicke ich jedes Jahr.
Und die müssen natürlich selbst gemacht sein.
Pinterest ist da eine unerschöpfliche Inspirationsquelle (z.B. dieser Pin).
 
Weihnachtskarten
 
Dunkelroter Karton, geschnitten und gefaltet.
Auf einem Blatt Papier habe ich mir die Form aufgezeichnet, die Punkte für die Löcher markiert.
Mit einer Nadel die Löcher vorgestochen, dann den Faden durchgezogen und hin und wieder eine kleine Perle aufgefädelt.
Mit kupferfarbenem Lackstift den Stamm angedeutet.
Ein Einleger aus weißem Papier und schon ist die Karte fertig.
 
Weihnachtskarten
 

Ich hoffe, meine Weihnachtspost kommt gut an. Nicht dass die Perlen für Irritationen in der Sortiermaschine der Post sorgen. ;-)

Und jetzt ganz schnell damit zum creadienstag.
 

21. Dezember

21/12/2015

Häkel-Tannen
 

Auch wenn die Adventszeit dieses Jahr besonders schnell rennt (ist zumindest mein Eindruck): Ein paar kleine Basteleien müssen sein.
Auf Pinterest habe ich diesen Pin gesehen, der Inspiration für meinen kleinen Häkeltannen wurde.

Von der Spitze nach unten gehäkelt und anschließend über Weinkorken gestülpt.
Anleitung kann ich euch keine geben, weil ich “nach Gefühl” gearbeitet habe.

 

20. Dezember

20/12/2015

Hier kommt Teil 3 der Advents-Mail-Art 2015:

 
13. Dezember
 
Karen von cambiokarma
 
14. Dezember
 
Angelika Siroux
 
15. Dezember
 
Claudi Sander
 
16. Dezember
 
Silke Zeidler
 
17. Dezember
 
Jennifer von neunzehngrad
 
18. Dezember
 
Carolin Glaser

Herzlichen Dank auch an euch alle, die ihr so vielseitige Katzen-Karten gezaubert habt.
 

19. Dezember

19/12/2015

… und bringt ein Licht (3)
 
“Du willst jetzt nicht wirklich draußen herumlaufen, oder?” Peter zog den Kopf zwischen die Schultern.
Britta nickte. “Doch, natürlich. Ich find’s schön mit dem Schnee. Auch wenn der Himmel grau ist.”
Sie zog die Schleife ihres Stiefels fest, nahm ihre Handschuhe und trat vor die Haustür.
“Los, komm, die frische Luft wird uns gut tun.”
Sie marschierte los, wandte sich auf dem Bürgersteig nach links. Peter folgte murrend.
“Aber nur die kleine Runde”, forderte er und Britta grinste.
Nach wenigen Metern blieb sie vor dem Eingang zum Nachbargrundstück stehen. Über das niedrige Gartentor hinweg musterte sie den Weg, der sich in leichtem Bogen zur Haustür zog. Der Schnee lag vielleicht sechs oder sieben Zentimeter hoch, rundete die Randsteine, machte den Übergang zur Wiese weicher. Vogelfüße hatten Ornamente ins Weiß gezeichnet.
“Schau mal da!” Britta zupfte Peter am Jackenärmel und deutete auf die Hausecke.
“Da sind noch andere Spuren. Da war jemand.”
Peter schnaufte genervt. “Wahrscheinlich eine Katze oder ein Fuchs. Lass uns weitergehen.”
Britta ließ sich nicht beirren. “Das sind keine Pfoten, das sind Fußabdrücke.”
Ehe Peter sie zurückhalten konnte, hatte sie das Tor geöffnet und ging auf das Haus zu.
“Nun mach schon.” Sie winkte, dass er ihr folgen sollte.
Peter hastete hinterher. “Lass das”, zischte er. “Was, wenn da noch jemand drin ist?”
Britta blieb stehen und drehte sich um.
“Ach, jetzt glaubst du also auch, dass irgendwas nicht stimmt.”
“Das können genauso gut die Besitzer sein. Oder ein Makler. Oder …” Peter verstummte.
Britta ging langsam weiter, ihr Blick glitt über die Hausfront, blieb wieder an den Spuren im Schnee hängen.
“Die sind aber klein.”
“Kinder”, meinte Peter. “Das sind Kinderspuren. Vergiss es.”
“Aber die Spuren kommen aus dem Wald. Wo sollen da Kinder herkommen?”
Vorsichtig machte sie ein paar Schritte auf die Wiese, reckte den Kopf vor und betrachtete die zarten Abdrücke.
“Sie hören vor der Hauswand auf. Einfach so. Als hätte sich jemand in Luft aufgelöst.”
“Oder als wäre derjenige am Regenrohr hinauf geklettert.” Peter sah nach oben.
“Das Fenster im ersten Stock ist nur angelehnt.”
Britta war inzwischen um die Hausecke herum gegangen.
“Hier sind noch mehr Fährten”, rief sie. “Mindestens fünf. Alle kommen aus dem Wald.”
“Auf dieser Seite gibt es auch Spuren”, rief Peter von der anderen Hausecke. “Viel größere, wuchtige.” Er schlug die Hand vor den Mund.
“Lass uns verschwinden”, flüsterte er, als Britta wieder neben ihm stand und fasste nach ihrem Arm. Aber Britta starrte zum Dach hinauf und rührte sich nicht.
Im nächsten Moment öffnete sich die seitliche Tür und schmale Finger griffen nach Brittas und Peters Händen.

(Fortsetzung folgt)
 

18. Dezember

18/12/2015

Konsumrausch – nein, danke!
 
Vorweihnachtliches Shoppen, Geschenke kaufen, mehr Geschenke kaufen, die Wirtschaft ankurbeln, auf dass sie wachse. Das scheint das Credo zu sein alle Jahre wieder.
Und alles nur, weil die heiligen drei Könige dem Kind Gaben in die Krippe gelegt haben.

Wirtschaftswachstum ist wichtig, sagen Politiker. Die Wirtschaft muss wachsen, damit unser Wohlstand erhalten bleibt und auch in anderen Ländern Wohlstand erreicht wird.
Aber das kann nicht immer so weiter gehen. Denn wir leben auf einem endlichen Planeten.
Die Ressourcen, die Rohstoffe sind begrenzt, können irgendwann nur noch unter hohem Aufwand und mit großen Schäden für unsere Umwelt gefördert werden.
Durch unser Tun hat das Weltklima sich schon heute verändert, wird sich drastisch weiter ändern – und zwar nicht zum Guten für uns.
Ist da noch etwas zu retten? Und wenn ja, wie?

Die UN-Klimakonferenz in Paris hat – zum ersten Mal überhaupt – einen Weltklimavertrag geschlossen, in dem sich alle Länder gemeinsamen Zielen zum Klimaschutz verpflichten. Das klingt gut. Die Frage stellt sich allerdings, wie diese Ziele umgesetzt werden sollen.
Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Wirtschaft in allen Ländern wachsen soll – in den Schwellenländern und Entwicklungsländern noch mehr als bei uns.

Oder ist Wohlstand für alle möglich, ohne dass die Wirtschaft pausenlos wächst?

In den letzten Monaten habe ich mich ein bisschen mit diesem Thema beschäftigt, habe einiges gelesen, Vorträge im Internet gehört. Es gibt verschiedene Wissenschaftler, die sich mit den Möglichkeiten einer Wirtschaft ohne Wachstum beschäftigen und mit einer Gesellschaft, die ohne Wirtschaftswachstum auskommt.

Im Buch “Befreiung vom Überfluss” stellt Prof. Dr. Niko Paech gut verständlich und leicht lesbar die Situation dar, kritisiert die aktuellen Lösungsvorschläge und entwirft dann seine Vorstellung einer Postwachstumsgesellschaft. Weniger industrielle Produktion, Rückkehr zu regionalen und lokalen Wertschöpfungsketten, längere Nutzungsdauer und Reparaturmöglichkeit der Güter, Gemeinschaftsnutzung und eigene Produktion schonen Ressourcen und Umwelt und fördern soziale Beziehungen.
Suffizienz – Genügsamkeit – ist eine Voraussetzung, die wir mitbringen müssen. Was keinen Rückschritt in mittelalterliche Verhältnisse bedeutet, sondern ein Zurück zum “Was brauche ich wirklich?”.
Zusätzlicher Effekt: Wir haben wieder mehr Zeit, heutzutage die knappste Ressource überhaupt, können das, was wir haben und tun, wieder genießen und werden glücklicher.

Klingt zu schön, um wahr werden zu können?
Da fällt mir wieder der Satz ein, den ich auf der ehemaligen Berliner Mauer gelesen habe:
 
Wenn viele kleine Leute ...
 
Niko Paech: Befreiung vom Überfluss
München: oekom Verlag 2014 (8. Auflage)

 

17. Dezember

17/12/2015

Verglüht

Ein Mensch kommt aus dem Schmuddelwetter
ins Haus und denkt: es wäre netter,
jetzt einen warmen Trunk zu haben.
Beschließt, an Glühwein sich zu laben.

Zuerst die Flasche Wein entkorkt –
mit solchem ist er gut versorgt -,
den Inhalt in den Topf gegossen,
weil “Glüh” bedeutet “heiß genossen”.
Zur weihnachtlichen Würze nimmt
der Mensch drei Nelken, etwas Zimt,
presst eine Apfelsine aus
und starken Rum hat er im Haus.

Langsam erhitzen, etwas ziehen,
der Glühwein ist ihm gut gediehen.
Er füllt zur Hälfte seinen Becher –
man ist ja moderater Zecher -,
setzt sich, betrachtet ohne Grausen
das widerliche Wetter draußen,
und weil ihm noch ein wenig kühl,
füllt er den Becher mit Gefühl
ein zweites Mal und immer weiter.
Ins Bett geht unser Mensch recht heiter.

Ihr ahnt, wie es am nächsten Tag
dem Glühweinfreund ergehen mag.

(2011)

 

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