Buchtipp: Drohnenland


 
Regelmäßig stöbere ich im Internet, ob es von Autoren oder Autorinnen, die ich gerne lese, Neues auf dem Buchmarkt gibt.
Als Krimifan gehört für mich Tom Hillenbrand auf diese Liste.
Sein erster Kriminalroman „Teufelsfrucht“ dreht sich um den Luxemburger Koch Xavier Kiefer und hat mich von der ersten Seite an gepackt, so dass ich auch die anderen Bücher dieser Reihe gekauft und begeistert gelesen habe.

2014 erschien dann ein ganz anderer Krimi, ein Thriller, der in der Zukunft spielt, in einer Zukunft, die zum Teil gar nicht so weit entfernt scheint.

Im vereinten Europa mit Hauptstadt Brüssel ist die Überwachung per Kamera total. Polizeidrohen filmen überall alles und jeden, die Daten werden im Fahndungscomputer bei Europol gesammelt und gespeichert.
Geschieht ein Verbrechen, dann brauchen die Ermittler nur eine „Spiegelung“ des Tatorts aufzurufen, sich alle Daten geben zu lassen und schon können sie – unterstützt vom sprechenden Fahndungscomputer – den Fall lösen.
Als ein Parlamentarier auf einem Feld außerhalb der Stadt ermordet wird, bekommen Kommissar Aart van der Westerhuizen und Forensikerin Ava Bittman den Fall übertragen und scheinen ihn innerhalb kürzester Zeit gelöst zu haben.
Allerdings fallen ihnen andere Todesfälle unter Parlamentariern auf, und sie entdecken Hinweise, dass die Daten, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, manipuliert sind.
Nach und nach kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die ganz Europa durchzieht. Doch nun müssen die beiden um ihr Leben fürchten. Und wie schafft man es, den Häschern zu entkommen und das Komplott auffliegen zu lassen, wenn man sich nicht frei und unbeobachtet bewegen kann?

Ein spannender und gut durchdachter Thriller, der die heutigen technischen Möglichkeiten weiter treibt und dabei die Leser zum Nachdenken bringt.

Tom Hillenbrand: Drohnenland
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2014
Taschenbuch: 9,99 Euro

 

Buchtipp: Der Autor und die Fotografin

Nein, das Buch heißt nicht so. Es heißt viel schöner:
Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln

 

 

Und hier haben zwei Menschen wirklich gesammelt: Fotos und Texte zu diesen Fotos.
Zoran Drvenkar ist Autor, schreibt Thriller und Kinderbücher.
Corinna Bernburg ist Fotografin und gestaltet Bücher.

Das Projekt ist einfach erklärt, war aber sicher nicht einfach durchzuhalten:
Die Fotografin macht jeden Tag ein Foto, das sie dem Autor gibt.
Noch am selben Tag, also bis Mitternacht, schreibt er einen Text, der durch das Foto inspiriert ist; meist Gedichte, aber auch kurze Impressionen oder Dramen.
Und das machen die beiden ein ganzes Jahr lang.

Das 2015 erschienene Buch „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln“ ist der erste von vier Bänden, in denen Fotos und Texte dieses Projektes zu entdecken sind.
Es ist das Sommer-Buch, enthält die Tage vom 8. Juli bis zum 5. Oktober.
Jeweils auf der linken Seite findet sich das Schwarzweiß-Foto, auf der rechten Seite steht der Text.
Die Bilder ganz unterschiedlich: Detailaufnahmen, Landschaften, Menschen, Alltägliches, Besonderes.
Die Texte, ebenso vielfältig, beschreiben nicht einfach die Fotos. Sie sind manchmal nur von einem Detail daraus angeregt, manchmal spinnen sie ganze Geschichten um das Bild herum.

Ein Buch, in das ich versinken kann.
Fotos, die mich berühren und von denen ich lerne (was die eigene Fotografie angeht).
Lyrik, die klingt, die in mir etwas mitschwingen lässt, weil ich sie nachempfinden kann.
Ein Buch voller Inspirationen, eines, das ich immer wieder zur Hand nehme, mal hier, mal dort aufschlage, schaue, lese.
Ein Buch, das Sehnsucht macht nach den anderen Jahreszeiten, nach den drei Bänden, die noch folgen werden – und die ich auf jeden Fall ebenfalls haben möchte.

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin?
Es gibt im rbb-Fernsehen seit Jahren eine Sendereihe namens Bauer sucht Kultur
Viermal im Sommer ist Max Mohr in Brandenburg unterwegs und besucht Künstler und Kulturschaffende aller Art, lässt sich ihr Heim und ihr Werk zeigen, erzählt mit ihnen, lockt auch sehr Persönliches hervor.
Die Sendungen von 2015 und 2014 können in der Mediathek des rbb angeschaut werden.
Und in einer dieser Sendungen war Max Mohr bei Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg. Ihr Gespräch über das Foto-Text-Projekt und ein kurzer Einblick in das Buch haben bei mir sofort den Haben-Wollen-Reflex ausgelöst.

Zoran Drvenkar, Corinna Bernburg:
Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln
– Fotos & Gedichte (cbj 2015)
 

8

 
Buchtipp: 8
 

Kann ein Buchtitel kürzer sein? Nur eine Ziffer?
(Okay, ein Buchstabe ist auch möglich, wie bei Daniel Kehlmanns „F“.)
Und doch verbirgt sich dahinter eine ganze Menge.

Acht Autorinnen und Autoren haben sich zusammengetan und einen Krimi geschrieben.
Nicht acht Geschichten, nein, einen Gemeinschaftsroman.
Und das auch noch unter ganz speziellen Voraussetzungen:
Sie haben ein Krimi-Camp aufgemacht, haben sich in einer alten Villa in der Uckermark für acht Tage eingenistet, weit weg von allen Ablenkungen, und haben in dieser Zeit ihr Buch geschrieben.
Klingt verrückt? Ist es vielleicht auch – aber es ist gelungen.

Andy Otto moderiert seit Jahren locker-flockig die Morgen-Show eines Kölner Radiosenders. Er nimmt das Leben nicht allzu ernst, auch nicht die Auseinandersetzungen mit Chefin und Freundin. Das ändert sich, als er am Kiosk seines Freundes Wolle ein Handy findet.
Als er es der Besitzerin, einer Kindergarten-Leiterin, zurückgeben will, findet er ihre Leiche neben einer Leiter. Auf den ersten Blick ein Unfall. Aber warum hat sie einen Dominostein mit acht Augen in der Hand?
Am nächsten Tag erhält Andy eine E-Mail mit einem Foto. Darauf hält die tote Kindergärtnerin einen Flyer, Werbung für ein Party-Hotel in der Eifel. Der Absender: H.N. Weis. Andy folgt diesem Hinweis, findet die nächste Leiche und gerät ins Visier der Ermittler.
Der Acht und den versteckten Hinweisen des Mörders folgend, jagt Andy durch ganz Deutschland, bis er am Ende das perfide Spiel durchschaut. Aber vielleicht zu spät.

Ein spannender Krimi, gut geschrieben und zwar so, dass keine Brüche im Stil vorhanden sind. Steckt man in der Geschichte drin, käme man nicht auf die Idee, dass dafür acht verschiedene Menschen verantwortlich zeichnen.
Und die Acht zieht sich natürlich durch das ganze Buch. Nicht nur als Zahl, sondern auch in Worten. Beim Lesen kann man also auch ein bisschen Detektiv spielen und nach ihr suchen.

Ich habe das Buch auf einem Bücher-Wühltisch entdeckt. Aber es ist auch noch im Buchhandel erhältlich.

Peter Godazgar, Kathrin Heinrichs u.a.:
8

Hillesheim: KBV-Verlag 2013
Taschenbuch, 9,90 Euro

 

Die Kunst …

Nein, es geht im heutigen Buchtipp nicht um bildende Kunst. Es geht eher um Psychologie und gleich um zwei Bücher, sozusagen zwei Teile eines Ganzen.
 
Buchtipp Dobelli
 
Rolf Dobelli ist Autor von Romanen und Sachbüchern, hat in der Wirtschaft gearbeitet, war selber Firmengründer und Gründer einer Community führender Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Ein Mann, der sich in ganz unterschiedlichen Bereichen bewegt und sich darüber Gedanken macht.
Und diese Gedanken kann er klar, verständlich und amüsant zu Papier bringen.

Dobelli erzählt im Vorwort des linken Buches (des zuerst erschienenen), dass er irgendwann angefangen hat, systematische Denkfehler zu sammeln. Und zwar, damit er seine eigenen Denkfallen rechtzeitig erkennen und vermeiden kann.
Das führte zu einer wöchentlichen Kolumne in der FAZ und der Schweizer Sonntagszeitung und schließlich zu den beiden Büchern „Die Kunst des klaren Denkens“ und „Die Kunst des klugen Handelns“.

Ein systematischer Denkfehler ist einer, den wir immer wieder begehen. Zum Beispiel werten wir einen Verlust von 10 Euro wesentlich schwerer als einen Gewinn derselben Summe. Wir neigen dazu, Entscheidungen nach dem Ergebnis zu beurteilen statt nach den Gründen, aus denen wir sie getroffen haben. Wir verwechseln Korrelation und Kausalität.
Dobelli veranschaulicht die Denkfehler mit Beispielen aus dem Alltag, erläutert den psychologischen Hintergrund und mögliche Strategien dagegen.

Ich habe die beiden Bücher regelrecht gefressen, immer wieder geschmunzelt, genickt und mich ertappt gefühlt. Und beschlossen, sie häppchenweise nach und nach erneut zu genießen. Über jedes einzelne Kapitel lohnt es sich nachzudenken, sich selber auf die Finger zu schauen und vielleicht auch mit anderen darüber zu diskutieren.

Rolf Dobelli:
Die Kunst des klaren Denkens
Die Kunst des klugen Handelns

München: dtv 2015, als Taschenbuch jeweils 8,90 Euro

 

Papierschmuck

Es gibt Bücher, die sind schon zum Anschauen einfach wunderschön.
Und wenn dann noch jede Menge Inspirationen drin sind, die mich ganz zappelig werden lassen – will ich ausprobieren, unbedingt, sofort, da könnte man doch … – dann muss so ein Buch einfach auf den Wunschzettel und so bald wie möglich auch zu mir.

In den letzten Wochen bzw. Monaten gab es eine ganze Reihe solcher Bücher. Und die möchte ich euch nach und nach vorstellen.
Den Anfang macht heute „Papierschmuck“ von Barbara Baumann.

 
Buchtipp: Papierschmuck
 

Wir sind tagtäglich umgeben von ganz vielen ganz unterschiedlichen Papiersorten. Diese Vielfalt von Zeitungen, Büchern, Karten, Servietten, Bonbonpapieren und mehr bietet auch eine Vielfalt von Verarbeitungsmöglichkeiten.

In 55 Projekten, die nach den Papiersorten gegliedert sind, zeigt Barbara Baumann einen kreativen Blick auf das Material und vermittelt Techniken für den Umgang damit.
Da werden gefaltete Elemente zu Ketten und Armbändern, geschnittene und gerollte Streifen zu ganz unterschiedlichen Papierperlen oder genähte Papierstücke zu Broschen und Haarspangen. Manche Anregungen sind einfach nachzuarbeiten, andere wirken ein bisschen fummelig, wieder andere arg schräg. Alle aber sind prima Denkanstöße, wie man mit dem Papier, das überall herumliegt, mehr anfangen kann, als es nur in den Kontainer zu werfen.

Ergänzt werden die konkreten Projekte durch zusammenfassende Kapitel über Schmuck- und Schmuckherstellung, über Werkzeuge und Papiertechniken.
Das Buch ist aus schönem, glattem, seidig glänzendem Papier und reich bebildert. Ich mag immer wieder darin blättern und werde demnächst sicher einiges ausprobieren.
Die Ergebnisse zeige ich euch dann natürlich auch hier im Blog.

Barbara Baumann: Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten
Bern: Haupt Verlag 2013

 

Literatur !

Ein Wort, das viele abschreckt. „Literatur“, das klingt nach schwer zu lesen, langwierig oder langweilig, klingt nach Deutschunterricht, nach Analyse und „was will der Autor uns sagen?“.

Aber vielleicht müsste man über die Werke der Weltliteratur nur ein bisschen wissen, über ihren Inhalt, ihren Autor bzw. ihre Autorin, und plötzlich würden die Bücher interessant. Vielleicht nicht alle, aber vielleicht einige – und dann kommt auf ein Mal der Gedanke: Das will ich lesen.

 
Buchtipp: Literatur!
 

Genau diesen Einstieg möchte das Buch „Literatur!“ von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi bieten. Der Untertitel „Eine Reise durch die Welt der Bücher“ lässt Spaß und eine gewisse Leichtigkeit ahnen.
Die eine erzählt kurz und knackig, worum es in den Werken von Dantes „Göttlicher Kommödie“ bis zu Frank Schätzings „Schwarm“ geht, liefert Smalltalk-Infos und gibt Einschätzungen zur Lesbarkeit. Außerdem werden viele der Autoren vorgestellt.
Die andere illustriert das Buch mit ihren amüsanten Zeichungen, lockert es auf und macht es dadurch zu einem wirklich schönen Buch.
Am unteren Rand der Seiten zieht sich eine Zeitleiste entlang, auf der die Bücher eingeordnet werden und in der sich unterschiedliche nicht-literarische Fakten finden.

Ich habe das Buch vor einem Jahr geschenkt bekommen, habe darin kreuz und quer gelesen – man muss das nicht von vorne bis hinten tun, kann sich rauspicken, was reizt – und mich dann jetzt doch noch systematisch aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart vorgearbeitet.
Ein Buch, das man immer wieder in die Hand nehmen kann, um sich Anregungen zu holen, welches Werk der Weltliteratur denn als nächstes auf dem Nachttisch liegen könnte.Oder welches man bestimmt nicht lesen wird.

Katharina Mahrenholtz, Dawn Parisi: Literatur!

Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 2012 (3. Aufl.), 19,99 Euro

 

Tausend Träume? JA !

Verzetteln, Zeitmangel, Unbeständigkeit? Darüber habe ich ab und zu hier geschrieben.
Zu viele Interessen, sich nicht entscheiden wollen, dabei ein schlechtes Gewissen haben – das kennen einige von uns.

Irgendwann, irgendwo habe ich von einer von euch einen Buchtipp bekommen. (Sorry, ich weiß nicht mehr, wer’s war, tippe aber entweder auf Buchstabenwiese oder wortmeer.)
Ich habe diesen Buchtipp auf meinen Wunschzettel geschrieben, das war’s erstmal.

Vor einigen Wochen bin ich in unserer Stadtbibliothek, bummele an den Regalen vorbei auf dem Weg zur Abteilung Kunst. Auf niedrigen Tischen liegen immer einige Bücher aus unterschiedlichen Sachbuchbereichen als Lockvögel aus. Und ich lasse mich gerne locken, streife mit dem Blick über die Titel und – bleibe stehen. Ein gelboranges Buch hat einen relativ langen Titel, der sofort ein Glöckchen erklingen lässt.
Das ist doch das Buch, das mir empfohlen wurde! Ich nehme es mit.
Und ich habe es regelrecht gefressen. Haben ständig genickt und „genau“ gemurmelt und gelacht und meinen Mann damit irritiert.
Ich habe mich sowas von gefunden in diesem Buch, dass ich der Tipp-Geberin ein dickes Danke! zurufen möchte.

Was für ein Buch ich meine? Das hier:

Barbara Sher:
Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast.

Das Buch ist sozusagen die Erlaubnis zum Verzetteln, das aber bitte mit Methode.
Die Autorin, Karriereberaterin und Autorin aus den USA, beschäftigt sich hier mit einem Menschentyp, den sie „Scanner“ nennt.
Es gibt Menschen, die von Natur aus breitgefächerte Interessen und Begabungen haben. In der Schule kommen sie normalerweise gut zurecht, weil sie sich mit den unterschiedlichen Fächern beschäftigen können.
Danach aber wird es für sie schwierig: Üblicherweise entscheidet man sich für einen Beruf, beschränkt sich also auf ein Gebiet. Weil in unserer Gesellschaft die Vorstellung herrscht, dass man sich spezialisieren muss, um erfolgreich zu sein. Weil man als oberflächlich und sprunghaft gilt, wenn man sich für ganz unterschiedliche Bereiche interessiert.
Scanner wollen und können sich aber nicht festlegen, sie hätten immer das Gefühl, es fehlt etwas, wenn sie sich für das eine und damit gegen das andere entscheiden.

Barbara Sher dreht den Spieß einfach um. Wenn ein Scanner sich so akzeptiert, wie er ist, dann blockiert er sich nicht mehr selber. Es braucht dann noch ein paar Techniken, um sich selber zu managen, um den verschiedenen Interessen den passenden Raum zu geben.
Das klingt jetzt sehr plakativ, vielleicht ein wenig platt, liegt aber daran, dass ich hier stark verkürze.
Barbara Sher gliedert die Scanner in verschiedene Untergruppen, verschiedene Typen, denen sie Methoden und Hilfsmittel an die Hand gibt, um sich zu organisieren. Das alles zu erläutern, ginge hier zu weit.

Deshalb kann ich jeder/jedem, der zu Verzettelitis neigt, dieses Buch ans Herz legen. Vor allem gibt es inzwischen einen Taschenbuchversion, die ich mir nach dem ersten Durchfliegen des Bibliotheks-Buches gekauft habe.
Und mit dem ich jetzt nach und nach arbeiten werde.

Und schon das erste Lesen des Buches hatte einen positiven Effekt: Ich kann mich mit voller Kraft mit der Sache beschäftigen, die ich gerade für „an der Reihe“ halte, ohne schlechtes Gewissen, etwas anderes zu vernachlässigen. Weil ich weiß, dass ich turnusmäßig zum nächsten Gebiet weiter wandern werde. Und dass das gut so ist.