Geduld


 

„Zeit, da möchte ich einhaken.“ Die nächste in der Podiumsrunde war eine blondgelockte Dame in hellem Pullover. „Ich darf mich vorstellen: Angela Geduldig, Fotografin. In meinem Beruf habe ich gelernt, mir Zeit zu nehmen. Ruhig zu bleiben, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Neben meiner Arbeit im Studio liebe ich Naturaufnahmen. Dieselbe Szenerie wirkt ganz unterschiedlich je nach Jahreszeit oder Lichtverhältnissen. Ich entwickele eine Vorstellung, was ein Bild ausdrücken soll, dann muss ich warten, bis alle Bedingungen stimmen. Und ich glaube, beim Schenken sollte es ähnlich sein. Eine Vorstellung entwickeln, was dem anderen Freude bereiten könnte, und dann geduldig nach diesem Geschenk suchen oder es selber herstellen. Keine übereilten Kaufattacken, keine Schnellschüsse, die sich als Schuss in den Ofen erweisen könnten.“
Sie kicherte.
„Ich weiß, heute reden alle von Effizienz. Und das, was ich gerade beschrieben habe, klingt auf den ersten Blick überhaupt nicht effizient. Wieso sollte ich Socken mit reichlich Zeitaufwand selber stricken, wenn ich sie einfacher kaufen kann? Ich sage es Ihnen. Weil diese selbstgestrickten Socken um vieles wertvoller sind. Weil Sie geduldig Zeit investiert haben und die Socken damit persönliche Wertschätzung ausdrücken. Und die, die ist selten geworden.“

* * * * *

Stimmt, beim Stricken braucht es Geduld. Vor allem, wenn die Nadeln dünn sind, wie bei 4fädiger Sockenwolle.
Socken sind zwar im Vergleich zu einem großen Pullover recht schnell fertig. Allerdings muss man nach dem ersten Socken noch einen zweiten stricken, mit dem gleichen Garn und demselben Muster. Kann langweilig werden, erfordert also wiederum etwas Geduld, zumindest bei mir.

Meine neuesten Socken sind aus einem Drops-Garn gestrickt, das ich bei uns im Wolleladen in einem Wühl-Korb gefunden habe. Ich liebe Rot. Und diese Mischung aus verschiedenen Rot- und Magenta-Tönen, dazu etwas Rosa und Blassgelbgrün hat mich auf den ersten Blick gefangen.
 

 
Gestrickt habe ich wie meist bei gemustertem Garn.
Bündchen: 20 Reihen 2 M re, 2 M li.
Danach weiter mit: 6 M re, 2 M li.
 

 
Ich stricke üblicherweise eine Art Bumerangferse. Während ich nach der Ferse die Fußsohle glatt rechts stricke, ziehe ich das jeweilige Muster über die obere Häfte der Socke weiter bis zur Sternchenspitze.
 

 
Eigentlich schade, dass man im Winter in den geschlossenen Pantoffeln so wenig von dieser fröhlichen Farbe sieht.
 

 
Es gab da übrigens noch eine kleine Irritation.
Ich hatte zwei 50-Gramm-Knäuel derselben (!) Partie, je eins für einen Socken.
Beim zweiten Knäuel dann abgewickelt, bis der passenden Mustersatz kam und losgestrickt. Irgendwas kam mir komisch vor. Hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass das Knäuel anscheinend anders herum aufgewickelt war als das erste.
Das heißt, während ich das erste Knäuel von innen nach außen abgestrickt habe, musste ich beim zweiten außen anfangen. Sowas hatte ich auch noch nie.

Die Socken schicke ich jetzt zum creadienstag, zu Fannys liebste Maschen und zu Häkelline.

 

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Kreativität


 

„Bin ich dran?“ Die Frau neben der Muße schien gedöst zu haben und blinzelte verwirrt ins Licht. Sie fuhr sich mit beiden Händen durch ihre roten Locken und streckte den Rücken durch.
„Okay, ich bin die Kreativität, ihr könnt mich gerne duzen, das ist in meiner Branche üblich. Ich will’s kurz machen. Wenn schenken, dann bitte einfallsreich und originell. Ich bin eine große Freundin von DIY und Upcycling. Da steckt so viel Potenzial drin. Handmade ist das neue Yoga oder so. Ihr wisst schon, was ich meine. – Das war’s fürs Erste.“
Sie zwinkerte in die Runde und lehnte sich wieder zurück.

* * * * *

Und weil heute die Kreativität das Wort hat, ist das der richtige Tag, um euch meine Farbstreifen-Post-Kunst-Karten-Produktion zu zeigen.
Schon seit vielen Jahren gibt es die Post-Kunst – gerne auch Mail Art genannt -, initiiert von Michaela Müller und Tabea Heinicker. Drei Mal im Jahr – Frühling, Sommer, Advent – rufen sie auf zu Post-Kunst-Aktionen. Inzwischen gibt es dazu einen eigenen Blog, schaut mal vorbei: Post-Kunst-Werk.
In diesem Jahr waren Farbstreifen das Motto. Farbklänge finden, malen, drucken, kleben, die Technik war freigestellt. Zum vorgegebenen Termin – meiner war der 9. Dezember – sollten die Karten dann bei allen Teilnehmern einer Gruppe ankommen.
Hier jetzt also ein kleiner Einblick in meine Karten-Bastelküche.
 

 
Zuerst habe ich mal wieder mit Farben gespielt und gemischt. Als Grundfarben Magenta, Gelb und Coelinblau, für irgendwas muss man sich ja entscheiden. Mir ging es darum, ein Gefühl für die Farben zu bekommen und zu sehen, was mich zur Zeit anspricht.
Ich habe dann noch mehr gemischt, verschiedene Farbtöne jeweils aufgehellt und abgedunkelt.
 

 
Nächste Überlegung: In welcher Form sollen meine Streifen aufs Papier? Quer, längs, diagonal? Nein, ich will Schwung ins Gestreifte bringen.
Also: Linoldruckplatte her und ran ans Schnitzen.
 

 
Dann aus stabilem Acryl-Malkarton Postkarten im Din-lang-Format schneiden. Mit Fineliner Adressfeld anlegen.
 

 
Aus Ultramarinblau, einem Hauch Gelb und viel Weiß mische ich mir ein Eisblau. Damit wird nun eine erste Farbschicht auf alle Karten gedruckt.
 

 
Ausgebreitet gut trocknen lassen, am besten über Nacht.
 

 
Eine Karte einschannen und am PC spielen, um die Verteilung meiner gewählten Farben auszuprobieren. Ein Farbmuster ausdrucken.
 

 
Jetzt wird gepinselt. Jede Farbe auf die vorgesehen Streifen. Fließbandproduktion. Das dauert!
 

 
Irgendwann sind sie dann fertig, die Karten.
Nein, nicht ganz. Sie wollen noch adressiert und mit einem Text versehen werden. Dazu habe ich ein paar lyrische Zeilen überlegt, die meine Gefühle zu den Farbstreifen spiegeln sollen.
Briefmarken drauf und ab in den Briefkasten. Ich hoffe, alle sind gut angekommen.
 

 
Ich glaube, die Karten-Produktion schicke ich jetzt noch zum creadienstag.
 

Geschick


 
Und schon kam die nächste Besucherin zur Tür herein. Klein, zierlich, in einen handgestrickten Poncho gewickelt, trippelte sie durch den Raum und zu Nicola hinüber.
„Ist hier noch frei?“, fragte sie.
„Offensichtlich“, erwiderte Nicola Neugier und linderte ihre etwas harsche Erwiderung durch ein freundliches Lächeln.
„Entschuldigen Sie, ich mag nicht gerne so alleine sitzen. Ich heiße Gesa, Gesa Geschick. Handarbeitslehrerin. Ich dachte, wenn es um Weihnachtsgeschenke geht, muss ich dabei sein.“
Nicola stellte sich ebenfalls vor und bewunderte den Poncho.
„Eine schöne Arbeit, tolles Muster und die Wolle ist ganz weich.“
„Merino, handgesponnen.“ Gesa reckte sich stolz. „Ich kenne die Schafe persönlich.“
Nicola grinste. Diese Frau war ihr sympatisch. Etwas redselig vielleicht, aber nett. In den nächsten Minuten erfuhr sie alles über den Weg der Wolle vom Schaf zur Stricknadel.
„Und mit Wollresten kann man noch allerlei Kleinigkeiten basteln. Ich habe da gerade etwas für den Advent gemacht, schauen Sie mal.“
Sie zog ein Tablet aus der Tasche, wischte darüber und zeigte Nicola einen Blogbeitrag aus dem Internet.

* * *

Wollverwickeltes Teelicht-Glas


 
Für die Tischdeko im Naturlook brauchte ich noch Umhüllungen für meine Teelicht-Gläser (ihr kennt sicher die kleinen, einfachen vom Möbel-Schweden).
Und weil bei mir immer irgendwelche uralten Wollreste herumliegen, habe ich damit ein bisschen gespielt.
Hier sind die Zutaten:
 

 
Teelichtgläser, mit Klarsichtfolie überzogen und auf andere Gläser gestülpt
eine Schüssel zum Mischen
Kleister oder Acrylbinder, weiße Farbe
Wollreste
 

 
Du mischt Farbe und Kleister oder Binder.
Von der Wolle schneidest du lange Fäden ab, die du in der Farb-Kleister-Mischung badest. Richtig kräftig einmassieren, damit das Garn gut durchtränkt ist.
Die Fäden windest du dann um die Gläser, die von der Folie geschützt werden. Wickele, wie du magst, regelmäßig oder ganz wild.
 

 
Dann gut trocknen lassen, am besten bis zum nächsten Tag.
Weil ich ein bisschen zu wenig Farbe genommen habe, habe ich nochmal ein bisschen nachgetupft mit Weiß.
Nun kannst du die Folie von den Gläsern abheben und aus dem Wollgewickelten herausziehen. Fertig sind die Körbchen.
 

 
Bei mir stehen die Teelichtgläser nun auf einem Stück Jutesack zusammen mit Treibholz und umhäkelten Steinen. Ein bisschen Glanz kommt von einer goldenen Perlenkette und ein paar Gold-Draht-Kugeln.

Und nun ab damit zum creadienstag.
 

Work in progress: Pullover geringelt


 
Seit einer Weile habe ich einen geringelten Pullover auf den Nadeln.
Drei Farben: Apfelgrün, Meerblau und Dunkelblau; Nadelstärke 3,5.
 

 
Ich stricke wie meistens ohne Anleitung, was immer mal wieder zur Folge hat, dass ich ein Stück weit aufreifeln muss. Hier lag es daran, dass meine Streifenfolge zu lang geworden wäre (und ich wollte kein Strickkleid).

Wie das so ist: An dieser Stelle brauchte ich eine Pulli-Pause und da kam die Mützenstrick-Aktion (siehe letzte Woche) genau richtig.
Ich stricke immer noch Mützen, doch zwischendurch arbeite ich auch wieder mit dem dünnen Garn in Ringeln. 🙂
 

 
So weit bin ich inzwischen. Ihr seht, es braucht nicht mehr viel.

Wie bin ich vorgegangen?
Ich habe zuerst mit dem Nadelspiel am einen Ärmelende angefangen und in Runden Richtung Mitte gestrickt. Dann die Maschen geteilt, weitergestrickt, dabei den U-Boot-Ausschnitt gearbeitet. Maschen wieder zur Runde geschlossen und zweiten Ärmel gegengleich bis unten gestrickt.
 

 
Am Halsausschnitt Maschen aufgefasst und eine Blende gestrickt.
Am Körper ebenfalls Maschen aufgefasst und nun stricke ich in Runden so lang, wie der Pullover werden soll.

Mein Pullover-Projekt wandert jetzt zum creadienstag, zu Fannys liebste Maschen und zu Häkelline.

 

Frostige Zeiten – Da tut eine Mütze gut


 
Heute Morgen gab’s bei uns den ersten Bodenfrost. Die Nacht war klar, da wird es kalt, keine Frage im November. Und im Sonnenschein glitzern dann die feinen Kristalle und Tautropfen.
Die richtige Jahreszeit für Mützen – Mützen – Mützen.
 

 
Erinnert ihr euch? In den letzten zwei Jahren habe ich Mützen gestrickt für die Kleiderkammer unserer Gemeinde. Dort werden Flüchtlinge eingekleidet, aber auch andere Bedürftige können dort Kleidung und zum Teil Hausrat bekommen, wenn es ihnen möglich ist gegen eine kleine Spende.
 

 
Im Oktober habe ich bei der Leiterin nachgefragt, ob auch in diesem Jahr Mützen benötigt werden. Klar, immer gerne. Und dann hat sie hat mir Wolle vorbeigebracht, die die Handarbeitsgruppe der Gemeinde aussortiert hat.
Das gibt reichlich Arbeit!
 

 
Zuerst mal habe ich ein bisschen sortiert nach Farben, dann habe ich losgelegt.
Mütze um Mütze, abends beim Fernsehen, auf längeren Autofahrten, beim Quatschen mit Freunden.
 

 
Inzwischen sind zwölf ganz unterschiedliche Mützen fertig.
Und an Nummer dreizehn arbeite ich gerade.
 

 
Jetzt aber ganz schnell ab damit zum creadienstag.

 

Meeres-Socken

Socken gehen immer, das habe ich schon mehr als einmal geschrieben.
Ich liebe es, zwischendurch ein Paar zu nadeln, weil das ein überschaubares Projekt ist.
Außerdem kaufe ich Sockenwolle gerne, wenn sie im Angebot ist (z.B. beim Sortimentswechsel). Da ist mir diese meeresfarbene Wolle in die Finger gefallen.
 

 
Ich mag Muster, die einfach zu stricken sind und die es mir leicht machen, beide Socken gleich lang zu stricken.
Zu diesem Garn dachte ich mir: Ich brauche ein Muster, das an Wellen erinnert.
 

 
Und habe mir eins ausgedacht (kann natürlich auch sein, dass es das irgendwo schon gibt, aber ich habe nicht danach gesucht). Mir ging es um eine Art Rippenmuster, das elastisch ist und nicht so schnell ausleiert.

Maschenzahl teilbar durch 8
Bündchen: 20 Reihen „2 M re, 2 M li“

Mustersatz (über 8 M):
1. – 6. R.: 6 M re, 2 M li
7. R.: 1 Umschlag, 1 einfacher Überzug (1 M abheben, 1 M re, die abgehobene M über die gestrickte M ziehen), 4 M re,2 M li
8. und alle geraden R.: Die M stricken, wie sie erscheinen, den Umschlag re verschränkt abstricken
9. R.: 1 M re, 1 Umschlag, 1 einf. Überzug, 3 M re, 2 M li
11. R.: 2 M re, 1 Umschlag, 1 einf. Überzug, 2 M re, 2 M li
13. R.: 3 M re, 1 Umschlag, 1 einf. Überzug, 1 M re, 2 M li
15. R.: 4 M re, 1 Umschlag, 1 einf. Überzug, 2 M li
 

 

Und nun ab mit den Socken zum creadienstag, zu Fanny’s liebste Maschen und zu Häkeline.

 

Kreisendes Objekt


 
Manchmal müssen es Häkelkreise sein. Schwarz-Weiß oder Bunt.
 

 
Schön ist es, wenn diese Kreise nicht starr sind sondern beweglich. Also könnte man sie drehbar lagern. Entweder so …
 

 
… oder so:
 

 
Herbst ruft nach Farbe, vor allem auch mit Blick auf den Winter.
Also noch ein bisschen Blütenartiges ergänzen.
 

 
Und dann beschließe ich: Projekt fertig !
 

 
Aus einem alten Fahrradrahmen vom Sperrmüll wurde dieses „Kreisende Objekt“, das in den nächsten Tagen neben dem galerie.mobil seinen Platz finden wird.
Mal sehen, was die Besucher beim Offenen Atelier dazu sagen.

Jetzt aber erstmal zum creadienstag damit, auch wenn ich es tragen muss, weil es kopfüber ja nicht rollen kann.

Nachtrag:
Ich schicke mein „Kreisendes Objekt“ auch noch zu Fanny’s liebste Maschen und zu Häkelline.