S wie Schaukelstuhl

 
Er steht die meiste Zeit im Jahr ein wenig abseits in der Zimmerecke. Kann sich dort kaum bewegen. Die Katzen schlafen manchmal auf seinem Polster, sonst wird er ignoriert.

Er ist unnütz, sagen sie. Man kann mit ihm nichts Rechtes anfangen. Er passt weder an den Couchtisch noch an den Esstisch und schon gar nicht an den Schreibtisch. Eigentlich sollte man ihn weggeben, verschenken oder auf den Sperrmüll.

Ich streiche über den gebogenen Bambus, fahre mit den Fingern die Armlehne entlang, die sich zur Kufe krümmt. Er neigt sich ein wenig, stößt an die Wand, erstarrt.
Ich ziehe ihn aus seiner Ecke, stupse ihn an, beobachte sein leichtes Schwingen, bis die Pendelbewegung zum Stillstand kommt.

Ich streiche das Polster glatt, drehe mich um und lasse mich vorsichtig auf den Sitz sinken. Lehne mich an, setze die Füße auf die Querstange, nicht ohne ihm vorher einen Impuls zu geben.
Ich schließe die Augen und lasse mich wiegen. Ich atme ein und aus, von Zeit zu Zeit wippe ich ein wenig, damit dieses Wiegen anhält.

Wo ist die Hektik dieser Tage geblieben? Wo die Rastlosigkeit, der Stress, die Unruhe?
Und da sagen sie, er sei unnütz!

 

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