SehnsuchtsOrte (2)

Saint-Paul-de-Mausole-01
 
Saint-Paul-de-Mausole (Südfrankreich) (1)
Acryl auf Leinwand, 50 x 60 cm

* * * * *

Die Abtei Saint-Paul-de-Mausole liegt bei Saint-Rémy-de-Provence.
Dort gibt es eine private Nervenheilanstalt, und zwar schon sehr lange.
Von Mai 1989 an lebte Vincent van Gogh für ein Jahr dort, da er nach der bekannten Selbstverstümmelung am Ohr und einem Klinikaufenthalt in Arles sich nicht zutraute, wieder alleine zu leben. Sozusagen als Therapie malte er wie ein Besessener.
Auf dem Gelände der Abtei und auch rundum stehen große Tafeln mit Abbildungen der Werke, die damals entstanden sind. Bei einem Besuch der Abtei haben wir uns Bronzefiguren des Malers, sein Zimmer und einige andere Räume sowie den Garten angeschaut.

Socken-Allerlei


 
Seit dem Frühjahr habe ich diverse Socken gestrickt, immer zwischendurch, insgesamt fünf Paar sind es geworden (und ein sechstes ist gerade in Arbeit).

Das erste Paar ist aus zwei einfarbigen Resten gestrickt:
 

 
Das zweite Paar aus sechsfädiger Wolle mit einem Muster in Eigenkreation, inspiriert ein bisschen vom Gundel-Muster.
 

 

 
Bei meinem Besuch in einem Wollgeschäft in der nächsten Stadt musste ich einfach etwas mitnehmen – dieser Sockenwolle konnte ich nicht widerstehen.
 

 
Irgendwann im Winter hatte ich zwei Knäuel blaugemusterte Sockenwolle gekauft, ursprünglich für eine Schal. Meine Mutter wollte es aber lieber bunter, also konnte ich Socken stricken (und habe natürlich noch Wolle für mindestens ein weiteres Paar).
 

 
Und diese Sockenwolle habe ich im Urlaub gekauft, weil ich auch unterwegs kaum an Wollgeschäften vorbei gehen kann.
 

 
So langsam ist meine Sockenschublade voll. Aber alte gekaufte Socken werden ja auch nach und nach ausgemistet, dann ist wieder Platz.

Jetzt mal schnell ab damit zum creadienstag.
 

Sooo viel Zeug (3)

Ich stehe mit dem neuen T-Shirt vor dem offenen Kleiderschrank und denke:
Verflixt, wo soll das da noch hinein? Wenn ich es auf den Stapel mit den anderen T-Shirts quetsche, dann bekommen alle Falten. Und wenn ich eins herausziehen will, rutschen mindestens zwei hinterher und ich darf sie neu zusammenlegen.
Was tun?

Erste Möglichkeit: Ich lege das T-Shirt auf einen anderen Stapel, auf dem noch etwas Platz ist, egal, ob das jetzt Pullover oder Sweat-Shirts sind oder was auch immer.
Nachteil: Ich bringe Durcheinander in den Schrank und übersehe das T-Shirt vermutlich, weil ich es dort nicht erwarte.

Zweite Möglichkeit: Ich weite den Stauraum für meine Kleidung aus, indem ich vielleicht einen neuen Schrank kaufe oder Teile eines vorhandenen Schrankes nun für Kleidung verwende.
Nachteil: Mein Zuhause wird immer voller, enger und unübersichtlicher.

Dritte Möglichkeit: Ich beschließe, mich von Kleidungsstücken zu trennen, um Platz für das neue T-Shirt zu machen. Klingt sinnvoll, ist aber gar nicht so einfach.
Ich muss mir Kriterien überlegen, die mir eine Entscheidung möglich machen: Behalten oder aussortieren?

Das Zeitkriterium (soundso lange nicht benutzt) mag ich nicht, weil es Dinge gibt, die ich wirklich sehr selten brauche, aber hin und wieder eben schon.
Das Kriterium von Marie Kondo (ich hatte hier von ihrer Methode erzählt), die Dinge zu behalten, die uns glücklich machen, gefällt mir da schon deutlich besser. Aber dabei gibt es immer wieder Fälle, bei denen mich ein schlechtes Gewissen plagt.

Wenn ich ein T-Shirt gekauft habe, in dem ich mich nicht wirklich wohl fühle, kann ich es nicht einfach wegwerfen oder weggeben. Es hat schließlich Geld gekostet, mein Geld. Und ich denke dann, ich müsste es irgendwie nutzen, sozusagen den Kaufbetrag abnutzen.

Bei meiner Beschäftigung mit dem Thema „Wirtschaft“ bin ich auf einen Begriff gestoßen, der hier passt: „sunk costs“ – versunkene Kosten.
Kosten, die in der Vergangenheit angefallen sind und nicht rückgängig gemacht werden können, sind versunken. Sie sind nicht zu ändern und sollten bei Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, nicht berücksichtigt werden.

Ein Beispiel aus der Wirtschaft:
Ich plane ein Projekt, bei dem ich insgesamt 100.000 Euro investieren muss und einen Erlös von 120.000 Euro erwarte. Hieße: ich mache einen Gewinn von 20.000 Euro. Klingt gut und ich lege los.
Nachdem ich 10.000 Euro in die Planung gesteckt habe, stellt sich heraus, dass ich vorausichtlich nur 80.000 Euro einnehmen werde. Weitermachen oder das Projekt stoppen?

Wenn ich weitermache, werde ich ab diesem Zeitpunkt Kosten von 90.000 Euro aufhäufen, aber nur 80.000 Euro einnehmen. Ich beende das Projekt also.
Die 10.000 Euro Planungskosten habe ich für die Entscheidung nicht berücksichtigt, weil sie vergangen, versunken sind. Ich bekomme sie so oder so nicht zurück.

Psychologisch gibt es hier eine Falle:
Wenn wir Geld, Mühe, Zeit in ein Projekt investiert haben, neigen wir dazu, an diesem Projekt festzuhalten. Und zwar unabhängig davon, wie die Prognose für die Zukunft aussieht.

So ist das auch mit meinem ungeliebten T-Shirt. Ich habe in der Vergangenheit Geld investiert, also behalte ich es, obwohl die Prognose für die Zukunft sagt: Dieses T-Shirt wird weiter ungetragen im Schrank liegen und mich ärgern.
Nehme ich die „sunk costs“ für das T-Shirt aus meinen Überlegungen heraus, ist klar: Ich werde es weggeben, z.B. an ein soziales Kaufhaus, denn dann nutzt es vielleicht noch jemand anderem.

 

Sooo viel Zeug (2)

Wo war ich gestern stehen geblieben? Bei dem Problem mit den Bedürfnissen und den T-Shirts.
Ich habe mir den Begriff „Bedürfnis“ näher angeschaut, habe z.B. bei Wikipedia nachgelesen und festgestellt, dass hinter diesem einfach klingenden Wort eine ganze Menge steckt.

Ich habe ihn gestern verwendet, wie wir das im Alltag gerne tun, und habe damit das Haben-wollen bezeichnet, das Verlangen nach etwas.
Die Psychologie ist da genauer: Wir empfinden einen Mangel und möchten ihn beheben. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob dieser Mangel ein tatsächlicher Zustand ist oder ob er in unserer Vorstellung existiert.
Wenn ich Hunger habe, dann ist das ganz real und ich muss etwas essen, damit der Hunger verschwindet. Da Nahrung lebenswichtig ist, gehört sie zu unseren körperlichen Grundbedürfnissen, besser Existenzbedürfnissen.
Ein weiteres Existenzbedürfnis ist Kleidung, denn mein Körper braucht Wärme (zumindest die meiste Zeit in unserem Klima).

Und schon bin ich bei meinem neuen gestreiften T-Shirt.
Wenn ich einen ganzen Stapel T-Shirts im Schrank habe, dann ist das Bedürfnis nach Bekleidung, um mich zu wärmen, befriedigt. Und zwar mehrfach.
Warum also kaufe ich weitere T-Shirts?

Vielleicht ist es ganz simpel: Jemand hat mich dazu verführt und ich – ich habe mich verführen lassen. Z.B. von der Werbung.
Werbung soll Bedürfnisse wecken, einen Bedarf erzeugen, der dann vom Angebot auf dem Markt gedeckt wird.
Bedarf ist – wirtschaftswissenschaftlich gesprochen – die Kombination eines Bedürfnisses mit Kaufkraft, sprich: Geld.
Das heißt ganz einfach: Werbung soll dafür sorgen, dass wir Geld ausgeben für Dinge, von denen wir vor der Werbung noch nicht wussten, dass wir sie brauchen könnten.

Ich habe mein neues, gestreiftes T-Shirt vielleicht nicht in einem Werbeprospekt gesehen. Aber wenn ich durch die Stadt gehe, wenn ich in einem Geschäft stehe, dann sind all die Auslagen ja auch nichts anderes als Werbung. Die Dinge leuchten mich an, als würden sie rufen: Nimm mich mit, ich bin genau das, was dir fehlt.
Und ich werde schwach und denke: Ja, dieses T-Shirt gefällt mir. Es würde perfekt passen zur roten Hose und ist auch gar nicht teuer.
Man beachte die Reihenfolge: Zuerst „gefällt mir“ – meine Gefühle sind angesprochen.
Danach kommt dann eine Art Rechtfertigung, aber da ist die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Ich kaufe das T-Shirt und bin damit in die Falle getappt.

So weit meine Gedanken zu Bedürfnissen und T-Shirts (sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit).
Morgen geht’s dann weiter, wenn ich vor dem vollen Schrank stehe und überlege, wie ich Platz für das neue T-Shirt schaffen kann.

 

Sooo viel Zeug (1)

Woher das nur alles kommt?
All diese Dinge in Schränken und Schubladen, auf Regalen und sämtlichen freien Flächen. Sie kommen nicht durchs Fenster geschwebt, sie wachsen nicht aus dem Teppich. Wir holen sie uns selber in unser Zuhause. ICH ganz persönlich hole sie herein.
Ich kaufe Sachen in Geschäften oder im Internet. Ab und zu nehme ich Dinge auf, die jemand anderes nicht mehr braucht. Und dann gibt’s ja auch noch Geschenke.

Den größten Teil der Dinge benutze ich oder erfreue mich daran. Zumindest für eine Weile. Irgendwann landet dann aber vieles in einer Ecke, einem Schrank, verschwindet aus dem Blick und aus den Gedanken. Und ich trage erneut Zeug nach Hause.
Liegt es daran, dass meine Vorfahren bis zu den Jägern und Sammlern zurück reichen? Steckt es in den Genen, dieses mächtige Haben-wollen?

Haben wollen. Das klingt nach Bedürfnis.
Da ist also ein Bedürfnis, zu dessen Befriedigung ich etwas benötige, ein Ding, eine Sache, Zeug eben. Und wenn ich dieses Ding, diese Sache, dieses Zeug habe, dann ist mein Bedürfnis befriedigt und gibt Ruhe. Oder nicht?
Denn es dauert nur eine kleine Weile, dann ist das nächste Haben-wollen da.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich kaufe ein hübsch gestreiftes T-Shirt. Zuhause packe ich es aus, bügele vielleicht ein paar Falten heraus und lege es in den Schrank. Auf einen hohen Stapel anderer T-Shirts, teils einfarbig, teils gestreift. Aber genau so eins, wie das neue, war nicht dabei, deshalb glaubte ich ja es zu brauchen.
Und dann kann folgendes passieren:
Erste Möglichkeit: Ich ziehe das neue T-Shirt bei der nächsten Gelegenheit an, fühle mich darin wohl und trage es in der kommenden Zeit regelmäßig. Dann habe ich sozusagen ein neues Lieblingsteil. Dafür dämmern dann aber andere Shirts im Dunkel des Schranks vor sich hin und sind eigentlich überflüssig.
Zweite Möglichkeit: Ich trage das neue T-Shirt ein Mal, irgendwie passt es aber nicht so richtig in Form oder Farbe oder was auch immer mir ein ungemütliches Gefühl macht. Also lege ich es nach der Wäsche in den Schrank und ignoriere es. Es lagert vor sich hin, auch wenn es eigentlich unnütz ist. Aber es ist ja neu und hat Geld gekostet, also bleibt es.
Dritte Möglichkeit: Ich vergesse das neue T-Shirt für eine Weile, es liegt ordentlich aber unbenutzt im Schrank. Anscheinend war es doch nicht so wichtig. Wenn ich es dann irgendwann wieder entdecke, kommen Möglichkeit eins oder zwei zum Tragen.

Was ist nun mit dem Bedürfnis, das mich das neue T-Shirt hat kaufen lassen?
Und was mache ich mit überschüssigen T-Shirts in meinem Schrank (egal ob neu oder alt)?
Darüber denke ich morgen nach.

 

Frisch behäkelt in den Herbst


 

Letzte Woche hatte ich euch erzählt, das ich die Häkel-Mäntel für ein paar Bäume im Dorf überarbeite.
Wind und Wetter hatten ihnen arg zugesetzt, die Farben auf der Außenseite ausgebleicht und nach dem Waschen hatten sich Teile regelrecht aufgelöst.

Seit dieser Woche sind die Bäume wieder bunt bekleidet und leuchten in den sonnigen Herbst.

 

 

Eine Freundin hat sich schon darüber gefreut. Und wir überlegen, ob man die Häkelei nicht noch ein wenig ausweiten kann. Mal sehen, was uns noch einfällt.

 

 

Zur Zeit stehen allerdings andere Arbeiten an, die gar nichts mit Guerilla-Häkeln zu tun haben.

 

Quer gestrickt und bunt gestreift

Ich liebe es, Strickgarn zu kaufen und kaufe so viel, dass es garantiert reicht (für was auch immer) – meistens bleiben ein oder zwei oder noch mehr Knäuel übrig.
Gebe ich sie dann zurück? Nein, natürlich nicht. Kann man ja noch für etwas anderes verwenden.
Wie bei zwei Pullovern, die ich aus dem gleichen Garn getrickt hatte, nämlich diese beiden hier:
 

 
Drei Farben, unterschiedliche Garnmengen. Und was für ein Modell sollte daraus entstehen? Ich habe eine Weile überlegt und dann einfach angefangen.
Und zwar am Ärmel. Rundgestrickt mit dem Nadelspiel in Blaugrün. Stricken, zunehmen, bis ich der Meinung war, der Ärmel sei lang und weit genug.
Parallel dazu mit Apfelgrün und einem zweiten Nadelspiel den zweiten Ärmel angeschlagen, Streifen unterschiedlicher Breite gestrickt, gleiche Zunahmen.
Dann beide Teile geteilt und Maschen aufgenommen, um Vorder- und Rückseite anzustricken. Dabei nach der Schulter wiederum geteilt für den Ausschnitt (hinten leichter Bogen, vorne V-Ausschnitt).
Als alle Teile breit genug waren, konnte ich die Vorderteile einfach zusammenstricken, die Rückenhälften ebenfalls. Nur die Seitennähte musste ich mit Nadel und Faden schließen.
Dann noch Abschlussbündchen dranstricken, damit die Kanten schön aussehen. Außerdem war noch Hellblau übrig.

Das Ergebnis:
 

 
Und diese kreative Wolle-Verwertung schicke ich jetzt zum creadienstag.
Mal sehen, was dort noch alles gezeigt wird.