Sooo viel Zeug (2)

Wo war ich gestern stehen geblieben? Bei dem Problem mit den Bedürfnissen und den T-Shirts.
Ich habe mir den Begriff „Bedürfnis“ näher angeschaut, habe z.B. bei Wikipedia nachgelesen und festgestellt, dass hinter diesem einfach klingenden Wort eine ganze Menge steckt.

Ich habe ihn gestern verwendet, wie wir das im Alltag gerne tun, und habe damit das Haben-wollen bezeichnet, das Verlangen nach etwas.
Die Psychologie ist da genauer: Wir empfinden einen Mangel und möchten ihn beheben. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob dieser Mangel ein tatsächlicher Zustand ist oder ob er in unserer Vorstellung existiert.
Wenn ich Hunger habe, dann ist das ganz real und ich muss etwas essen, damit der Hunger verschwindet. Da Nahrung lebenswichtig ist, gehört sie zu unseren körperlichen Grundbedürfnissen, besser Existenzbedürfnissen.
Ein weiteres Existenzbedürfnis ist Kleidung, denn mein Körper braucht Wärme (zumindest die meiste Zeit in unserem Klima).

Und schon bin ich bei meinem neuen gestreiften T-Shirt.
Wenn ich einen ganzen Stapel T-Shirts im Schrank habe, dann ist das Bedürfnis nach Bekleidung, um mich zu wärmen, befriedigt. Und zwar mehrfach.
Warum also kaufe ich weitere T-Shirts?

Vielleicht ist es ganz simpel: Jemand hat mich dazu verführt und ich – ich habe mich verführen lassen. Z.B. von der Werbung.
Werbung soll Bedürfnisse wecken, einen Bedarf erzeugen, der dann vom Angebot auf dem Markt gedeckt wird.
Bedarf ist – wirtschaftswissenschaftlich gesprochen – die Kombination eines Bedürfnisses mit Kaufkraft, sprich: Geld.
Das heißt ganz einfach: Werbung soll dafür sorgen, dass wir Geld ausgeben für Dinge, von denen wir vor der Werbung noch nicht wussten, dass wir sie brauchen könnten.

Ich habe mein neues, gestreiftes T-Shirt vielleicht nicht in einem Werbeprospekt gesehen. Aber wenn ich durch die Stadt gehe, wenn ich in einem Geschäft stehe, dann sind all die Auslagen ja auch nichts anderes als Werbung. Die Dinge leuchten mich an, als würden sie rufen: Nimm mich mit, ich bin genau das, was dir fehlt.
Und ich werde schwach und denke: Ja, dieses T-Shirt gefällt mir. Es würde perfekt passen zur roten Hose und ist auch gar nicht teuer.
Man beachte die Reihenfolge: Zuerst „gefällt mir“ – meine Gefühle sind angesprochen.
Danach kommt dann eine Art Rechtfertigung, aber da ist die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Ich kaufe das T-Shirt und bin damit in die Falle getappt.

So weit meine Gedanken zu Bedürfnissen und T-Shirts (sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit).
Morgen geht’s dann weiter, wenn ich vor dem vollen Schrank stehe und überlege, wie ich Platz für das neue T-Shirt schaffen kann.

 

Sooo viel Zeug (1)

Woher das nur alles kommt?
All diese Dinge in Schränken und Schubladen, auf Regalen und sämtlichen freien Flächen. Sie kommen nicht durchs Fenster geschwebt, sie wachsen nicht aus dem Teppich. Wir holen sie uns selber in unser Zuhause. ICH ganz persönlich hole sie herein.
Ich kaufe Sachen in Geschäften oder im Internet. Ab und zu nehme ich Dinge auf, die jemand anderes nicht mehr braucht. Und dann gibt’s ja auch noch Geschenke.

Den größten Teil der Dinge benutze ich oder erfreue mich daran. Zumindest für eine Weile. Irgendwann landet dann aber vieles in einer Ecke, einem Schrank, verschwindet aus dem Blick und aus den Gedanken. Und ich trage erneut Zeug nach Hause.
Liegt es daran, dass meine Vorfahren bis zu den Jägern und Sammlern zurück reichen? Steckt es in den Genen, dieses mächtige Haben-wollen?

Haben wollen. Das klingt nach Bedürfnis.
Da ist also ein Bedürfnis, zu dessen Befriedigung ich etwas benötige, ein Ding, eine Sache, Zeug eben. Und wenn ich dieses Ding, diese Sache, dieses Zeug habe, dann ist mein Bedürfnis befriedigt und gibt Ruhe. Oder nicht?
Denn es dauert nur eine kleine Weile, dann ist das nächste Haben-wollen da.

Nehmen wir ein Beispiel. Ich kaufe ein hübsch gestreiftes T-Shirt. Zuhause packe ich es aus, bügele vielleicht ein paar Falten heraus und lege es in den Schrank. Auf einen hohen Stapel anderer T-Shirts, teils einfarbig, teils gestreift. Aber genau so eins, wie das neue, war nicht dabei, deshalb glaubte ich ja es zu brauchen.
Und dann kann folgendes passieren:
Erste Möglichkeit: Ich ziehe das neue T-Shirt bei der nächsten Gelegenheit an, fühle mich darin wohl und trage es in der kommenden Zeit regelmäßig. Dann habe ich sozusagen ein neues Lieblingsteil. Dafür dämmern dann aber andere Shirts im Dunkel des Schranks vor sich hin und sind eigentlich überflüssig.
Zweite Möglichkeit: Ich trage das neue T-Shirt ein Mal, irgendwie passt es aber nicht so richtig in Form oder Farbe oder was auch immer mir ein ungemütliches Gefühl macht. Also lege ich es nach der Wäsche in den Schrank und ignoriere es. Es lagert vor sich hin, auch wenn es eigentlich unnütz ist. Aber es ist ja neu und hat Geld gekostet, also bleibt es.
Dritte Möglichkeit: Ich vergesse das neue T-Shirt für eine Weile, es liegt ordentlich aber unbenutzt im Schrank. Anscheinend war es doch nicht so wichtig. Wenn ich es dann irgendwann wieder entdecke, kommen Möglichkeit eins oder zwei zum Tragen.

Was ist nun mit dem Bedürfnis, das mich das neue T-Shirt hat kaufen lassen?
Und was mache ich mit überschüssigen T-Shirts in meinem Schrank (egal ob neu oder alt)?
Darüber denke ich morgen nach.

 

Frisch behäkelt in den Herbst


 

Letzte Woche hatte ich euch erzählt, das ich die Häkel-Mäntel für ein paar Bäume im Dorf überarbeite.
Wind und Wetter hatten ihnen arg zugesetzt, die Farben auf der Außenseite ausgebleicht und nach dem Waschen hatten sich Teile regelrecht aufgelöst.

Seit dieser Woche sind die Bäume wieder bunt bekleidet und leuchten in den sonnigen Herbst.

 

 

Eine Freundin hat sich schon darüber gefreut. Und wir überlegen, ob man die Häkelei nicht noch ein wenig ausweiten kann. Mal sehen, was uns noch einfällt.

 

 

Zur Zeit stehen allerdings andere Arbeiten an, die gar nichts mit Guerilla-Häkeln zu tun haben.

 

Quer gestrickt und bunt gestreift

Ich liebe es, Strickgarn zu kaufen und kaufe so viel, dass es garantiert reicht (für was auch immer) – meistens bleiben ein oder zwei oder noch mehr Knäuel übrig.
Gebe ich sie dann zurück? Nein, natürlich nicht. Kann man ja noch für etwas anderes verwenden.
Wie bei zwei Pullovern, die ich aus dem gleichen Garn getrickt hatte, nämlich diese beiden hier:
 

 
Drei Farben, unterschiedliche Garnmengen. Und was für ein Modell sollte daraus entstehen? Ich habe eine Weile überlegt und dann einfach angefangen.
Und zwar am Ärmel. Rundgestrickt mit dem Nadelspiel in Blaugrün. Stricken, zunehmen, bis ich der Meinung war, der Ärmel sei lang und weit genug.
Parallel dazu mit Apfelgrün und einem zweiten Nadelspiel den zweiten Ärmel angeschlagen, Streifen unterschiedlicher Breite gestrickt, gleiche Zunahmen.
Dann beide Teile geteilt und Maschen aufgenommen, um Vorder- und Rückseite anzustricken. Dabei nach der Schulter wiederum geteilt für den Ausschnitt (hinten leichter Bogen, vorne V-Ausschnitt).
Als alle Teile breit genug waren, konnte ich die Vorderteile einfach zusammenstricken, die Rückenhälften ebenfalls. Nur die Seitennähte musste ich mit Nadel und Faden schließen.
Dann noch Abschlussbündchen dranstricken, damit die Kanten schön aussehen. Außerdem war noch Hellblau übrig.

Das Ergebnis:
 

 
Und diese kreative Wolle-Verwertung schicke ich jetzt zum creadienstag.
Mal sehen, was dort noch alles gezeigt wird.
 

SehnsuchtsOrte (1)

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Fréjus (Südfrankreich)
Acryl auf Leinwand, 50 x 60 cm

* * * * *

Ihr wisst, dass ich gerne Landschaften male, Orte, die ich mag.
In diesem Jahr beschäftige ich mich malerisch mit solchen SehnsuchtsOrten.
Ich nutze wie immer Fotos von unterwegs als Inspiration, erarbeite mir dann aber das Motiv mit einer gewissen Freiheit, vor allem im Bereich der Farbwahl.

Der Zauber des Ausmistens

Ich mag unsere Bibliothek, also die in der nächsten Stadt, besuche sie regelmäßig. Mir geht’s meist um Sachbücher. Mich bewegt mal wieder ein Thema und ich möchte dazu etwas lesen. Aber fast immer nehme ich dann noch etwas ganz anderes mit, weil es mich auf meinem Weg durch die Bibliothek angesprungen hat.

Sie machen das geschickt: Gleich hinter dem Eingang lauert ein großes Regal aus roten Quadern, in dem Neuzugänge aufgebaut sind. Und im Lesesaal stehen neben den Regalen Tische mit ausgelegten Büchern zu einzelnen Themen.
Klar, dass mein Blick darüber gleitet. Und klar, dass er hängen bleibt an einem Cover, einem Titel, manchmal nur einem Wort. Ich nehme das Buch in die Hand, lese den Klappentext, blättere – und nehme mit. Und auf diese Weise ist mir letztens auch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo in die Finger gefallen.

Irgendwann irgendwo hatte ich diese zwei Worte schon mal gehört: „Magic Cleaning“. Weil ich dabei an Putzen dachte, habe ich keinen weiteren Gedanken daran verschwendet. Was soll an Putzen schon magisch sein. Aber es geht um etwas ganz anderes.
Es geht um ein weiter gefasstes Reinigen, um Ausmisten und Aufräumen – und zwar äußerlich wie innerlich. Wobei das eine sozusagen automatisch aus dem anderen folgt.

Marie Kondo, Japanerin, ist gerade mal knapp über 30, beschäftigt sich mit dem Thema Aufräumen laut eigener Aussage schon seit Kindertagen. Und sie kennt genau das grundlegende Problem:
Aufräumen ist bei den meisten von uns eine Sisyphus-Aufgabe, eine Aufgabe, die nie fertig wird. Kaum scheinen wir Ordnung geschaffen zu haben, bilden sich hinter unserem Rücken schon die nächsten Haufen mit „Zeug“, mit Dingen, die herumliegen, sich stapeln, türmen. Die für Unordnung sorgen, die uns zur Weißglut bringen (es sei denn, wir sind bereits in dem Stadium angelangt, in dem uns alles egal ist). Aufräumen scheint eine endlose Geschichte zu sein.

Woran liegt das? Marie Kondo hat eine einfach Antwort: Wir haben zu viel Zeug!
Wir verstopfen unsere Wohnungen mit zu vielen Dingen, die wir eigentlich nicht brauchen. Wenn wir gründlich ausmisten und danach richtig aufräumen, dann erledigt sich das Problem von selber.
Spontan fällt mir beim Lesen ein Song von Silbermond ein – Leichtes Gepäck – und ich denke, dass Frau Kondo wahrscheinlich recht hat. Aber was ist zu viel? Und wie räume ich richtig auf?

Marie Kondo hat ein paar einfache Grundsätze:
> Zuerst wird entrümpelt, danach aufgeräumt.
> Entrümpeln soll man in einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt.
> Entrümpelt wird nach Kategorien (Kleidung, Bücher, Papiere, Kleinkram, Erinnerungen), nicht nach Räumen.
> Beim Aufräumen wird für jedes Ding ein fester Platz bestimmt, an den es immer wieder zurück gebracht wird.

Um perfekt entrümpeln zu können, muss man sich vorher überlegen, was man damit erreichen will, wie man leben möchte und warum gerade so. Das motiviert.
Und fürs Wegwerfen gibt es bei ihr nur ein Kriterium:
Ich nehme jedes Ding in die Hand und frage mich: Macht mich dieses Teil glücklich? Wenn ja, dann behalte ich es. Wenn nein, weg damit.
Es spielt keine Rolle, ob ein Ding teuer war oder ein Geschenk oder wann ich es das letzte Mal benutzt habe.
Wichtig ist, die Dinge wirklich Stück für Stück in die Hand zu nehmen, zu fühlen und zu spüren, in sich hinein zu hören. Das Ziel: Mich nur mit Dingen zu umgeben, mit denen ich mich wohlfühle. Das kann ich gut nachempfinden.

Ich kämpfe immer wieder mit der schieren Menge an Dingen, die sich in unserem Haus angesammelt haben. Ich merke tagtäglich, wie viel Zeit und Energie es kostet, diese Dinge in Ordnung zu halten. Und ich bin seit einiger Zeit dabei, hier und da auszumisten. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg.
Es gibt Bereiche im Haus, da ist Ordnung kein Problem. Das sind die Bereiche, wo das Zuviel entsorgt wurde, wo die Dinge ihren Platz haben (gutes Beispiel: die Küche). Das spricht für Marie Kondos Prinzip.
Andere Bereiche ziehen Dinge an und damit auch das Durcheinander. Ich verstehe, was sie mit „entrümpeln in einem Rutsch und perfekt“ meint. Wenn ich nicht alles gründlich ausmiste, dann kann sich das Chaos wie aus Keimzellen wieder ausbreiten.
Und ich kann auch gut nachvollziehen, dass es Sinn macht, nach Kategorien auszusortieren. Wenn man z.B. alle Kleidungsstücke aus allen Teilen der Wohnung zusammenholt und auf einen großen Haufen packt, erst dann bekommt man einen Überblick und der Überfluss wird deutlich. Das erleichtert die Trennung.

Es gibt allerdings auch Punkte in Marie Kondos Buch, an denen ich aussteige. Ich glaube z.B. nicht, dass nur 30 bis 50 Bücher genug wären. Ich glaube auch nicht, dass ich alle Bedienungsanleitungen wegwerfen will. Ich denke, manche ihrer Vorstellungen sind ihrer japanischen Herkunft geschuldet, einem Leben, das dem Einzelnen weniger Raum zugesteht, als es bei uns üblich ist.
Aber ihr Grundsatz: Nimm jedes Teil in die Hand und frag dich, ob es dich glücklich macht – der ist eine gute Entscheidungshilfe, um sich von Ballast in der eigenen Umgebung zu befreien.

Und natürlich lässt sich dieser Grundsatz auch auf andere Entscheidungen übertragen.
Ich gehe mit offenen Augen durch mein Leben. Wenn ich spüre, dass da etwas nicht in Ordnung ist – in der übertragenen Bedeutung -, bin ich aufgefordert zu handeln, etwas zu ändern, aufzuräumen.
Und das gilt sowohl für mein Inneres als auch für meine Umgebung.

Strickzeit (1): Frühjahrs-Pulli

Seit Februar habe ich einige Pullover und Socken gestrickt, gezeigt hatte ich euch bisher nichts davon (weil ich ja überhaupt fast nicht gebloggt habe).
Das hole ich jetzt Stück für Stück nach.

Den Anfang macht ein Baumwollpulli vom Frühjahr:
 

 

Gestrickt habe ich mit Cotonia II, einem relativ lang laufenden Baumwollgarn von Junghans, das es in vielen Farben gibt.
Da ich nicht gerne zusammennähe, habe ich rundgestrickt, sowohl den unteren Teil als auch die Ärmel, dann alles auf eine Rundnadel genommen und die Raglan-Schrägen fabriziert.
 

 

Der Pulli hat halblange Ärmel, die Bündchen sind kraus rechts gestrickt.
Das Lochmuster war recht einfach und ließ sich auch auf Autofahrten gut arbeiten.