Schlittenglück

Schnee auf Holzpfosten

Ein Mensch liebt Sonne, Wärme, Licht,
er schätzt den Winter folglich nicht.
Mit einer Ausnahme: Es fällt
der erste Schnee auf seine Welt.

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Humor


 

„Humor mein Name. Und der ist für mich Programm, wie man gerne sagt.“
Der Herr stand auf und verneigte sich. Er trug ein dunkles Jacket und eine rote Fliege. Ein dünner Haarkranz umschloss eine glänzende Glatze, die runde Nickelbrille rutschte auf seine Nasenspitze. Mit ausgestrecktem Mittelfinger schob er sie zurück und nahm wieder Platz.
„Ich glaube, dass Humor eine Gabe ist, die uns in die Wiege gelegt wird. Auch wenn das wissenschaftlich umstritten ist. Missgeschicken und alltäglichen Schwierigkeiten mit heiterer Gelassenheit“ – er nickte Frieda zu, die neben ihm saß – „begegnen ist für mich eine der wichtigsten Fähigkeiten in unseren Tagen. Und die leider so hektische Adventszeit provoziert Missgeschicke geradezu. Mit einer Portion Humor lassen sich Winterwetter, Warteschlangen, Zugverspätungen leichter ertragen. Nun ja,“ er zuckte mit den Schultern, „auch beim Schenken oder besser beim Beschenkt-werden kann man Humor gebrauchen. Es wäre der Weihnachtsstimmung alles andere als förderlich, wenn wir beim Auspacken des fünften Paar Sockens oder des dritten Küchenmixers ausfällig würden. Versuchen wir, der Situation etwas Positives abzugewinnen, dann löst das die Spannung und der Abend ist gerettet.“
Er nestelte einen Zettel aus der Jackentasche, schob erneut die Brille nach oben und las vor:

„Bekenntnis

Ich habe heute Morgen
den Nikolaus geneckt
und außerdem die Rute
Knecht Ruprechts gut versteckt.

Den Rentieren am Nordpol
gab ich Vanilleeis
und machte Schlittenkufen
ganz rau und stumpf mit Fleiß.

Den alten Weihnachtswichteln
rupft‘ ich den Rauschebart,
an Engelsflügeln zupfte
ich lieber nur hauchzart.

Doch all diese Versuche,
die war’n vergeblich, denn
Dezemberwochen lassen
sich nicht entschleunigen.“

Nach einem Moment der Verblüffung applaudierten die Gäste im Saal ausgiebig.

 

Ausstellung und Lesung

Im Heimatmuseum „Grüne Scheune“ in Drabenderhöhe heißt es demnächst:

„Altertum trifft Moderne“

Vom Samstag, 27.08., bis Sonntag, 11.09.2016, stelle ich zusammen mit Renate Dahmer und Hermann Hombach dort aus.
Während das Museum für das „Altertum“ zuständig ist, werden wir mit unseren Bildern ein Stück „Moderne“ in die Räume bringen.
Von mir wird es Landschaften und Stillleben zu sehen geben.

Und in der Mitte der Ausstellungszeit, am Sonntag, 04.09.2016, um 17.00 Uhr werde ich dort lesen:

„Herbstzauber“ – Geschichten und Lyrik

Der Herbst ist eine farbenfrohe Zeit, aber auch eine Zeit der Nachdenklichkeit und des Übergangs. Diese Facetten möchte ich mit meinen Texten ausleuchten.

Nähere Informationen zur „Grünen Scheune“:
Bärbel und Eckhardt Venz, Alte Kölner Str. 8, 51674 Wiehl, Tel. 02262/3456.
Oder im Netz unter Heimatverein Drabenderhöhe

17. Dezember

Verglüht

Ein Mensch kommt aus dem Schmuddelwetter
ins Haus und denkt: es wäre netter,
jetzt einen warmen Trunk zu haben.
Beschließt, an Glühwein sich zu laben.

Zuerst die Flasche Wein entkorkt –
mit solchem ist er gut versorgt -,
den Inhalt in den Topf gegossen,
weil „Glüh“ bedeutet „heiß genossen“.
Zur weihnachtlichen Würze nimmt
der Mensch drei Nelken, etwas Zimt,
presst eine Apfelsine aus
und starken Rum hat er im Haus.

Langsam erhitzen, etwas ziehen,
der Glühwein ist ihm gut gediehen.
Er füllt zur Hälfte seinen Becher –
man ist ja moderater Zecher -,
setzt sich, betrachtet ohne Grausen
das widerliche Wetter draußen,
und weil ihm noch ein wenig kühl,
füllt er den Becher mit Gefühl
ein zweites Mal und immer weiter.
Ins Bett geht unser Mensch recht heiter.

Ihr ahnt, wie es am nächsten Tag
dem Glühweinfreund ergehen mag.

(2011)

 

Waidmanns Nacht

Tiefgefroren ist der Boden,
knirschend-dünn von Schnee bedeckt,
als ein Mann im grünen Loden
auf dem Hochsitz sich versteckt.

Hüllt sich in ’ne warme Decke,
neben sich ein Schießgewehr.
Lauert, dass aus dichter Hecke
fettes Wildschwein kommt daher.

Im Vertrau’n auf Jagd-Diana
hat er sich verkalkuliert.
Wildschwein ist wie Indiana
hinter ihm vorbeimarschiert.

 

Pssst !

In einem Himmel voller Geigen
ist’s mir zu laut und zu pompös.
Bei honigsüßem Liebesreigen
werd‘ ich ganz zapplig und nervös.

Wenn Streicher die Gedankengänge
mit ihrem Säuseln schwer betören,
befürchte ich, die leisen Klänge
und Zwischentöne zu überhören.

 

14. Dezember

Winterlied

 
Winterlied
 

Düster, düster sind die Tage,
ungemütlich, kurz und kalt.
Wind singt seine graue Klage
über Felder in den Wald.

Heult durchs Tal und über Hügel,
streift die Bäche und den See,
friert ihm einen klaren Spiegel,
deckt ihn zu mit frischem Schnee.

Hinterm Fenster steh‘ und schau‘ ich
ihm bei seinem Treiben zu.
Lächele, denn drinnen wärmt mich
eine Tasse Tee – und du.

 
* * * * * * * * * *

 
Ich gestehe, der Text ist nicht aktuell, sondern von 2012. Aber er passt so gut zum aktuellen Wetter (nur ohne das Frieren), dass ich es nochmal hier präsentieren möchte.